Verkehrssicherheitswoche an der BBS II

Zocken am Steuer: Sekunden, die Leben zerstören

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Wollen sensibilisieren bei der Verkehrssicherheitswoche an der BBS 2: (von links) Peter Hüttenmeister von der Verkehrswacht Göttingen, Arnold von Zeppelin, von der Johanniter Unfallhilfe, Jürgen Schwarz von der Verkehrswacht und Dr. Christoph Spering von der Unfallchirurgie der UMG. 

Göttingen. 300 bis 400 Schüler der  Göttinger Berufsbildenden Schule (BBS) II nehmen diese Woche an der Verkehrssicherheitswoche der Deutschen Verkehrswacht teil.

Dort geht es diese Woche nicht um die Vorbereitung aufs Berufsleben, sondern um Verkehrssicherheit und Unfallprävention. Denn insbesondere junge Fahranfänger sind wiederholt in schwere Verkehrsunfälle involviert und besonders durch den sogenannten „Silent-Killer“ – das Smartphone – sowie durch eine alkohol- und drogenbeeinflusste Fahrtüchtigkeit gefährdet. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, hat die Polizeiinspektion Göttingen die Präventionsaktion „Dein Unfall, der nicht passiert!“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Zahl der auf Niedersachsens Straßen getöteten und schwerverletzten Personen zu reduzieren.

Während der insgesamt 36 Workshops referieren unter anderem Polizisten, Feuerwehrleute, Richter, Ärzte und auch die Verkehrswacht über Unfallprävention. „Wir wollen die jungen Leute sensibilisieren, nicht schockieren“, erklärt Polizeihauptkommissar Jörg Arnecke. Denn die Altersgruppe von 18 bis 25 Jahren sei mit 24 Prozent an schweren Unfällen beteiligt und verursache in ihren ersten vier bis fünf Autofahrerjahren weitaus mehr Unfälle, als der Durchschnitt aller Altersgruppen, erklärt der Verkehrssicherheitsberater.

Zocken am Steuer

„Eine Sekunde der Unachtsamkeit am Steuer, reicht aus für 27 Meter Blindflug“, erklärt Arnecke. Besonders schockierend: Immer mehr Schüler geben an, schon einmal in einem Auto mitgefahren zu sein, dessen Fahrer während der Fahrt am Steuer auf dem Smartphone gezockt hat.

Und was dann nach einem Unfall auf den Patienten zutrifft – sollte er ihn überlebt haben – verdeutlicht Dr. Christopher Spering mehr als drastisch. Der Unfallchirurg am Göttinger Uni-Klinikum berichtet von seinen Einsätzen als Notarzt und den Folgen, die bereits eine Aufprallgeschwindigkeit von nur 30 Stundenkilometern auf den menschlichen Körper haben können.

Eine weitere sehr eindrückliche Therapie, bietet der Anblick eines ein Unfallfahrzeuges, in dem ein 19-jähriger Fahrer vor zehn Jahren sein Leben verlor. „Vom Losfahren bis zum Tod waren es nur 22 Sekunden“, schildert Jürgen Schwarz von der Verkehrswacht Niedersachsen.

Programm der Woche

Der heutigen Auftaktveranstaltung mit Informationen zu Aspekten der Ablenkung, wie dem „Killer Nr. 1“ – der Nutzung von Mobiltelefonen, Hauptunfallursachen, wie Alkohol oder Drogen im Straßenverkehr, überhöhte Geschwindigkeit, bis hin zu den strafrechtliche Folgen und den Unfallverletzungen, folgen interaktive Workshops und Aktionstage auf dem Außengelände. Durch beispielsweise den Überschlagsimulator, dem „Police–Pilot–System“, einem zivilen Streifenwagen der Autobahnpolizei mit modernster Geschwindigkeitsmesstechnik oder den Rauschbrillen, sollen die Schüler sensibilisiert werden. „Damit wir hoffentlich keinen von ihnen als Patienten wiedersehen müssen“, so Spering. 

Party kann auch Leben retten

Dr. Christoph Spering unterstützt das Programm P.A.R.T.Y., das für „Prevent Alcohol and Risk Related Trauma in Youth“ steht. (Zu deutsch: „Verhindere Alkohol- und risikobezogenes Trauma bei Jugendlichen“.) Bei einem Rundgang durch die Unfallklinik erfahren die Schüler, wie die Versorgung von schwerverletzten Unfallopfern abläuft: vom Rettungswagen oder dem Helikopter in den Schockraum, von der Intensivstation über die Normalstation und die physiotherapeutische Betreuung. Auf den Stationen lernen die Jugendlichen akut Verletzte oder ehemals Schwerverletzte kennen. Informationen unter: www.party4school.de

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