Nach der Krise

Zufall Göttingen ist auf Erfolgskurs

Sonne über der Göttinger Zufall-Niederlassung in der Robert-Bosch-Breite: Das Unternehmen meldet einen Umsatzzuwachs und geht optimistisch in die Zukunft. Foto: Kopietz

Göttingen. Zufall Göttingen bleibt in der Spur. Erfolgreiche Logistikgeschäfte sorgten 2014 für ein Umsatzplus von sieben Prozent auf 75 Millionen Euro.

Auch 2015 wird ein Umsatzplus von sechs bis sieben Prozent erwartet.

Die Schlagzeilen sind Ende 2012 keine guten: Zufall in Göttingen schickt 70 Prozent der Belegschaft in die Kurzarbeit, weil ein regionaler Großkunde weggebrochen ist. Bis Ende März arbeiten so 250 Mitarbeiter kurz. Die Krise fordert weiteren Tribut: 2013 gibt es 20 betriebsbedingte Kündigungen.

Aktualisiert um 18.30 Uhr

Das ist Vergangenheit, wenn auch nicht vergessen, denn die Verantwortlichen bei Zufall um Niederlassungsleiter Jörg Rotthowe haben die Krise analysiert und Schlüsse gezogen. "Wir haben den Einsatz im Vertrieb deutlich gesteigert, auch, um neue Kunden zu gewinnen, vor allem im Logistikbereich." Ein Schachzug, der schnelle Erfolge brachte. Das Umsatz-Plus 2014 geht auf „erhebliche vertriebliche Erfolge“ zurück, wie die Prokuristen sagen. „Wir haben das Plus über die Menge geholt.“

Ein großer Fisch ging aber auch ins ausgelegte Zufall-Netz: Der Autozubehör-Grossist „WM-Fahrzeugteile“ mit seinem neuen Lager in Hedemünden. Dort stieg Zufall mit der Hofsteuerung und dem Wechselbrückenmanagement ein. „Ein Verdrängungswettbewerb war das nicht, denn es ist ein überregionaler Großkunde“, sagt Rotthowe. Er hofft, dass in Zukunft noch mehr Großkunden die gute Lage von Zufall Göttingen im Zentrum Deutschlands an Ost-West und Nord-Süd-Trassen.

Die einstige Krise hat bei Zufall Göttingen aber auch dazu geführt, noch stärker über neue Produkte nachzudenken. Vor allem für Unternehmen mit hochwertigen Industriegütern, bei denen zusätzlich zum Spezialtransport noch Montageleistungen anfallen.

Stärker eindringen will Zufall auch in die Privatkundenbelieferung. „Dort haben die Konzerne deutliche Vorteile, aber auch dort gibt es Nischen“, sagt Thomas Drochelmann (Bereichsleiter Innovationen/Marketing). Der weiter wachsende Online-Handel aber könnte auch dem regionalen Logistiker in die Karten spielen. "Im Netz wird immer mehr bestellt, auch zunehmend stückgutaffine Güter - da kommen wir ins Spiel." So könnte der Zufall-Lastwagen dann neben der Küche auch gleich die Experten für den Aufbau mitbringen. Das würde zwar mehr Personal erfordern, aber das Spektrum erheblich erweitern. „Man muss sehen, ob das funktioniert“, sagt Drochelmann, der so auf der „letzten Meile“ bis zur Haustür des Kunden punkten will.

Der Erfolgskurs von Zufall wirkt sich auch in der Mitarbeiterzahl aus: Mittlerweile wurden 25 neue eingestellt, mehr als 2013 entlassen wurden.

Zufall Göttingen in Zahlen

In der Zufall-Niederlassung Göttingen arbeiten aktuell 385 Menschen, davon 219 kaufmännische Angestellte und 166 gewerbliche Mitarbeiter. Das Betriebsgelände in der Robert-Bosch-Breite umfasst etwa 90.000 Ouadratmeter, da sind etwa 12 Fußballplätze. Das Umschlaglager mit seinen 110 Toren ist 11.000 Quadratmeter groß. In der Region hat Zufall weitere Lagerflächen und Hallen für die Logistik-Geschäfte von etwa 70.000 Quadratmeter. 2014 wurden 18 Auszubildende eingestellt, 2015 werden es ebenso viele sein. Zufall erhält pro Jahr etwa 160 Bewerbungen auf Ausbildungsstellen. „Eine gute Zahl“, wie Jörg Rotthowe sagt.

Von Thomas Kopietz

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.