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Zukunftstag in Göttingen: Mädchen und Jungen erleben die Arbeitswelt

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Von: Bernd Schlegel

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Besuch in der Kinderkrankenpflege: Dabei lernten die Teilnehmer einen Inkubator kennen.
Besuch in der Kinderkrankenpflege: Dabei lernten die Teilnehmer einen Inkubator kennen. © Swen Pförtner/UMG/nh

Beim Zukunftstag blicken Mädchen und Jungen hinter die Kulissen der Arbeitswelt - auch in Göttingen.

Göttingen – Zwei Jahre gab es wegen der Corona-Pandemie keinen Zukunftstag. Jetzt hatten die Mädchen und Jungen wieder die Chance, hinter die Kulissen des Berufsalltags zu blicken.

Dabei machten sie spannend Entdeckungen. Hier einige Beispiele:

Zukunftstag bei der Uni-Medizin

Mehr als 150 Schülerinnen und Schüler hatten sich zum Zukunftstag an der Universitätsmedizin angemeldet. Die UMG hat rund 600 Auszubildende in 15 Berufsfeldern. Hinzu kommen sechs Fachberufe im Gesundheitswesen und bietet am Gesundheitscampus vier duale Bachelor of Science Studiengänge. „Wir wollen mit dem Zukunftstag auch einen Beitrag leisten, um Geschlechterstereotype zu verändern und die Vielfalt der möglichen Berufsbilder aufzeigen“, sagte Anja Lipschik, Gleichstellungsbeauftragte der UMG. Das Institut für Neuropathologie zeigte viele spannende Aspekte seiner Arbeit. Die Kinder und Jugendlichen konnten in den Forschungs- und Histologie-Laboren mitarbeiten, die Hirnanatomie mit einem Quiz kennenlernen und sich verschiedene Zellkulturen anschauen. Außerdem bekamen die Schüler Eindrücke, was die Elektronenmikroskopie und die Laser-Capture-Mikroskopie machen. So erhielten sie Eindrücke vom Alltag in Wissenschaft und Klinik.

Bildergalerie: Zukunftstag bei der UMG

Beim Pflege- und Funktionsdienst der UMG erklärten an sieben verschiedenen Stationen die Pflegefachkräfte den etwa 45 Mädchen und Jungen, wie eine Operation samt Einsatz der Instrumente abläuft, gaben Einblicke in die naturheilkundliche Pflege und in die Aufgaben der Krankenhaushygiene. Sie zeigten einen Brutkasten mit der Betreuung von Frühgeborenen, wie die Vitalzeichen- und EKG-Kontrolle aussieht. Die jungen Teilnehmersimulierten die Versorgung von Patienten in Corona-Vollschutzausrüstung wie auf einer Covid-Normalpflegestation.

Zukunftstag beim Deutschen Theater in Göttingen

25 Schülerinnen waren am Zukunftstag im Deutschen Theater in Göttingen zu Gast. Sie erkundeten das Haus, schnupperten Theaterluft und wurden dabei auch selbst zu Darstellerinnen. Zu Beginn führte die Theaterpädagogin Gabriele Michel-Frei die Jugendlichen durch verschiedene Abteilungen und Werkstätten, um dabei einen Eindruck des Berufsalltags im Theater zu vermitteln.

Vorstellung der Projektarbeiten beim Zukunftstag im „Satelliten“ des Deutschen Theaters in Göttingen: Dabei wurden die Schülerinnen selbst zu Darstellerinnen.
Vorstellung der Projektarbeiten beim Zukunftstag im „Satelliten“ des Deutschen Theaters in Göttingen: Dabei wurden die Schülerinnen selbst zu Darstellerinnen. © Rebecca Traud/DT/nh

Dann ging es in den „Satelliten“, in den eigentlichen Arbeitsraum für die Schülerinnen der Klassen fünf bis zehn. Vier Jugendliche hatten sich für die Tonabteilung entschieden, denn das Ziel war, die kreierte Dialogarbeit als Hörspiel zu verarbeiten sowie szenisch darzustellen. Schließlich konnten die Schülerinnen beeindruckende Ergebnisse vorstellen.

Zukunftstag bei der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst

Was ist Stickstoff genau? Wie funktioniert ein Laser? Wie wird man Physiotherapeut und wie funktioniert eigentlich Sprachentwicklung? Antworten auf diese und andere Fragen erhielten Jugendliche beim Zukunftstag an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) bei der Göttinger Fakultät Ingenieurwissenschaften und Gesundheit. „Durch praktisches Ausprobieren und den Austausch mit unseren Fachleuten vor Ort, möchten wir den Schüler eine konkrete Vorstellung der Berufe aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik vermitteln“, sagte Anna Musialik, Gleichstellungsbeauftragte am Campus für Ingenieurwissenschaften.

Zukunftstag bei der HAWK: Anna und ihre Schwester freuten sich über die praktischen Aufgabenstellungen.
Zukunftstag bei der HAWK: Anna und ihre Schwester freuten sich über die praktischen Aufgabenstellungen. © HAWK/nh

Die zehnjährige Anna lötete beispielsweise an einer Figur, die am Ende, wenn sie an den Stromkreis angeschlossen war, sogar leuchtete. Rein digital war der Zukunftstag am Gesundheitscampus. Die Schüler erhielten während der dreistündigen Videoschalte einen Einblick in die Physiotherapie, die Logopädie, die Pflege und die Soziale Arbeit. Doch durch Direktschaltungen, beispielsweise in die orthopädische Klinik, nahm die HAWK die Teilnehmer direkt in das Alltagsgeschehen eines Physiotherapeuten mit.

Zukunftstag beim Hotel Freizeit In

Einblicke in die verschiedenen Bereiche eines Hotelbetriebs gab es beim Zukunftstag im Hotel Freizeit In. So lernten die Teilnehmer die Abteilungen Service, Küche, Veranstaltung, Rezeption, Verkauf und Vital Spa kennen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurden gemeinsam Aufgaben erledigt.

Zukunftstag im Freizeit In: Die Kinder lernten alle Bereiche des Hotel- und Gastromiebetriebs kennen.
Zukunftstag im Freizeit In: Die Kinder lernten alle Bereiche des Hotel- und Gastronomiebetriebs kennen. © Freizeit In/nh

Außerdem gab es Infos zu den unterschiedlichen Berufsbildern und deren Möglichkeiten. Organisiert wurde der Aktionstag von Auszubildenden des Hotels.

Zukunftstag beim Verwaltungsgericht

Neun Schülerinnen und Schüler besuchten bei ihrem Zukunftstag am Verwaltungsgericht Göttingen eine mündliche Verhandlung, bei der es um die Rechtmäßigkeit einer erkennungsdienstlichen Behandlung durch die Polizei ging.

Das Verwaltungsgericht Göttingen: Hier wurde über den Fall verhandelt.
Das Verwaltungsgericht Göttingen: Auch dort gab es einen Zukunftstag. (Symbolbild) © Bernd Schlegel

Danach ließen sich die Kinder und Jugendlichen auch über die Arbeit der Serviceeinheiten und der Justizwachtmeister informieren und dabei auch Selbstverteidigungsmethoden kennen und erprobten den Einsatz von Reizstoffsprühgeräten, die in diesem Fall natürlich mit Leitungswasser gefüllt waren. (Bernd Schlegel)

Dehoga-Chef Olaf Feuerstein fordert mehr Engagement zum Zukunftstag

Olaf Feuerstein, Geschäftsführer der Freizeit In-Unternehmensgruppe und Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Göttingen/ Duderstadt appelliert an alle Betriebe aller Branchen das Engagement zum Zukunftstag wieder zu verstärken: „Viele Branchen jammern bitterlich, dass der Nachwuchs in vielen Bereichen fehle, allerdings scheuen viele Betriebe auch, Ihre Ausbildungsbemühungen auszuweiten. Eine Vielzahl an Firmen lehnt sich locker zurück und lässt andere Unternehmen diese wichtige Nachwuchsarbeit leisten, bedient sich aber später am ausgebildeten Nachwuchs.“

Feuerstein plädiert daher auch dafür, auf Bundesebene Diskussionen zu führen, betriebliches Ausbildungsengagement stärker zu fördern. Betriebe die Nachwuchskräfte rekrutieren, ohne selbst auszubilden, sollten zukünftig mit einer Erstabgabe bei Einstellung belastet werden. Nur so werden wir zeitnah einen Kurswechsel am Ausbildungsmarkt erreichen und die Bequemlichkeiten mancher Unternehmen abstellen. „Bestes Beispiel dafür ist die Kreuzfahrtindustrie. Hier wird nicht ausgebildet, aber die jungen Arbeitskräfte vom Arbeitsmarkt an Land abgesaugt und zudem wird dann noch auf See in Sachen Arbeitszeiten und Entlohnung getrickst“, sagte Feuerstein. (bsc)

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