Göttingen ging in Vorleistung

Zum Schulstart in Südniedersachsen fehlen viele Lüfter

Lüftungskonzept: Dr. Alfred Mennekes hat dieses kostengünstige wie effektive System zum Luftaustausch in Klassenräumen mit dem Göttinger Physiker und MPI-Direktor Prof. Eberhard Bodenschatz entwickelt.
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Lüftungskonzept: Dr. Alfred Mennekes hat dieses kostengünstige wie effektive System zum Luftaustausch in Klassenräumen mit dem Göttinger Physiker und MPI-Direktor Prof. Eberhard Bodenschatz entwickelt.

Schulstart in Niedersachsen. Aber viele Schulleiter, Schüler, Eltern und Schulträger blicken abwartend und leicht verunsichert auf den Beginn des Schuljahres ab Donnerstag.

Göttingen – Grund ist vor allem das Corona-Infektionsgeschehen, aber auch die Vorkehrungen gegen Covid-19-Ansteckungen. So gibt es auch noch keine landesweiten Erhebungen darüber, in wie vielen der rund 3000 Schulen Lüftungsanlagen und Luftreiniger installiert worden sind.

Oft sind Schulträger und Kommunen in Vorleistung gegangen.

So dominiert das Sicherheitsthema die Diskussionen: Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sieht die Schulen in Niedersachsen für den infektionssicheren Präsenzunterricht im neuen Schuljahr gut gerüstet: „Alles zusammengenommen haben wir ein enges Sicherheitsnetz an den Schulen“, sagte der Minister einen Tag vor dem Schulbeginn.

Höchst unterschiedlich ist hingegen die Ausstattung der Schulräume mit Lüftungsanlagen und Luftreinigungsgeräten fortgeschritten. So zeigte sich kürzlich der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, Jan Arning, skeptisch, dass die Klassenzimmer im Land bis zum Schulstart „in nennenswertem Umfang mit Luftfilteranlagen ausgestattet sein werden“. Arning sagte auch, dass durch Landes- und Bundesregierung diesbezüglich öffentlich große Erwartungen geweckt worden seien, „die jetzt enttäuscht werden“. Er begründete seine Kritik damit, dass für Kommunen und Schulträger oft noch gar nicht feststand, in welchem Rahmen sie Fördergeld beantragen konnten. „Bis die Geräte dann tatsächlich in den Klassenräumen stünden, würden „noch weitere Wochen und Monate vergehen“.

Das Kultusministerium teilte mit, dass die Rahmenbedingungen für Förderanträge seit Wochen bekannt seien. Wer handeln wolle, könne das tun, hieß es. Arning hielt entgegen: „Wer jetzt als Kommune etwas anschafft, macht das auf eigenes finanzielles Risiko“ – in Höhe von sechs- bis siebenstelligen Beträgen.

So auch die Stadt Göttingen als Schulträger. Sie hat auf eigene Kosten 380 Geräte gekauft, „davon sind 320 aufgebaut – im September werden weitere 60 geliefert“, teilt Stadtsprecher Dominik Kimyon auf HNA-Anfrage mit. Die Stadt hat eine Bestandsaufnahme für 1000 Klassenräume gemacht. Die weitere Ausstattung von Räumen mit Geräten sei von der Förderrichtlinie des Landes abhängig, so Kimyon.

Schuldezernentin Maria Schmidt übt deutliche Kritik: „Das Land macht es sich an dieser Stelle zu leicht. Die Sommerferien hätten gut dafür genutzt werden können, aus Eckpunkten eine verbindliche Richtlinie zu machen, um in die Beschaffung zu kommen.“ Anders die Stadt: Der Rat hätte mit Blick auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen seinerzeit gehandelt: Göttingen habe so als ein der ersten Kommunen in Niedersachsen Geld für Luftreiniger bereitgestellt. „Auf diesen Kosten bleibt die Stadt nun sitzen.“ Ihr Fazit: „Die Devise scheint zu sein: Wer sich bewegt, hat verloren.“

Mit der „Richtlinie Lüften“ stelle das Ministerium den Schulträgern 20 Millionen Euro für die Anschaffung von Raumlufttechnik bereit, so das Kultusministerium. Auf Niedersachsen entfallen aus einem Bundesprogramm weitere 19 Millionen für Kitas und Schulen. (Thomas Kopietz)

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