Demonstration für Donnerstag geplant

Zwangsräumung vereitelt: Aktivisten und Flüchtlinge wehren sich

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Wehren sich: Anne Hein, Lazar Jaqo und Edgar Schu demonstrieren mit anderen Teilnehmern gegen die Zwangsräumung

Göttingen. Mitglieder einer privaten Kampagne haben sich am Mittwoch erfolgreich mit Flüchtlingen gegen die Zwangsräumung einer Unterkunft am Hagenweg zur Wehr gesetzt.

Gemeinsam stellten sie sich seit den Mittagsstunden einem versuchten Abtransport durch städtische Bedienstete in den Weg.

Laut Aussage von Bewohnern und Aktivisten hatte die Stadt Göttingen geplant, die Menschen in die neue Großunterkunft an der Siekhöhe umzusiedeln. Dieser Umzug war allen Bewohnern in der vergangenen Woche schriftlich mitgteilt worden. „Bis 13 Uhr sollten wir heute unsere Sachen gepackt haben. Wenn nicht, wollte uns die Stadt auf unsere Kosten zwangsräumen“, erzählte Lazar Jaqo.

Aktualisiert um 18.30 Uhr

Vor einem Monat war der Iraker mit weiteren Flüchtlingen in die weißen Gebäude am Hagenweg gezogen. „Auch dahin wurden wir zwangsumgesiedelt“, erinnerte sich Jaqo. Zuvor hatten die Neuankömmlinge mehrere Monate in einem ehemaligen Kindergarten am Maschmühlenweg gelebt. In beiden Einrichtungen will die Stadt nun Unterkünfte für geflüchtete Frauen und Kinder einrichten.

Für die Aktivistin Anne Hein sind diese Gründe nur vorgeschoben: „Die Stadt versucht doch nur, die dezenralen Unterkünfte zu schließen und die neue Großunterkunft an der Siekhöhe zu füllen.“

Mit anderen Göttinger Unterstützern hat die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin der Großen Breite daher die Kampagne „Gegen die Verlegung von bereits verwurzelten Flüchtlingen in die Siekhöhe“ gegründet.

Unterstützt werden die Aktivisten in ihrem Protest dabei von den Parteimitgliedern der Göttinger Linken. „Die Unterbringung in der Siekhöhe ist unmenschlich“, betonte etwa Edgar Schu. „Die Menschen leben dort nicht in abgetrennten Räumen, sondern müssen sich zu 400 eine Halle teilen. Immer 14 Personen leben dann in durch 2,50 Meter hohe Stellwände abgetrennten Boxen.“

Auch die Bewohner des Hagenwegs sind mit diesen Unterbringungsaussichten nicht einverstanden. „Das ist doch kein Leben. Wir erwarten keinen Luxus, aber ein kleines bisschen Menschenwürde“, fasste es Lazar Jaqo stellvertretend für alle zusammen.

Nicht nur die überraschend angekündigte Verlegung hat bei Aktivisten und Betroffenen für Unmut gesorgt. Auch das Vorgehen der Stadt kritisieren die Aktivisten. So habe ihnen die Stadt in der vergangenen Woche zugesichert, dass alle geplanten Zwangsräumungen bis zum Beginn der kommenden Woche nicht vollzogen würden.

Mit einer Demonstration wollen die Aktivisten am Donnerstag, 19. Mai, gegen geplante Umsiedelungen in die Großunterkunft Siekhöhe vorgehen. Die Kundgebung soll ab 16 Uhr vor dem Neuen Rathaus stattfinden.

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