Wasserkraftwerke und Strom durch Solar

Zwei Göttinger in Japan: Helfen bei der Energiewende

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Zurück aus Japan: Doreen Fragel und Dr. Hartmut Berndt präsentieren ihr Gastgeschenk aus Toyama. 

Göttingen/Toyama. Sechs Jahre nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima setzen immer mehr Japaner auf alternative Energien. Eine Göttinger Delegation soll nun bei der Umsetzung helfen.

Über den Gesprächspartner staunte Doreen Fragel nicht schlecht. Als kürzlich das Telefon in der Energieberatung der Region Göttingen klingelte, saß die japanische Botschaft am anderen Ende der Leitung.

„Die Botschaft fragte mich, ob eine Delegation aus Göttingen in die japanische Region Toyama kommen kann. Wir sollten die Region zum Thema erneuerbare Energien beraten“, erzählt die Geschäftsführerin. Fragel sagte zu und reiste zusammen mit Dr. Hartmut Berndt vom Landkreis Göttingen nach Toyama.

Dort sitzt der Schock von Fukushima noch tief. Heute vor sechs Jahren erschütterte die Nuklearkatastrophe die Welt. Durch die Folgen eines schweren Erdbebens trat aus dem Kernkraftwerk radioaktives Material aus. Die japanische Regierung hält dennoch an der Kernenergie fest. „Bei der Bevölkerung ist aber ein Umdenken zu erkennen. Viele Japaner wünschen sich mehr erneuerbare Energien“, so Fragel. „Das ist unsere Aufgabe. Wir geben den Leuten in Toyama das Wissen und das Handwerkszeug, um Projekte umsetzen zu können.“

Wasserkraft und Solar

Solche Projekte können beispielsweise Wasserräder oder Solartechnik sein. Auch spielt die Teilhabe der Bürger eine wichtige Rolle. „Viele möchten helfen und wollen aktiv etwas verändern“, sagt Berndt. Denn gerade die Dörfer in der Präfektur Toyama böten noch viel Entwicklungspotenzial. „Die Häuser sind aus Holz und die Fenster ohne Doppelverglasung“, erzählt er. Durch die Erdbebengefahr ist die Lebensdauer eines Hauses auf 20 Jahre angelegt – hochwertigere Häuser zu bauen, habe daher wenig Sinn. „Zentralheizungen gibt es dort auch nicht. Sie heizen elektrisch oder mit der Klimaanlage“, sagt Fragel.

Die Göttinger Delegation bei der Städtekonferenz: An der United Nations University in Tokio ist Klimaschutz das Thema.

Dazu gibt es bislang nur wenige Stadtwerke; in den meisten Regionen liefern große Elektrofirmen den Strom. Ziel sei es, dass die Stromversorgung dezentraler werde – ganz nach dem Vorbild Deutschlands.

Vorbild Deutschland

In Japan steht Deutschland in Sachen erneuerbare Energien hoch im Kurs. Neben der Delegation aus Göttingen reisten auch Berater aus Osnabrück, Leipzig, Hannover und Freiburg auf die Insel. Die Delegationen kommen in die Gebiete, die mit den heimischen in etwa vergleichbar sind. So ist die Größe der Region Toyama vergleichbar mit der des Landkreises Göttingen. „Generell haben unsere beiden Länder mehr gemeinsam, als man zunächst denken mag. So hat auch Japan große Probleme mit dem demografischen Wandel“, berichtet Berndt.

Aber nicht nur Toyama kann etwas von Göttingen lernen, sondern auch umgekehrt. „Die Stadt Toyama bietet eine gute Infrastruktur. Dort fahren die Straßenbahnen elektrisch und viele Autos mit einem Wasserstoff-Antrieb“, sagt Berndt.

Zum Abschied überreichten die Japaner den Beiden noch ein Gastgeschenk. Aber es soll kein Abschied für immer sein: „Der Austausch zwischen den Regionen bleibt bestehen.“

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