Neues medizinisches Zentrum

Zwei Göttinger Kliniken – eine gemeinsame Urologie

Freuen sich über die Kooperation: (von links) Frank Czeczelski, Kaufmännischer Geschäftsführer des EKW, Prof. Lorenz Trümper, Vorstand Krankenversorgung der UMG, Prof. Dr. Michael Karaus, Medizinischer Geschäftsführer des EKW sowie die beiden Chefärzte Prof.. Dr. Lutz Trojan und Prof. Dr. Hans-Werner Gottfried.
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Freuen sich über die Kooperation: (von links) Frank Czeczelski, Kaufmännischer Geschäftsführer des EKW, Prof. Lorenz Trümper, Vorstand Krankenversorgung der UMG, Prof. Dr. Michael Karaus, Medizinischer Geschäftsführer des EKW sowie die beiden Chefärzte Prof.. Dr. Lutz Trojan und Prof. Dr. Hans-Werner Gottfried.

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und das Evangelische Krankenhaus Weende (EKW) gründen ein gemeinsames überregionales urologisches Zentrum. Es geht zum Jahreswechsel an den Start.

Die beiden Kliniken stellten das Kooperationsmodell am Donnerstag vor. Die beiden Urologie-Abteilungen sind die größten Anbieter in diesem medizinischen Bereich in Südniedersachsen und wollen ihre Arbeit bündeln.

Durch das Erreichen der Altersgrenze von EKW-Urologie-Chefarzt Prof. Dr. Hans-Werner Gottfried 2022 hat sich das Modell der gemeinsamen Leitung beider urologischer Einrichtungen durch Prof. Dr. Lutz Trojan, Direktor der UMG-Klinik für Urologie, angeboten. Dazu wird Trojan ebenfalls Chefarzt am EKW. Ziel des Kooperationsmodells, dem das Wissenschaftsministerium zugestimmt hat, ist ein gemeinsames Wachstum „ohne gegenseitige Konkurrenz“ zu ermöglichen. Die bestmögliche Versorgung der Patienten steht im Mittelpunkt.

In der Übergangsphase der beiden Professoren als Tandem wird Gottfried als Vertreter von Trojan für die Versorgung am Standort des Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende für drei Jahre noch mitverantwortlich tätig sein.

Prof. Dr. Michael Karaus, Medizinischer Geschäftsführer des EKW, betonte, dass es eine Kooperation in dieser Form bislang noch nicht gegeben habe. Das Zugehen der beiden Kliniken aufeinander sei während der Corona-Krise erfolgt. Beide Kliniken waren bei der Behandlung von Covid-Patienten besonders gefordert und „haben sich hervorragend abgestimmt“. Das habe für Vertrauen zwischen den beiden Partnern gesorgt.

Ein weiterer Grund für den Schritt sind die Finanzen im Gesundheitssystem. „Sie werden geringer werden“, prognostizierte Karaus. Außerdem hoffen EKW und UMG, dass sich noch mehr Patienten als bisher, auch aus Nordthüringen, Nordhessen und Ostwestfalen, für eine urologische Behandlung in Göttingen entscheiden. Vor der Corona-Krise wurden in beiden Häusern zusammen jährlich mehr als 4000 Urologie-Patienten aufgenommen.

Schwerpunkte für jede Klinik

Göttingen – Das Evangelische Krankenhaus Weende (EKW) und die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben eine lange Tradition bei der Behandlungen von urologischen Erkrankungen. Beide Kliniken werden denn auch von einweisenden Medizinern und Patienten aus der Region oft gewählt. Die UMG-Urologie ist dabei als Anbieter von robotergestützten Eingriffen (Da Vinci) gerade auf dem Gebiet der Prostatakrebstherapie auch überregional als führendes Zentrum bekannt.

Das EKW hat sich im Bereich der Steintherapie und bei der Behandlung von gutartigen Prostatavergrößerung und Blasentumoren einen Namen gemacht. Das Fachgebiet der Urologie ist wegen des demografischen Wandels ein weiter wachsender Bereich mit hohem Anteil stationärer Leistungen. Experten rechnen mit 20 Prozent mehr stationären Behandlungen in den kommenden Jahren. Ziel des urologischen Zentrums ist es, mit den weiterhin wirtschaftlich eigenständigen Standorten die „lokale, regionale und überregionale urologische Versorgung auf höchstem Qualitätsniveau“ sicherzustellen.

Prof. Dr. Lutz Trojan

„Das neue gemeinsame Zentrum Urologie Göttingen wird ein prestigereiches Renommee als einer der großen Komplettanbieter auf dem Gebiet der Urologie in Deutschland bekommen und stellt damit sowohl für die UMG als auch das EKW einen Vorteil dar“, sagt Prof. Dr. Lorenz Trümper, Vorstand Krankenversorgung der UMG. Das Behandlungsspektrum der Urologie an beiden Häusern bleibt dabei erhalten. Die Schwerpunkte an den beiden Standorten werden sich jedoch unterscheiden. „Während die UMG sich auf die Robotik und die komplexe Tumorchirurgie konzentriert, liegen die Schwerpunkte in Weende bei der Steintherapie, der Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung sowie der Urogynäkologie“, sagt Prof. Lutz Trojan. Die Notfallbehandlung bleibt an beiden Standorten durch einen 24-Stunden-Präsenzdienst erhalten.

„Die Versorgung ambulanter urologischer Patienten wird an beiden Standorten weiter vorgehalten, wobei der Schwerpunkt hier in den langfristig entwickelten Weender MVZ-Strukturen liegt“, sagt Prof. Hans-Werner Gottfried. Für die ambulante Chemotherapie von Urologie-Patienten wird ebenfalls eine gemeinsame Struktur entwickelt.

Prof. Dr. Hans-Werner Gottfried

Auch das Personal bleibt an beiden Einrichtungen erhalten. Darüber hinaus können die Ärzte und und Mitarbeiter auf Wunsch zukünftig über beide Standorte rotieren.

In der Urologie an der UMG arbeiten 16 Ärzte, bei EKW sind es acht. Ihnen stehen 30 (UMG) beziehungsweise 15 (EKW) Pflegekräfte zur Seite. Neben mehr als 4000 stationären Patienten wenden sich 13 000 (UMG) und 5000 (EKW) ambulante Patienten an die Urologie-Experten. (Bernd Schlegel)

Urologen: Experten für Harnwegskrankheiten

Die Urologie ist ein Teilgebiet der operativen Medizin. Die Experten beschäftigen sich laut Online-Lexikon Wikipedia mit den harnbildenden und harnableitenden Organen, also mit Niere, Harnblase, Harnleiter und Harnröhre bei beiden Geschlechtern. Urologen behandeln zudem auch Krankheiten der Geschlechtsorgane des Mannes, also der Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, Samenbläschen, des Penis sowie der Prostata. bsc

Kliniken liegen unmittelbar nebeneinander

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und das Evangelische Krankenhaus Weende (EKW) liegen praktisch nebeneinander – zwischen den beiden Kliniken liegen Zimmermannstraße und Robert-Koch-Straße zu finden. Die UMG wurde als medizinische Fakultät 1732 gegründet und hat heute 1520 Planbetten, inklusive der Tochtergesellschaften etwa 9000 Mitarbeiter. Das EKW wurde 1947 eröffnet, hat aktuell gut 600 Planbetten und etwa 1600 Mitarbeiter. bsc

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