Verbesserte Forschungsmöglichkeiten

Zwei neue Super-Geräte für die Parkinson-Forschung in Göttingen

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Am Haken: Prof. Dr. Markus Zweckstetter (rechts) und Dr. Sebastian Freytag beobachten, wie das leistungsstarke 950 MHz-NMR-Spektrometer vor der NMR-Halle am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie abgesetzt wird.

Göttingen. Das weltweit zweitstärkste Kernspinresonanz (NMR)-Spektrometer steht jetzt in Göttingen: Das Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie hat die Geräte zu Forschungszwecken erhalten.

Damit hat es die Forschungsmöglichkeiten erheblich verbessert.

Davon profitiert auch die Universitätsmedizin Göttingen (UMG), die neben dem MPI mit dem Land und dem Bund an der Finanzierung beteiligt war. Zunächst einmal hieß es, die riesigen, vier und 6,7 Tonnen schweren 800 und 950- MHz-NMR-Spektrometer in die 590-Quadratmeter große NMR-Halle das MPI-Gebäudes am Faßberg zu bekommen. Dafür sorgte ein 100-Tonnen-Kran.

Das größere der beiden Geräte hat eine Leistung von 22,3 Tesla, ist weltweit das zweitstärkste dieser Art und erlaubt durch seine hohe Magnetfeldstärke von 22,3 Tesla eine enorme Steigerung der Messempfindlichkeit und somit die Erforschung medizinisch hochrelevanter Themen.

Proteinablagerungen

Mit den beiden NMR werden die Strukturbiologen Dr. Christian Griesinger und Dr. Markus Zweckstetter arbeiten, um ihre Methodenentwicklung in der NMR voranzutreiben und diese auf Membranproteine und neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer anzuwenden. „Dabei untersuchen wir insbesondere, wie krankhafte Proteinablagerungen im Gehirn älterer Menschen entstehen und wie man sie verhindern kann.“ Am Ende sollen auch neue Erkenntnisse für Therapien stehen.

Bevor die Forscher in etwa acht Wochen loslegen können, müssen die Geräte justiert und vorgekühlt werden. Erst wird Flüssigstickstoff eingefüllt, dann die „Thermoskanne“ im Inneren des NMR-Geräts mit Helium gefüllt und auf die notwenige Arbeitstemperatur von minus 271 Grad Celsius gebracht. Zum Schluss wird die aus 210 Kilometern supraleitendem Draht bestehende Magnetspule geladen. Läuft die Forschungsarbeit, dann wollen Griesinger und Zweckstetter mit ihren Teams vor allem Membranproteine untersuchen. Als „Arbeiter“ erfüllen diese in der Zelle lebenswichtige Aufgaben wie die Weiterleitung von Signalen oder den Transport von Stoffen. Defekte Membranproteine führen zu Erkrankungen. Sie sind Angriffsziele für viele pharmakologisch und toxikologisch wirksame Substanzen.

Die beiden neuen NMR-Geräte werden auch zur Forschung im Bereich der Strukturbiologie am Göttingen Campus eingesetzt. So wird das 950 MHz-NMR-Spektrometer Forschern des Zentrums „Mikroskopie im Nanometerbereich und Molekularphysiologie des Gehirns“ (CNMPB) zur Verfügung stehen. „Auch eine neu eingerichtete Forschungsgruppe am ‚Institute for Biostructural Imaging of Neurodegeneration’ der UMG wird das Gerät nutzen können“, sagt Sebastian Freytag, Vorstand der UMG. (tko)

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