Aktion von Jungem Theater und KAZ

Zwei Stunden Spektakel mit 435 Mitwirkenden: Göttingen macht Theater

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Projekt Gewissen einer Stadt: Junges Theater und KAZ brachten 435 Mitwirkende auf dem Wochenmarktplatz. Die Zuschauer erlebten eine unglaubliche kulturelle Vielfalt.

Göttingen. 60 Jahre Junges Theater – 40 Jahre KAZ – so lange gibt es diese eigenwilligen Kultureinrichtungen in Göttingen, seit Jahrzehnten in einem, dem Otfried-Müller-Haus am Wochenmarktplatz.

Doch so ein großes gemeinsames Ding wie am Samstagabend haben JT und KAZ noch nie – und der Wochenmarktplatz selten, vielleicht nur einst als Open-Air-Kino, erlebt.

Es war ein Spektakel mit sage und schreibe 435 Mitwirkenden, die Inszenierung „Gedächtnis einer Stadt – Das ist unser Haus“ von Tobias Sosinka und Vanessa Wilcke.

Vorlage ist das Stück von Jura Soyfer „Vineta, die versunkene Stadt“. Die Geschichte ist eine trübe. Vineta, gelegen an der ostdeutschen Ostseeküste droht der Untergang durch ein Sturmhochwasser, ausgelöst vom moralischen Verfall, Hochmut und Verschwendungssucht der Bewohner, die in einer Zeitblase ohne Unterschied zwischen heute, gestern, und vorgestern leben sowie viel vergessen. Protagonist ist Johnny. Einer der weg will, aber bleiben darf. Einer, der leben will. Der Luft braucht.

Die Projektion auf Göttingen ist nicht die Hauptintention der Inszenierung, aber zum Nachdenken anregen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft soll es das Gedächtnis der Stadt und der Zuschauer/Bewohner.

Das Stück zeigt aber auch, was KAZ und JT leisten – mit ihren vielen Theater-, Tanz, Akrobatik, Gesang- und Musikgruppen. Sie alle – und Kulturtreibende aus Stadt und Umland, sind auf der Bühne, den Balkonen des Otfried-Müller-Hauses, den Nachbarhäusern, auf zwei Bühnen oder mittendrin im Publikum – das also überall etwas zu sehen und hören hat.

Prominente auf der Bühne: Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (2.v.l.) und Ex-CDU-Landtagsabgeordneten Harald Noack spielten mit.   

Und aus der sind unglaublich viele Menschen an diesem Ereignis involviert, vom Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, dem Ex-CDU-Landtagsabgeordneten Harald Noack, dem JT-Ensemble bis zu jugendlichen Tänzern der Dance Company, Bauhof- und Polizeimitarbeitern. So wird theatert, getanzt, musiziert – einer stringenten Handlung ist das zwar abträglich, dafür wird aber die Kultur-Vielfalt umso deutlicher.

Zweistündiges Spektakel

Göttingen macht Theater – so lässt sich dieses über eineinhalb Jahre erarbeitetes zweistündige Spektakel am besten beschreiben. Göttingen spielt so leider nur einmal Theater – der Aufwand ist einfach zu groß, um das Stück noch einmal zu wiederholen.

Gesehen haben es etwa 1000 Menschen auf dem Wochenmarktplatz, die meisten mussten zwei Stunden stehen, holten sich zwischendurch Getränke, Pommes und Pizza. So wuselte viel Durcheinander, Kinder spielten, Menschen kamen und gingen. Der Platz lebte, so wie er viel öfter leben müsste, und es früher tat.

Unglaubliche Leistung

Die unglaubliche Leistung „Das Gedächtnis der Stadt“ mit weit mehr als 500 Beteiligten auf den Platz zu bringen ist nicht hoch genug zu bewerten und macht Vorfreude auf den Umbau des Otfried-Müller-Hauses, das eine Außenbühne bekommen soll. Nach Samstag bleibt diesbezüglich festzuhalten: Dieser Plan muss umgesetzt werden – damit öfter Campo-Stimmung auf dem Wochenmarkt herrschen kann.

Bleibt noch die Aussage einer Zuschauerin am Schluss: „Das Stück habe ich zwar nicht verstanden – aber es war ein wunderbarer Abend.“ Ein langer Abend, denn viele Menschen blieben bei milden Temperaturen noch auf ein paar Getränke.

Inszenierung "Gedächtnis einer Stadt – Das ist unser Haus"

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