Bilder, die das Bewusstsein wandeln

Zweiter Teil der Ausstellung „Klimakrise“ in Göttingen eröffnet

Ausstellungseröffnung in Zeiten von Corona: Einführung durch Kulturjournalistin Tina Fibiger.
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Ausstellungseröffnung in Zeiten von Corona: Einführung durch Kulturjournalistin Tina Fibiger.

Schmelzende Eisberge, Flutwellen, verwüstete Landschaften: Mit aufrüttelnden Bildern und Skulpturen haben 40 Göttinger Künstler den Klimawandel in Szene gesetzt.

Göttingen – Den zweiten Teil der Ausstellung „Klimakrise“, die der Verein Kultur unterstützt Stadt (Kunst) initiiert hat, gibt es bis Sonntag, 12. Juli, in der Galerie Art Supplement an der Burgstraße 37a zu sehen.

Ausstellung „Klimakrise“ in Göttingen: Tod und Zerstörung

Flammen schlagen über einem Atomkraftwerk zusammen. Wassermassen reißen Menschen fort. Origami-Kraniche schwingen sich zum Himmel empor. „Ohne Titel“ heißt das Gemälde von Marcos Durand, das die Betrachtenden mit Tod und Zerstörung konfrontiert. Er wolle, sagte der Künstler, Menschen die eigene Verletzlichkeit bewusst machen und so zu einem „Bewusstseinswandel“ beitragen.

„Schwer fassbar“ sei das „globale Desaster“ der Klimakatastrophe, auf dass die Menschheit „fast ungebremst“ zusteuere, erklärte Kulturjournalistin Tina Fibiger in ihrer Einführung, zu der zehn der Künstler per Zoom-Konferenz zugeschaltet waren. Noch zeichneten sich, so Fibiger, die Auswirkungen der Krise „in den Komfortzonen Mitteleuropa“ nicht so „unmittelbar brutal“ ab wie etwa im Amazonasbecken, in Sibirien oder auf dem australischen Kontinent. Es brauche „die schöpferische Imagination auf der Leinwand“, um die Schrecken greifbar zu machen.

Ausstellung „Klimakrise“ in Göttingen: bizarr und apokalyptisch

So taucht Christiane Christens „Down Under“ Australiens Baumlandschaften in flammendes Rot. „Es gibt keinen Plan(et) B“ heißt es beschwörend auf Hannelore Mitschke ten Bokkels Skulptur „Der blaue Planet“. Sie zeigt einen blauen Fötus in einem bizarr entstellten Frauenkörper.

Andere Künstler werden sarkasisch. Bei Andrea Kaspers trüben Venedigbild „rette mich“ kontrastiert der Hilferuf mit einer Sprechblase „Let’s Party!“ Barack Obamas optimistisches „Yes, we can“ mutiert in Junker Matthaeis Bild eines nackten Afrikaners, der eine Erde durchknetet, zum apokalyptischen Abgesang: „Yes, we cannot“. Bei Frank-Helge Steuer verfinstert die Nikotinwolke eines gemütlich am Fenster paffenden Rauchers gemeinsam mit dem Rauch von Fabrikstornsteinen den Himmel.

Ausstellung „Klimakrise“ in Göttingen: energiegeladen und überwältigend

Als müde, abgekämpfte Gestalt skizziert Daniela Renneberg mit ein paar Pinselstrichen die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sara Dylans Portrait des australischen Water Warrior, des Aborigines Bruce Shillingsworth, ist dagegen energiegeladen.

„Überwältigt“ von der großen Resonanz auf den Wettbewerbsaufruf ist Kunst-Vorstand Nils König. Viele unbekannte Künstler hätten mitgemacht. Preisgelder in Höhe von insgesamt 2000 Euro vergab der Verein für vier Arbeiten. Das Geld kam bei der Kunst-Gala Anfang März zusammen. Unterstützung gewährte zudem das Klimamanagement der Stadt.

Die Ausstellung an der Göttinger Burgstraße 37a ist bis zum 12. Juli jeweils montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 13 Uhr geöffnet, sagte Galeristin Miriam Hilker. Es dürfen immer nur fünf Personen mit Maske gleichzeitig herein.

Von Michael Caspar

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