Göttinger Max-Planck-Forscher testen

Zweiter Teil der Projektphase: EcoBus fährt nun zur Probe im Harzer Land

Markanter Hintergrund für EcoBus-Präsentation: Die aus Eichenholz erbaute Marktkirche zum Heiligen Geist in Clausthal ist die größte erhaltene Holzkirche in Europa. Davor parkt ein Kleinbus des zukunftsweisenden Nahverkehrsprojektes EcoBus. Foto: Per Schröter

Clausthal-Zellerfeld. Eco-Bus ist weit mehr als nur ein Fahrzeug. Das intelligente Verkehrskonzept, das weltweit auf Interesse stößt, startet in seine zweite Pilotphase.

Die Forscher des Göttinger Max-Planck-Institutes für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) entwickeln es – und schicken Kleinbusse durch ländliche Regionen, anlässlich der Domfestspiele erst in Bad Gandersheim und Kalefeld, jetzt im Harz. Mit Birgit Honé und Bernd Althusmann gaben am Freitag zwei Landesminister in Clausthal-Zellerfeld den Startschuss zur Phase 2.

Kunde ist die Haltestelle

„Sie sind die Haltestelle“ ist auf den grün-weißen Kleinbussen der EcoBus-Flotte zu lesen. Ein Motto, das Programm ist. „Das EcoBus-Konzept basiert auf der Idee des Anrufbusses“, erklärt Projektleiter Prof. Stephan Herminghaus, der die Idee mit seinem Kollegen Prof. Marc Timme entwickelt hat. „Die Kleinbusse des EcoBus sind flexibel und kommen zu jeder Uhrzeit an jeden Ort.“ Dafür haben die beteiligten Wissenschaftler vom MPIDS moderne Netzwerk-Algorithmen entwickelt, die die Fahrtwünsche der Kunden in Echtzeit aufeinander abstimmen. Herminghaus: „Der alte Anrufbus wird so in die neue Ära der digitalen Mobilität geführt.“

Zehn Busse fahren im Harz

Nachdem man die EcoBus-Flotte bereits im Rahmen der 60. Gandersheimer Domfestspiele in Bad Gandersheim und der Gemeinde Kalefeld erstmals und mit Erfolg erfolgreich ausprobiert habe, biete man nun den Bewohnern des ländlichen Raumes im Harz flexible Mobilität an – und das zu deutlich günstigeren Preisen als bei einem Taxi. In den kommenden sechs Monaten fahren zehn Eco-Busse rund um Goslar, Clausthal-Zellerfeld und Osterode am Harz.

Kooperation mit Verkehrsverbünden

Ihre Grundlagenforschung zur flexiblen Mobilität wollen die MPIDS-Wissenschaftler mit den Aufgabenträgern für den ÖPNV, dem Regionalverband Großraum Braunschweig sowie dem Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN), in einem zweiten Pilotversuch erproben. So sollen die theoretischen Vorhersagen nun in der Praxis überprüft werden.

Verkehrsmittel koordinieren

„Langfristig soll der EcoBus als Mobilitätssystem auf dem Land etabliert werden und alle Verkehrsmöglichkeiten miteinander verbinden“, betonte Stephan Herminghaus, dass es auch um ein Miteinander und nicht Gegeneinander der vorhandenen Systeme gehe.

Während der Pilotphase besteht der EcoBus aus bis zu zehn bedarfsgesteuerten Kleinbussen, die neben der Stadt Clausthal-Zellerfeld mit allen Ortsteilen auch einen Großteil des Oberharzes sowie die Kernstadt Osterode am Harz samt der harznahen Ortsteile umfasst.

Zudem besteht die Möglichkeit, mit dem EcoBus vom Harz aus auch ins Zentrum von Goslar, nach Oker oder Langelsheim und zurück zu fahren, wo auch jeweils Anschluss an den Schienenverkehr besteht.

Ihre Fahrtwünsche buchen die Fahrgäste vor Fahrtbeginn per App, Internet oder Telefon.

Anfrage geht an Fahrzeug

Der vom MPI für Dynamik und Selbstorganisation entwickelte Algorithmus weist die Fahrtanfragen einem Fahrzeug zu, so dass verschiedene Fahrtwünsche mit ähnlichem Start und Ziel kombiniert werden können. Anders als beim Linienverkehr muss sich der EcoBus nicht an Linien oder Fahrpläne halten, sondern bedient alle Fahrtanfragen im Bediengebiet umsteigefrei zu jeder gewünschten Zeit während der Bedienzeiten. Die Kunden sind also tatsächlich selbst die Haltestelle. (per/tko)

Das sagen Beteiligte

Nach anfänglicher Zurückhaltung zeigen sich Poltiker zunehmend angetan vom Eco Bus-Projekt: Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Althusmann nennt es „ein herausragendes Beispiel für ein flexibles und bedarfsorientierte Mobilitätskonzepte im ländlichen Raum“. Das Projekt sei „eine großartige Möglichkeit, um zu zeigen, was durch Digitalisierung auch im Bereich der Mobilität möglich ist“. Die Notwendigkeit des EcoBus unterstreicht Niedersachsens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung Birgit Honé: Ich bin überzeugt, dass der EcoBus die Mobilität in der Fläche nachhaltig verändern und die Lebensqualität der Menschen dort verbessern wird.“ Landrat Bernhard Reuter (SPD) erhofft sich die Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum. „Das ist eine der zentralen Zukunftsfragen für uns“, sagte Reuter. (per)

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