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Familien bleiben auf Kosten sitzen: Förderverein unterstützt Angehörige von Schwerstbehinderten

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Von: Per Schröter

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Ein neuer Förderverein will künftig die Angehörigen von Schwerstbehinderten unterstützen. Diese sind in einer Pflegeeinrichtung bei Göttingen untergebracht.

Rosdorf – Familien von mehrfach schwerstbehinderten jungen Menschen will der neu gegründete Förderverein „Haus Weitblick“ unterstützen, damit Betroffene in der Rosdorfer Einrichtung untergebracht werden können. Angehörige haben Probleme bei der Finanzierung, weil das Landessozialamt nicht die vollen Kosten übernimmt.

Deshalb freuen sich die Vorstandsmitglieder nun über eine Spende in Höhe von 2.500 Euro des Orthopädietechnik-Herstellers Otz aus Hessisch Lichtenau, die Alf Reuter, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, überreichte.

Förderverein unterstützt Angehörige von Schwerstbehinderten im Kreis Göttingen

Riesenfreude: Alf Reuter überreichte der Fördervereins-Vorsitzenden Martina Sas (rechts neben ihm), Vorstandsmitglied Martina Büttner (rechts) und Haus Weitblick-Leiterin Stefanie Bonkowski (links) eine Spende in Höhe von 2500 Euro.
Riesenfreude: Alf Reuter überreichte der Fördervereins-Vorsitzenden Martina Sas (rechts neben ihm), Vorstandsmitglied Martina Büttner (rechts) und Haus Weitblick-Leiterin Stefanie Bonkowski (links) eine Spende in Höhe von 2500 Euro. © Per Schröter

Die neue Rosdorfer Einrichtung, die 35 mehrfach Schwerstbehinderten ein Zuhause bieten soll, ist in unmittelbarer Nachbarschaft zur Seniorenpflegeeinrichtung „Haus Mühlengrund“ auf dem Gelände der ehemaligen Anne-Frank-Schule in Rosdorf (Kreis Göttingen) zu finden. Allerdings drohte das Wohnprojekt wegen fehlender Finanzierung der Unterbringungskosten durch das Landessozialamt zu scheitern.

„An der Weigerung des Landessozialamtes, die Unterbringung der jungen Menschen vollständig zu finanzieren, hat sich bislang nichts geändert“, sagt Martina Sas, Vorsitzende des Fördervereins Haus Weitblick und selbst betroffene Mutter. Noch im September sei sie – genau wie viele andere Elternteile – völlig verzweifelt gewesen.

An der Weigerung des Landessozialamtes, die Unterbringung der jungen Menschen vollständig zu finanzieren, hat sich nichts geändert.

Martina Sas, Vorsitzende des Fördervereins Haus Weitblick

Nachdem das Haus zu diesem Zeitpunkt gerade einmal fünf Bewohner hatte, viel zu wenig, um auch nur annähernd die Kosten zu decken, hatte der Betreiber angekündigt, es umfunktionieren und ebenfalls als Seniorenpflegeeinrichtung nutzen zu wollen. „Bei einem Elternabend mit der Hausleitung wurde aber klar, dass das Projekt fortgesetzt wird, wenn sich mindestens 20 Bewohner finden“, sagt Sas.

Rosdorf: Förderverein will künftig die Angehörigen von Schwerstbehinderten unterstützen

Daraufhin erklärten sich 16 weitere Familien bereits, den monatlichen Mehrbetrag von rund 400 Euro stemmen zu wollen, auch wenn das für einige eine kaum zumutbare finanzielle Belastung darstellt. „Als klar war, dass es weitergeht, haben wir ganz schnell einen Förderverein auf den Weg gebracht, der seit dem 30. November auch eingetragen ist“, erzählt Martina Sas.

Ziel des Vereins sei es, zunächst einmal diejenigen Familien zu unterstützen, die den Differenzbetrag nicht aus eigener Tasche stemmen können. „Sollte das irgendwann geklärt sein und das Landessozialamt doch seiner Verpflichtung nachkommen, werden wir die Hausbewohner mit den eingenommenen Beiträgen und Spendengeldern natürlich weiter unterstützen etwa bei Großanschaffungen wie Freizeitgeräten oder bei gemeinsamen Fahrten“, so Sas.

Bislang habe der Verein zwar lediglich elf Mitglieder, aber sie hoffe, dass sich das schnell ändert. Die Spende des Orthopädieherstellers Otz aus Hessisch Lichtenau habe sie überwältigt. „Als wir davon erfuhren, haben wir uns enorm gefreut und waren regelrecht sprachlos“, sagt die Fördervereinsvorsitzende.

„Haus Weitblick“: Förderverein hofft auf weitere Spenden

„Ich lasse meine Mitarbeiter schon seit Jahren die Augen offenhalten und sammle dann immer vor Weihnachten Ideen, welche Einrichtung eine Spende brauchen könnte“, sagt Otz-Geschäftsführer Alf Reuter. Eine Mitarbeiterin, deren Schwester bereits im Haus Weitblick wohne, habe von dem Wohnprojekt und den Schwierigkeiten berichtet.

Ich hoffe, dass viele andere Unternehmen und Privatpersonen unserem Beispiel folgen und mit einer Spende dazu beitragen, dass das Haus mit noch mehr Leben gefüllt werden kann.

Otz-Geschäftsführer Alf Reuter

„Ich freue mich sehr, dass meine Mitarbeiter sich bei der abschließenden Abstimmung dafür entschieden haben, dieses Projekt zu unterstützen, weil hier wirklich jeder Cent dringend benötigt wird“, sagt Reuter. „Und ich hoffe sehr, dass viele andere Unternehmen und auch Privatpersonen unserem Beispiel folgen und mit einer Spende dazu beitragen, dass das Haus schon bald mit noch mehr Leben gefüllt werden kann.“

Weitere Infos und Spendenkontakt zum Förderverein Haus Weitblick auf der Website und via E-Mail an kontakt@wir-blicken-weiter.de. (Per Schröter)

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