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Zugunfälle im Kreis Göttingen: Entzieht die Bahn sich ihrer Verantwortung?

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Von: Melanie Zimmermann

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Hätten die Unfälle an unbeschrankten Bahnübergangen nahe Göttingen verhindert werden können? Jahrzehntelang besteht dort die Forderung nach Schranken.

Flecken Bovenden – Nachdem innerhalb von zwei Wochen gleich zwei Unfälle an unbeschrankten Bahnübergängen in Emmenhausen und Lenglern passierten, richtet sich nun die Politik an die Deutsche Bahn. In einem offenen Brief fordern die Bürgermeister die Errichtung von Schranken – und weisen darauf hin, dass diese Forderung bereits seit Jahrzehnten bestehe.

„Es muss jetzt endlich mal Dynamik in die Angelegenheit kommen, bevor an den Bahnübergängen noch ein schlimmerer Unfall passiert.“ Aus dieser Intention heraus, so erklärt Thomas Brandes, Bürgermeister des Flecken Bovenden, sei der Offene Brief an die Deutsche Bahn entstanden, den auch Sabine Wartekin, Ortsbürgermeisterin in Emmenhausen und Jörg Woggon, Ortsbürgermeister Lenglern, mit unterzeichnet haben.

Region Göttingen: Unfälle an Bahnübergängen häufen sich – Bürgermeister verfassen offenen Brief an DB

Bahnunfall bei Lenglern: Die Lok eines Güterzuges rammte einen Pkw. Zwei Menschen wurden verletzt. Archi
Bahnunfall bei Lenglern: Die Lok eines Güterzuges rammte einen Pkw. Zwei Menschen wurden verletzt. (Archivbild) © S.Rampfel

Eigentlich sei es nicht „unsere Art, mit so einem Brief an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagt Brandes weiter. Doch die Forderung danach, die unbeschrankten Bahnübergänge an der Bahnstrecke Göttingen – Bodenfelde in beiden Ortschaften technisch durch Schranken zu sichern, bestehe bereits seit Anfang der 80-er Jahre.

Dies gelte auch für den immerhin mit einem Lichtsignal versehenen Bahnübergang an der L 544 von Lenglern nach Bovenden. Man habe die Deutsche Bahn zuletzt im Sommer 2021 auf Grundlage einer einstimmig beschlossenen Resolution im Gemeinderat des Flecken Bovenden Anfang Juli aufgefordert, dort entsprechend tätig zu werden und die Bahnübergänge mit Schranken zu sichern.

Eine Reaktion auf diese Resolution blieb seitens der Deutschen Bahn bisher aus. „Das ist vor dem ernsten Hintergrund der Angelegenheit in keinster Weise nachvollziehbar“, so Brandes.

Entzieht die Deutsche Bahn sich der Verantwortung? Bürgermeister fordern Schranken

Die Forderungen nach einer Sicherung der Bahnübergänge mit Schranken beruhen auf vielen gefährlichen Situationen, die regelmäßig zu beobachten seien beziehungsweise leider auch durch tatsächliche Unfälle in den vergangenen Jahren, heißt es in dem Offenen Brief. Die beiden Kollisionen an den beiden unbeschrankten Bahnübergängen in Emmenhausen und Lenglern seien ein Signal, dass nun endlich gehandelt werden müssen seitens der Deutschen Bahn.

„Auch wenn die Unfallursachen in beiden Fällen nach unserer Kenntnis noch nicht ermittelt wurden, fordern wir Sie auf, jetzt endlich zu handeln“, schreiben die Bürgermeister. Die Bahnübergänge in den Ortschaften würden nicht nur durch Pkw, sondern auch von Radfahrern sowie fußläufig von Spaziergängern, aber auch von Schulkindern auf dem Weg zur Schule bzw. zur Bushaltestelle genutzt.

Es darf nicht sein, dass es im Jahr 2022 immer noch solche ungesicherten Bahnübergänge gibt, wo Fußgänger, Radfahrer und Kinder jederzeit in gefährliche, lebensbedrohende Situationen geraten können.

Offener Brief an die Deutsche Bahn

Dabei spiele es keine Rolle, ob ein Verschulden der verunfallten Fahrzeugführer vorläge – „Von den Bahnübergängen geht eine Gefahr für unsere Bürgerinnen und Bürger aus, die endlich beseitigt werden muss. Es darf nicht sein, dass es im Jahr 2022 immer noch solche ungesicherten Bahnübergänge gibt, wo Fußgänger, Radfahrer und Kinder jederzeit in gefährliche, lebensbedrohende Situationen geraten können.“

Nach mehreren Unfällen an Bahnübergängen bei Göttingen: Schranken sollen für Sicherheit sorgen

Einer eventuellen finanziellen Belastung für die Gemeinde durch eine technische Aufrüstung mit Schranken, wie sie beispielsweise in Adelebsen 2013 der Fall war, sieht Brandes entspannt entgegen. „Unseres Wissens nach wurde die Regelung, dass die Gemeinde 50 Prozent der Kosten für so eine Aufrüstung tragen muss, geändert. Nach unserem Kenntnisstand ist das eine Vereinbarung zwischen der Bahn, dem Bund und dem Land.“

Dabei würden 50 Prozent der Kosten auf die Deutsche Bahn entfallen, ein Drittel auf den Bund und ein Sechstel auf das Land Niedersachsen. Im Jahr 2013 waren auf der Strecke zwischen Göttingen und Bodenfelde bereits zwei gefährliche Übergänge in der Gemeinde Adelebsen mit Sicherungseinrichtungen nachgerüstet worden.

Es handelte sich um die Bahnübergänge „Auf dem Kampe“ in Lödingsen sowie „Alte Dorfstraße“ in Erbsen. Die Kosten für die technische Aufrüstung beider Übergänge beliefen sich auf insgesamt etwa 850.000 Euro. Das Problem bei der Nachrüstung der Übergänge sind die hohen Investitionskosten. Die Hälfte trug damals die Gemeinde Adelebsen. (mzi)

Verwandte Themen: Im November 2022 hat sich in Niedersachsen ein schweres Zugunglück bei Gifhorn ereignet. Nach mehreren Unfällen tauscht die Bahn Posten an Bahnübergängen in Niedersachsen aus.

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