Göttingen ist Vorbild beim Schulessen: Frisch gekocht für 28 Schulen

Grünkohl und Bregenwurst: Dr. Michael Polster (von links), das Küchenpersonal Petra Ullrich und Zsuzsanna Freyberg sowie Wolfgang Vogelsaenger präsentierten ein typisches Mensa-Mittagessen an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule. Foto: Leissa

Göttingen. Die Stadt Göttingen und die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule (IGS) sind Vorbilder für andere Städte und Schulen in Deutschland: Die Schüler bekommen dort täglich gesunde und günstige Mahlzeiten aus der eigenen Schulküche.

Schulen, die ihre Schüler mit frisch zubereiteten Essen versorgen, gibt es laut der Experten auf dem 9. Deutschen Kongress Schulverpflegung noch zu wenige. Die IGS, die auch Austragungsort des Kongresses am vergangenen Donnerstag war, wurde nun mit dem Goldenen Teller 2015, einem Preis für das beste Schulrestaurant, ausgezeichnet.

Die Schule ist Teil des Verpflegungskonzepts der Stadt Göttingen. Mit eigenen Großküchen statt externer Catering-Dienste versorgt Göttingen ihre Gesamtschulen und Kindergärten. Viele Zutaten für die Mahlzeiten kommen aus der Region: Die Stadt bezieht die Kartoffeln aus dem Solling, das Geflügel kommt aus Kassel und die Milch von einem Betrieb aus dem Landkreis Göttinger.

Das ist sehr zur Freude von Dr. Michael Polster, Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Schulverpflegung (DNSV): „Die Verpflegung an Schulen ist eine gesellschaftliche, keine kommerzielle Aufgabe, die am besten in der Hand kommunaler Träger liegt“, sagt Polster. „Mahlzeiten, die am Abend vorher oder morgens vom Caterer gekocht werden, transportiert und zwischendurch mehrmals erwärmt werden, schmecken nicht so gut wie Frischgekochtes.“ Und mit gesunder Ernährung habe das noch weniger zu tun.

Doch der Schritt weg vom Catering zur kommunalen Selbstversorgung ist nicht leicht: „Der Bau von Kantinen ist teuer. Die Politik aber steckt derzeit lieber Geld in die Gesundheitsversorgung bereits kranker Kinder als in die Ernährungslehre und Prävention“, klagt Michael Polster. Beispiele, in denen Fördervereine Spenden und Sponsoren für eine Mensa gesammelt haben, zeigen, wie es dennoch klappen kann.

Die Stadt Göttingen wagte laut der Diplom-Ökotrophologin Anja Köchermann vor sieben Jahren den Schritt mit ihrem derzeitigen Konzept, in dem Verpflegung und Ernährungslehre sich nicht ausschließen. Das sei ein voller Erfolg und auch die IGS Geismar profitierte davon: „Ich hatte vor der Umstellung mal durchgerechnet, ob sich eine Selbstversorgung im Vergleich zum Catering überhaupt lohnt und es nahm sich überhaupt nichts“, sagt IGS-Schuldirektor Wolfgang Vogelsaenger. Noch immer können die Mahlzeiten für etwa drei Euro an den Göttinger Schulen gekauft werden, aber durch den Wegfall der Cateringkosten kann die Stadt das Küchenpersonal besser bezahlen und die Qualität der Mahlzeiten sei gestiegen. Der pädagogische Mehrwert: „Die Schüler kochen in Aktionswochen selber, können Menüwünsche äußern und wissen nun, welchen Weg das Essen auf ihrem Teller genommen hat“, sagt Vogelsaenger.

Schulessen, so funkioniert es

Vier Großküchen der Stadt Göttingen kochen täglich mit Produkten aus der Region und versorgen damit 28 städtische Ganztagsschulen und 13 städtische Kindertagesstätten. Die Mahlzeiten einer Schulküche werden also auf umliegende Schulen und Kitas ohne Küche verteilt. Das Essen muss eine Woche vorher bestellt werden und wird bargeldlos bezahlt: Nach einer Registrierung auf www.schulessen.goettingen.de richtet sich jeder Nutzer ein Essensgeldkonto an und erhält eine elektronische Essensmarke zugesandt. Aufgefüllt wird das Konto durch eine Banküberweisung oder durch einen Dauerauftrag. Bei der Registrierung kann auch gleich ein Abo für das Schulhalbjahr abgeschlossen werden, das die Vorbestellung übernimmt. Die Schüler können aus einem Angebot aus einem Hauptgericht, vegetarischer Kost, Salaten, Beilagen und Desserts wählen.

Von Margarete Leissa

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