Göttinger Angebot entlastet psychisch kranke Eltern: Paten fangen Kinder auf

Psychische Erkrankungen: Manche Eltern brauchen Unterstützung. Bei einem Göttinger Angebot kümmern sich Paten um die Kinder der Betroffenen. Rubrikenlistenbild: dpa

Göttingen. Psychisch kranke Eltern freuen sich, wenn sie Entlastung haben. Dabei hilft in Südniedersachsen ein Angebot der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Seit sechs Jahren

Seit sechs Jahren läuft das Konzept, bei dem sich ehrenamtliche Paten stundenweise um Kinder der Betroffenen kümmern und deren Betreuung in dieser Zeit übernehmen. „Die Idee entstand aus einem Arbeitskreis. Bei Gesprächen war festgestellt worden, dass die Kinder oft zu kurz kommen“, sagt Koordinatorin Vanessa Kalvelage. Es fehlte an Angeboten für die Mädchen und Jungen der Betroffenen. Deshalb 2010 erstmals Treffen zwischen Kindern und Erwachsenen, die Spaß an einer solchen Aufgabe haben, organisiert. Bei dem Göttinger Modell übernehmen die Erwachsenen Patenschaften für die Kinder im Alter fünf bis 18 Jahren.

Schulungen für Paten

Das Problem: Es werden immer mehr Paten benötigt, um Mädchen und Jungen betreuen zu können. Aktuell gibt es neun Patenschaften, vier im Göttinger Stadtgebiet und fünf im Landkreis. „Wir suchen dringend weitere Paten in der Uni-Stadt und auch im Kreis“, sagt Kalvelage. Die Patenschaft kostet kein Geld. Die Paten bekommen eine geringe Aufwandsentschädigung und verpflichten sich, an einem Schulungsprogramm teilzunehmen.

Unternehmungen

Ein Göttinger Paar kümmert sich seit einem Jahr um einen achtjährigen Jungen. Jeden Mittwoch treffen sie sich mit ihm und unternehmen etwas mit ihm. So spielen sie gemeinsam gehen spazieren, basteln und kümmern sich mit ihm um die Haustiere der Familie. „Wir schauen immer nach den Hühnern und den Bienen“, erzählt der Junge, der sich auf die Treffen mit seinen Paten freut.

Keine eigenen Kinder

Das Göttinger Paar hat noch keine eigenen Kinder und engagiert sich seit einigen Jahren in der Jugendarbeit. „Wir begleiten Freizeiten und freuen uns jetzt, dass wir ein Kind nun regelmäßig erleben können“, sagen die 32-Jährige und der 35-Jährige, die anonym bleiben möchten. Die Göttinger hatten in der Zeitung von dem Angebot gelesen und sich spontan gemeldet. „Wir wollen ein wenig Alltag bieten.“ Dazu gehören eben die gemeinsamen Aktivitäten und auch Hilfe für die Schule. Dabei geht es beispielsweise ums Lesen.

Wichtige Entlastung

„Für mich ist die Betreuung eine große Entlastung“, sagt die betroffene Mutter, die an Depressionen leidet. „Ich habe oft die Ruhe nicht und schaffe es manchmal einfach nicht, so für die Kinder da zu sein, wie ich es möchte.“ Die wöchentlichen Treffen sind für die Familie zum wichtigen Fixpunkt geworden. Die Betroffene hat einen großen Wunsch: Sie hofft auf weitere Erwachsene, die ebenfalls als Paten Verantwortung für Kinder von psychisch Kranken übernehmen. (bsc)

Regelmäßige Treffen zwischen den Paten und den Kindern

Bei der Übernahme der Patenschaft wird regelmäßiges Engagement erwartet. Üblich sind wöchentliche Treffen zwischen dem Kind und seinen Paten. Zu Beginn gibt es ein achtstündiges Schulungsprogramm. Außerdem müssen die Paten ein erweitertes Führungszeugnis und ein ärztliches Attest vorlegen. Außerdem kommt Koordinatorin Vanessa Kalvelage zu einem Hausbesuch vorbei. (bsc)

Kontakt: Arbeiterwohlfahrt Göttingen, Untere Karspüle 12, 37073 Göttingen, Telefon 05 51/38 44 58 50, E-Mail: v.kalvelage@awo-goettingen.de

www.awo-goettingen.de

Von Bernd Schlegel

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