Bundesforschungsministerium fördert das Projekt

Göttinger Biobank arbeitet in Netzwerk: Eiskaltes Lager für Körperproben

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Kältetonne: Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) beherbert eine von zwei Biobanken in Niedersachsen, elf sind es bundesweit. Hier der Kryoroboter, wo Millionen von Gewebe-, Blut- und Urinproben lagern.

Göttingen. Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) beherbergt eine von zwei Biobanken in Niedersachsen und bildet seit dem 1. Mai mit zehn weiteren ein Netz, die German Biobank Alliance (GBA).

Durch mehr und qualitativ bessere Proben menschlichen Körpermaterials sowie deren Verfügbarkeit für die Forschung sollen Krankheiten schneller analysierbar und später auch heilbar sein.

Millionen für den Aufbau

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Bedeutung der Biobanken erkannt und fördert die Allianz bis 2020 mit 14,4 Millionen Euro. Davon profitieren auch die Leiterin der UMG-Biobank Dr. Sara Nußbeck und ihre Mitarbeiter.

Da die Zell- und Molekularforschung rasant voranschreitet, kommt diesen Archiven mit menschlichem Material eine wachsende Bedeutung zu. In Deutschland und Europa wird mit Hochdruck an einer stärkeren Verzahnung – auch der Lagerungs- und Sicherungsstandarts gearbeitet.

Folge: Neue Therapien

Was laut Sara Nußbeck Auswirkungen auf die Medizin der Zukunft haben wird: „Am Ende werden sich die diagnostischen Methoden und Therapien für die Behandlung der Patienten verbessern.“

14 Millionen Bio-Proben

Der Biobanken-Zusammenschluss, der auch in Richtung Europa, wo Uni-Kliniken längst eng zusammenarbeiten, enger gezurrt werden soll, ermöglicht ein nie da gewesenes Reservoir für Proben und Daten zur Erforschung von Krankheiten. 14 Millionen Bioproben lagern in den elf deutschen Biobanken.

Ethik und Recht

Damit die Nutzung für die Forschung verlässlich über Länder- und Staatsgrenzen hinweg möglich ist, müssen Richtlinien erarbeitet werden, ethische und rechtliche Grundlagen von allen Seiten respektiert werden. „Es besteht noch Harmonisierungsbedarf“, sagt Jeanette Löser von der UMG-Biobank.

Bessere Forschung

Für die Mediziner ist klar, dass der Verbund in Deutschland mit einer hohen Probenqualität die Grundlage für eine aussagekräftigere, reproduzierbare medizinische Forschung auch für die individualisierte Präzisionsmedizin sind. Mehr noch, die Bio-Bank-Allianz „wird dazu beitragen, die biomedizinische Forschung auf lange Sicht zu beschleunigen“, sagt Prof. Michael Hummel, Koordinator der GBA. Und die deutsche Biomedizin-Forschung werde die Position in der internationalen Forschungsgemeinschaft stärken, so Hummel.

Kryo-Roboter in Uni-Klinik

Sara Nußbeck und ihre Abteilung partizipieren von dem ambitionierten Projekt. Die UMG-Abteilung wird wachsen. Der bislang einzige Kryo-Roboter dort fasst zwei Millionen Röhrchen mit Blut, Urin, Speichel und Gewebe, für Jahre konserviert bei minus 80 Grad Celsius. Der kälteresistente Kryo-Robober verwaltet die Röhrchen, kann sie also jederzeit aus der Kältebox hevor holen.

Zweites Lager in der UMG-Biobank sind drei Stickstofftanks mit jeweils knapp 200.000 Proben, die sogar bei minus 190 Grad Celsius auf das Auftauen im Sinne der Forschung und Bekämpfung von Krankheiten warten.

www.biobank.med.uni-goettingen.de

Hintergrund: Lager für die Medizinforschung

Biobanken sammeln und lagern menschliches Material und Daten, zum Beispiel aus Gewebeproben, Urin, Blut und Speichel. Dieses Material wird zu Forschungszwecken aufgenommen, registriert, konserviert und bei Bedarf aus dem Archiv geholt, um es für Forschung zu verwenden.

Die Entnahme und Einlagerung darf nur mit Erlaubnis des „Spenders“ erfolgen. Die Biobanken sind meist in Universitätskliniken vorhanden, es gibt elf in Deutschland, die nun im Netzwerk German Biobank Alliance (GBA) organisiert sind. In Niedersachsen gibt es neben Göttingen noch die Biobank an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). In Hessen sammelt nur die Interdisziplinäre Biomateria- und Datenbark Frankfurt Proben.

Uni-Klinik: Probenausgabe erst nach Ethik-Urteil und Kommissionszusage

Die Biobank an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist noch jung: Sie wurde im Oktober 2016 eingeweiht. Seit 2012 werden hier aber bereits über ein zentrales IT-System Proben und Daten verwaltet.

Bevor das neue Netzwerk der elf deutschen Biobanken im Mai gegründet wurde, arbeiteten die Einrichtungen bereits seit zehn Jahren in einer AG zusammen, Verantwortliche trafen sich so bis zu fünf Mal pro Jahr. So wurden Fragen abgestimmt, die sich um die Datensammlung, Probenqualität, Rechtssicherheit, Ethik und Öffentlichkeitsarbeit drehten, wie Jeanette Löser von der UMG-Biobank sagt. Wichtig sei nun vor allem die Vernetzung der Computersysteme in der neuen Allianz.

Das soll auch die Arbeit der Forscher erleichtern. Sie können dann – im Gegensatz – zu früher eine zentrale Anfrage für ein bestimmtes Material stellen. „Früher musste er alle jede einzelne Biobank direkt kontaktieren“, sagt Jeanette Löser.

In Göttingen an der UMG gehen die Proben und Daten vor allem in die Schwerpunkte Herz-Kreislauf-Forschung, Neurowissenschaften und Krebsforschung, wo die Wissenschaftler – auch dank der Kooperationen mit anderen Forschungseinrichtungen am Göttingen-Campus, so den Max-Planck-Instituten, weltweit einen guten Ruf haben.

Eine wichtige Rolle im neuen Biobanken-Netzwerk spielt auch die Kontrolle und Transparenz. Die ISO-Norm 20387 für Biobanken ist im Aufbau. Einige Biobanken sind nach andern ISO-Normen zertifiziert. Auch ist ein Auditorensystem zur dauerhaften Überprüfung geplant.

„Die Arbeit der Biobank sollte möglichst transparent sein, da durch Transparenz Vertrauen zu Spendern, Ärzten, Forschung weiteren Beteiligten aufgebaut werden kann“, teilt die UMG auf Anfrage mit. Deshalb wollen die Biobanken breit informieren – auf den Webseiten gibt es schon umfangreiche Infos.

Über die Herausgabe von Proben nach einer Anfrage entscheidet die Ethik-Kommission der Göttinger Uni-Klinik und schließlich nach Beurteilung der Ethik-Frage ein Herausgabe-Kommittee der UMG-Biobank. Unterschieden wird nach Probe-Anfragen durch Forscher und den Bedarf für registrierte Projekte, mit denen ein Vertrag besteht. In dem ist genau festgelegt, welche Proben benötigt werden. Die UMG überarbeitet gerade die Nutzungsordnung der UMG-Biobank.

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