Blumenkinder streuten nur Vogelfutter

Göttinger Cannabis-Aktion: „Es war nur Vogelfutter.“

Kleine Pflanze, große Wirkung: „Einige Autonome Blumenkinder“ verstreuten Hanfsamen in Göttingen. Am Straßenrand und in Blumenkübeln, wie hier am Papendiek, wuchsen die Pflanzen unbemerkt. Foto: Schäfer
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Kleine Pflanze, große Wirkung: „Einige Autonome Blumenkinder“ verstreuten Hanfsamen in Göttingen. Am Straßenrand und in Blumenkübeln, wie hier am Papendiek, wuchsen die Pflanzen unbemerkt.

Göttingen. Die Cannabispflanzen, die von Unbekannten in Göttingen ausgesät wurden, sind angeblich ungefährlich. Das sagte ein Mitglied der Aktivisten gegenüber unserer Zeitung.

Die Samen, die inzwischen am Straßenrand und in Blumenkübeln zu kleinen Pflanzen herangewachsen sind, stammten aus handelsüblichem Vogelfutter.

„Es war natürlich Absicht, dass wir das nicht von Anfang an gesagt haben“, sagt Tina. Die 23-Jährige ist Mitglied der Aktionsgruppe „Einige Autonome Blumenkinder“, die die Samen verteilt hat. Insgesamt fünf Kilogramm Hanfsamen verstreuten sie im Stadtgebiet. Dabei bekamen die Aktivisten auch Unterstützung. „Wir haben Leute, die wir kannten, angesprochen und gefragt, ob sie helfen wollen“, erkzählt Tina. Losgezogen seien sie meistens abends, wenn es dunkel wurde.

Was still und heimlich begann, hat inzwischen großes Aufsehen erregt: Überall in Göttingen sprießen Hanfpflanzen und ganz Deutschland schaut zu. Bundesweit berichten Medien über die Aktion der Göttinger Aktivistengruppe. Onlineredaktionen zahlreicher Nachrichtenmagazine, darunter auch der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung, wurden auf das Thema aufmerksam.

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„Wir wurden von den Journalisten fast überrannt“, sagt ein Mitglied der Grünen Jugend Göttingen, die einen Fotowettbewerb zur Aktion gestartet hatte. „Sogar aus Wien kamen Anfragen“, sagt er. „Der Redakteur eines Internetradios meinte sogar, die Aktion habe zwischenzeitlich mehr Aufmerksamkeit bekommen, als der NSA-Skandal.“

Schnell standen zahlreiche Bilder von Pflanzen aus Göttingen auf der Internetseite der Jungen Grünen. Die Motive verleiten teilweise zum Schmunzeln. So zeigt ein Bild beispielsweise eine kleine Cannabispflanze, die ihre Blätter direkt vor der Göttinger Polizeiwache in den Himmel streckt.

Bilder

Aktion in Göttingen: "Cannabis" war nur Vogelfutter

Cannabis Aktion Göttingen
Aktion in Göttingen: "Cannabis" war nur Vogelflutter © Grüne Jugend Göttingen
Cannabis Aktion Göttingen
Aktion in Göttingen: "Cannabis" war nur Vogelflutter © Grüne Jugend Göttingen
Cannabis Aktion Göttingen
Aktion in Göttingen: "Cannabis" war nur Vogelflutter © Grüne Jugend Göttingen
Cannabis Aktion Göttingen
Aktion in Göttingen: "Cannabis" war nur Vogelflutter © Grüne Jugend Göttingen
Cannabis Aktion Göttingen
Aktion in Göttingen: "Cannabis" war nur Vogelflutter © Grüne Jugend Göttingen
Cannabis Aktion Göttingen
Aktion in Göttingen: "Cannabis" war nur Vogelflutter © Grüne Jugend Göttingen

Bei der Göttinger Polizei hat die Aktion für Betrieb gesorgt. Die Sprecherin der Polizeiinspektion Göttingen, Jasmin Kaatz, spricht sogar mit ein bisschen Anerkennung darüber: „Diese Aktion ist eine große Sache, da haben sich Leute wirklich Mühe gegeben.“ Um den Pflanzen auf die Spur zu kommen, schauen sich die Beamten auch die Bilder auf der Internetseite der Grünen Jugend an, erklärt sie.

Wer sich im Stadtgebiet auf die Suche nach den Pflanzen macht, hat es inzwischen schwer: Der Baubetriebshof durchkämmt die Stadt mit Argusaugen. „Bislang sind etwa 150 Pflanzen entfernt worden“, sagt der stellvertretende Sprecher der Stadt Göttingen, Hartmut Kaiser.

„Mit so einem Erfolg hätten wir nie im Leben gerechnet“, schwärmt Blumenkind Tina. „Wir waren baff.“ Der Erfolg soll fortgesetzt werden, sagt sie: „Konkrete Pläne gibt es noch nicht, aber wir machen weiter.“

Von Moritz H. Schäfer

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