Göttinger Flüchtlinge kämpfen fürs eigene Konto

Göttingen. Nach wie vor haben Flüchtlinge ein Problem, ein eigenes Konto zu eröffnen. Die Sparkasse Göttingen verspricht nun Abhilfe – allerdings nicht für alle.

Das eigene Konto würde für viele Flüchtlinge eine Verbesserung ihrer Situation bedeuten. Doch vor der Eröffnung gibt es ein Riesenproblem. Geltende Gesetzeslage in Deutschland ist, dass bei der Kontoeröffnung ein amtliches Identitätspapier mit Lichtbild vorgelegt wird. Dieser Auflage können Geduldete nicht nachkommen.

Denn ihre Duldungsbescheinigung wird nicht als amtliches Identitätspapier akzeptiert. Ein eigenes Konto bleibt ihnen damit verwehrt, mit allen Konsequenzen: monatliches Schlange stehen an der Geldausgabe, schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt sowie Probleme beim Abschluss von Mobilfunkverträgen und Einkäufen im Internet.

Die Sparkasse Göttingen schafft nun eine Ausnahmeregelung für Flüchtlinge, die eine „gültige Aufenthaltsgestattung in Kombination mit einer Meldebescheinigung“ vorlegen können. Diese Unterlagen, die von Stadt beziehungsweise Landkreis Göttingen ausgestellt werden, besitzen aber nicht alle Flüchtlinge. Voraussichtlich ab Mitte August können dann Guthaben-Konten, das sind Konten ohne Überziehungsmöglichkeit, eröffnet werden.

Rappe: Einziges Institut

„Wir sind derzeitige das einzige Institut in der Region, das diese Lösung für Flüchtlinge anbietet“, sagt Michael Rappe, Pressesprecher der Sparkasse Göttingen. Vorausgegangen waren seit April Gespräche mit den Aufsichtsbehörden und Ministerien. Außerdem war der Deutsche Sparkassen- und Giroverband eingeschaltet worden.

Alle, die nur eine Duldung besitzen, bleiben bei dieser Regelung außen vor, solange es dafür keine gesetzliche Regelung gibt. Die soll möglicherweise im Jahr 2016 erfolgen.

Seit etwa einem Jahr ist Elsaadi Bilal, der aus Palästina stammt, in Göttingen. Seitdem versucht er, ein Konto zu eröffnen. Mit einer Bankverbindung würde sich das Leben des 33-Jährigen deutlich vereinfachen. Bislang muss er beispielsweise einmal im Monat im Rathaus anstehen, um seine Geldleistung bekommen. Überweisungen per Bar-Einzahlung sind extrem teuer, kosten nach Angaben der Flüchtlinge bis zu 15 Euro je Vorgang.

Unbürokratische Hilfe

Um den Flüchtlingen unbürokratisch zu helfen, überweist schon mal Annette Ramaswamy vom Arbeitskreis Asyl im Auftrag den Betrag, damit die Betroffenen die hohen Gebühren sparen.

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