Göttinger Forscher: Ebola könnte bald unter Kontrolle sein

Ebola-Behandlung in Liberia: Von dort werden inzwischen Erfolge gemeldet. Foto: dpa

Göttingen. Ebola ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Aber es ist nach wie vor ein Riesenthema in Westafrika. Wir sprachen darüber mit dem Göttinger Mediziner Prof. Dr. Uwe Groß.

In Göttingen ist das Institut für Medizinische Mikrobiologie für die Bekämpfung von Viren verantwortlich. Instituts-Direktor Groß befasst sich daher auch mit dem Thema Ebola.

Ist die Universitätsmedizin Göttingen weiterhin auf Ebola-Fälle vorbereitet?

Prof. Dr. Uwe Groß: Natürlich. Mitarbeiter der Uni-Medizin wurden vom Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen gebeten, bei eventuellen Verdachtsfällen für spontane Beratung zur Verfügung zu stehen. Weiterhin steht das Isolierzimmer ständig für Ebola, aber auch für andere hochansteckende Krankheiten bereit. Patienten mit Nachweis einer Ebola-Infektion werden nach dem gültigen Alarmplan dann innerhalb von 48 Stunden nach Hamburg verlegt.

Haben Sie Ebola zum Thema bei den Kursen für Studenten gemacht?

Groß: Ja. Ich bringe in die Vorlesung exemplarisch auch eine Schutzausrüstung mit und biete den Studenten an, sich selbst den Schutz überzuziehen. Dann merken die Studenten, wie schwierig Arbeiten unter Schutzbekleidung im Ebola-Gebiet sind. Man schwitzt schon nach wenigen Minuten.

Haben Sie beziehungsweise Mitarbeiter der Universitätsmedizin beim Kampf gegen Ebola helfen können?

Groß: Die Universitätsmedizin hat Schutzausrüstung zu unserem Partnerkrankenhaus nach Ghana geschickt. Dort gab es inzwischen Verdachtsfälle, die glücklicherweise unbestätigt blieben.

Wie entwickelt sich die Krankheit derzeit in Westafrika?

Groß: Den offiziellen Angaben zufolge bekommt man das Problem langsam in den Griff. Erfolge meldet vor allem Liberia. Kritisch ist die Situation weiterhin in Guinea. Die ursprünglichen Befürchtungen der Weltgesundheitsorganisation mit bis zu 20.000 Toten haben sich glücklicherweise nicht bestätigt. Derzeit gibt es etwa 20.500 Infizierte und über 8000 Tote.

Wie weit ist die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Ebola inzwischen vorangeschritten?

Groß: Es gibt vielsprechende Impfstoffentwicklungen, die zurzeit am Menschen getestet werden. Versuche dazu laufen unter anderem auch in Hamburg und Tübingen. Ich bin aufgrund der besonderen Situation mal optimistisch: Vielleicht gibt es schon in 2015 einen Impfstoff.

Hat der Ausbruch von Ebola der Erforschung von seltenen Krankheiten einen Schub gegeben?

Groß: Ja, auf alle Fälle. Bei dem Ausbruch von seltenen Infektionskrankheiten wird einfach mehr Geld als vorher für die Forschung bereitgestellt. So hat das Bundesforschungsministerium mehrere Millionen zur Entwicklung von Schnelltests für Ebola bewilligt.

Wann ist das Thema Ebola verschwunden?

Groß: Ich gehe davon, dass die derzeitige Ebola-Epidemie in den nächsten sechs Monaten unter Kontrolle ist. Aber das Virus kann immer wieder auftreten, da es ja weiterhin Flughunde als Überträger des Virus gibt. Sie sind wie Zugvögel unterwegs und kommen in West-, Zentral- und Ostafrika sowie in Süd- und Südostasien und sogar an der Küste Australiens vor.

Zur Person

Prof. Dr. Uwe Groß (54) ist Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie an der Universitätsmedizin Göttingen. Er studierte in Hamburg und ist seit 1999 in Göttingen. Der Wissenschaftler ist regelmäßig in Afrika und hat dort unter anderem Labore für Buschkrankenhäuser mit aufgebaut. Er leitet und koordiniert das Göttingen International Health Network. In seiner Freizeit widmet er sich unter anderem gern der Gartenarbeit. (bsc)

Von Bernd Schlegel

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