Seltene und aggressive Tumore in Blutgefäßen

Göttinger Forscher finden neue Ansätze im Kampf gegen Krebs

Göttingen. Neue Hoffnung im Kampf gegen seltene und aggressive Tumore in Blutgefäßen: Ein Team unter der Leitung von Forschern der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat neue Behandlungsansätze entdeckt.

Derzeit stehen als Behandlungsmöglichkeiten neben der chirurgischen Entfernung noch Strahlen- und Chemotherapie zur Verfügung. Jedoch spricht dieser Krebs bislang meist nur schlecht auf solche Therapien an.

Die Forscher fanden heraus, dass besonders aggressive Krebszellen einen Weg gefunden haben, der sie extrem widerstandsfähig gegen die Chemotherapie macht, bei dem Stress durch Sauerstoff ausgeübt wird.

„Wir wollten wissen, ob es möglich ist, die Tumorzellen durch Medikamente so zu verändern, dass sie wieder durch Sauerstoff-Stress bekämpft werden können“, sagt Dr. Vivek Venkataramani von der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie und dem Institut für Pathologie der UMG. Gefunden haben er und sein Forscherteam einen Weg, mit dem das Problem zumindest im Reagenzglas gelöst werden kann: Durch Kombination des Wirkstoffes „Pazopanib“ mit einer gängigen Chemotherapie konnte in den Tumorzellen Sauerstoff-Stress erzeugt und die Zellen so effektiv abgetötet werden.

Der Wirkstoff ist bereits für die Anwendung bei Tumor-Patienten zugelassen und könnte daher ziemlich bald als Kombinationstherapie mit einer herkömmlichen Chemotherapie in die klinische Erprobung bei Angiosarkom-Patienten gehen“, sagt Prof. Dr. Philipp Ströbel, Direktor des Instituts für Pathologie der UMG und Senior-Autor der Publikation. Ihre Beobachtung machten die Göttinger Forscher bei ihrer Arbeit übrigens eher zufällig.

Die Untersuchungen wurden durch die Förderung der Else Kröner-Fresenius-Stiftung und das Göttinger Forschungskolleg ermöglicht. Dr. Venkataramani hat seine For-schungsarbeiten teilweise in New York sowie mit Forscherkollegen aus der Metropole an der US-Ostküste und aus London umgesetzt.

Fortschritte bei der Krebs-Therapie: Senior-Autor Prof. Dr. Philipp Ströbel (links) und Erstautor Dr. Vivek Venkataramani von stellten ihre Forschungsergebnisse vor.

Zu der neuen Strategie sagen die Göttinger Forscher: „Wir glauben, dass es sich dabei um ein generell wichtiges Phänomen handelt, das seine volle Bedeutung dann entfaltet, wenn die Patienten mit Chemotherapie oder Bestrahlung therapiert werden müssen. Wir sind überzeugt, dass für erfolgreiche neue Therapieansätze vor allem diese kleine Zellpopulation gezielt bekämpft werden muss. Sehr wahrscheinlich ist diese Strategie auch auf andere Tumore übertragbar“, sagt Senior-Autor Ströbel.

Weitere Informationen zur Pathologie an der Universitätsmedizin Göttingen gibt es im Internet.

www.pathologie-umg.de

Göttinger Universitäts-Krebszentrum besteht seit 2008

Göttingen hat ein eigenes Universitäts-Krebszentrum, das Göttingen Comprehensive Cancer Center (G-CCC). Die interdisziplinäre Einrichtung wurde 2008 ins Leben gerufen.

In dem Zentrum sind alle onkologisch arbeitenden Kliniken und Institute der Universitätsmedizin vereint. Darüber hinaus bestehen enge Partnerschaften zu weiteren Kliniken und Mitgliedern des G-CCC in der Region. Innerhalb des Tumor-Zentrums werden die Behandlungskonzepte für jeden einzelnen Patienten individuell und interdisziplinär abgestimmt. Das G-CCC arbeitet im nationalen Netzwerk der Krebszentren eng mit anderen Universitäten wie auch mit internationalen Forschungsinstituten zusammen. Weitere Informationen zu dem Krebszentrum gibt es im Internet.

Rubriklistenbild: © Pixabay

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