Göttinger Forscher: So viel Grundwasser fließt im Bauch der Erde

In welchen Tiefen lagert erneuerbares Grundwasser? Die Karte der internationalen Forschergruppe, darunter Wissenschaftler der Universität Göttingen, zeigt die Vorkommen für die gesamte Erde an. Foto: pug/nh

Göttingen. Geowissenschaftler – auch von der Universität Göttingen – haben Pionierarbeit geleistet: Zum ersten Mal wurde das Grundwasser der Erde erfasst und kartiert, in Zeiten, da das Wasser immer wertvoller und somit wichtiger wird. Wir beantworten Fragen zu dem Projekt.

Wie viel Grundwasser gibt es auf der Erde?

Nach Angaben der Wissenschaftler gibt es etwa 23 Millionen Kubikkilometer Grundwasser auf dem Planeten. „Die in unserer Studie beschriebenen 23 Millionen Kubikkilometer entsprechen einer 180 Meter tiefen Bedeckung der Erdoberfläche mit Wasser“, sagt Dr. Elco Luijendijk vom Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen.

Wo lagern die größten Vorräte?

Die größten Vorräte sich erneuernden Grundwassers finden sich im Amazonasbecken in Südamerika, dem Kongo in Afrika, Indonesien und in Gebirgen, wie den Rocky Mountains (USA/Kanada).

Und wo mangelt es an Grundwasser?

Keine Überraschung: Die geringsten Vorräte gibt es in trockenen Gebieten wie der Sahara.

Gibt es Unterschiede beim Grundwasser?

Ja, es gibt „altes“ und „modernes“ Grundwasser. Letzteres wird während der durchschnittlichen Dauer eines menschlichen Lebens erneuert. Und: Weniger als sechs Prozent des gesamten Grundwassers von 23 Millionen Kubikkilometer sind modernes Grundwasser, also 1,38 Millionen Kubikkilometer.

Wie ist diese Menge an Grundwasser einzuschätzen, ist das nicht zu wenig?

„Auch wenn der Anteil des modernen Grundwassers an der Gesamtmenge auf den ersten Blick gering erscheint, ist er doch immer noch größer als der Anteil aller anderen Elemente des aktiven hydrologischen Kreislaufs, wie etwa des Wassers in Flüssen, Seen und der Atmosphäre“, sagt Elco Luijendijk.

Warum sind Erkenntnisse über das moderne Grundwasser wichtig?

Eben weil es erneuerbar ist, also eine immerwährende Quelle ist. Aber auch, weil das moderne Grundwasser anfälliger gegenüber den Auswirkungen von Umweltverschmutzungen und Klimawandel ist – also den Eingriffen des Menschen in das gesamte Ökosystem.

Wie wurde der Grundwasservorrat ermittelt?

Die Wissenschaftler verbanden in der Studie Messungen von radioaktivem Tritium, das seit den Atomtests der 1950er-Jahre im Grundwasser zu finden ist, mit Computermodellen der Grundwasserströme bis in eine Tiefe von zwei Kilometern.

Wer war an der wegweisenden internationalen Studie beteiligt, die in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ veröffentlicht wurde?

Das Geowissenschaftliche Zentrum der Georg-August-Universität Göttingen, die Universitäten in Victoria und Calgary (beide in Kanada) sowie in Austin (Texas/USA). Dr. Elco Luijendijk ist der Sprecher der Forschergruppe in Göttingen. Originalveröffentlichung: „Tom Gleeson et al. The global volume and distribution of modern groundwater“ in „Nature Geoscience“, 2015, Doi: 10.1038/ngeo2590.

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