Göttinger Forschungsprojekt:

Hunde sollen Luchs-Kot in Nordhessen suchen

Wie hat sich der Luchs-Bestand in Nordhessen entwickelt? Dieser Frage gehen Göttinger Wissenschaftler nach. Foto: Thomas Trapke/nh

Göttingen/Kassel. Forscher aus Göttingen sind in diesem Winter dem Luchs in Nordhessen auf der Spur. Hunde sollen den Kot der Tiere finden.

Bestand schrumpfte 

Die Zahl der Luchse war in Nordhessen stark gesunken. Waren zum Jahreswechsel 2014/15 noch sechs Tiere nachgewiesen worden, so schrumpfte der Bestand in diesem Frühjahr auf ganze drei Tiere zusammen.

Fuchsräude 

Als mögliche Ursache für den Rückgang der Luchspopulation vermuteten die Göttinger Forscher eine Erkrankung der Tiere an der Fuchsräude. In diesem Winter soll nun untersucht werden, ob sich der Bestand der Luchse in Nordhessen erholen konnte.

Tierische Spürnasen 

Erstmals werden dabei Spürhunde eingesetzt. Die Hunde sind darauf trainiert, Luchs-Kot im Gelände aufzuspüren. „In anderen Ländern werden Spürhunde schon sehr erfolgreich im Naturschutz eingesetzt, in Deutschland steckt die Methode aber noch in den Kinderschuhen“, sagt Christoph Hartl, Inhaber von SniffX Detection Dogs.

Genetisches Profil 

Kotproben ermöglichen es den Wissenschaftlern, ein genetisches Profil der Tiere zu erstellen. „So können wir beispielsweise noch genauer sagen, wo die Luchse

herkommen und wie der Verwandtschaftsgrad der Tiere in unserer Population ist“, sagt Antje Henkelmann. Die Forstwissenschaftlerin ist seit kurzem hauptamtliche Projektmitarbeiterin und untersucht die Bestandsentwicklung der Luchse im Rahmen ihrer Doktorarbeit, die durch ein Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert wird.

Fotofallen im Einsatz 

Außerdem sind weiterhin automatische Kameras, die so genannten Fotofallen, im Einsatz. „Da sich Luchse anhand ihrer individuellen Fellzeichnung voneinander unterscheiden, können wir unsere Aufnahmen einzelnen Tieren zuordnen“, sagt Projektleiter Dr. Markus Port vom Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie der Universität Göttingen.

Arbeitskreis Hessenluchs 

Das Luchsprojekt der Universität Göttingen arbeitet eng mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, den HessenForst-Forstämtern Hess. Lichtenau, Melsungen und Wehretal sowie dem Arbeitskreis Hessenluchs zusammen. Es wird finanziell durch die Heinz-Sielmann-Stiftung sowie die Erika-Krauskopf-Stiftung unterstützt. Das Projekt vergibt jedes Jahr zehn bis 15 Kamerapatenschaften an interessierte Schulen. Weitere Informationen, insbesondere für Schulklassen, gibt es im Internet.

Luchs im Schnee am Hohen Meißner

Luchs-Sichtung in Söhrewald

Hintergrund: Zuwanderung aus dem Harz 

Die nordhessischen Luchse sind wahrscheinlich aus dem Harz in das Nachbarbundesland gewandert. Im Nationalpark Harz wurden zwischen 2000 und 2006 insgesamt 24 Luchse ausgewildert.

„Wir hoffen nun, dass sich das Luchsvorkommen in Nordhessen durch erneute Zuwanderung erholt“, sagt Thomas Norgall vom Arbeitskreis Hessenluchs, der den Bestand des Luchses in Hessen erfasst.

„Ein stabiles Luchsvorkommen in Hessen ist von großer Bedeutung für die erfolgreiche Ausbreitung der Art in Deutschland.“

Weitere Informationen gibt es unter: www.luchs.uni-goettingen.de

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