Ethnologische Sammlung

Göttinger Frauenkopf-Plastik stammt wohl aus britischem Beutezug

Benin-Bronze: Gedenkkopf einer Königinmutter (Iyoba) aus der Ethnologische Sammlung der Uni Göttingen. Die Uni hat sie gemeldet, ein erster Schritt für eine Entscheidung über Verbleib oder Rückgabe.
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Benin-Bronze: Gedenkkopf einer Königinmutter (Iyoba) aus der Ethnologische Sammlung der Uni Göttingen. Die Uni hat sie gemeldet, ein erster Schritt für eine Entscheidung über Verbleib oder Rückgabe.

Die Ethnologische Sammlung der Uni Göttingen hat eine in Göttingen aufbewahrte Bronzeplastik aus Afrika als Raubkunst identifiziert.

Göttingen – Höchstwahrscheinlich wurde die Plastik von britischen Truppen Ende des 19. Jahrhunderts in Benin gestohlen. Die Uni hat nun erste Schritte eingeleitet, damit die Plastik zurückgegeben der über den Verbleib entschieden werden kann

Ein mit Korallennetz und Halsschmuck kunstvoll verzierter Frauenkopf, einen halben Meter hoch: Es ist die Darstellung einer Königinmutter aus dem alten, im heutigen Nigeria gelegenen Königreich von Benin. Seit 1933 gehört die Plastik zum Bestand der Ethnologischen Sammlung an der Universität Göttingen.

Diese hat sie nun in die Datenbank der „Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland“ aufgenommen – ein formaler Akt, der zugleich grundlegend ist für eine mögliche Rückgabe.

Denn, der in Göttingen aufbewahrte Kopf „gehört nach unserem Kenntnisstand zu den rund 4000 Gegenständen, die britische Truppen 1897 aus dem Königspalast in Benin-City entwendet haben“, schildert Dr. Michael Kraus, Kustos der Ethnologischen Sammlung.

Dr. Michael Kraus

Die Plastik stellt eine Königinmutter (Iyoba) dar. Sie gelangte über das Museum für Völkerkunde in Berlin in den Kunsthandel und von dort an die Ethnologische Sammlung in Göttingen. „Wir haben den Gedenkkopf bereits auf dem Sammlungsportal der Universität Göttingen veröffentlicht,“ erklärt Kraus. Mit der Aufnahme des Objektes in die bundesweite Datenbank unterstreicht die Uni ihre Bereitschaft zur Rückgabe.

Darauf hatten sich im April 2021 die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, mit Mitgliedern der „Benin Dialogue Group“ sowie den Zuständigen von Bund und Ländern geeinigt. Mit ihrer gemeinsamen Erklärung – die von der Uni Göttingen unterstützt wird – verfolgen sie das Ziel, die Benin-Bronzen in deutschen Museen zu erfassen und öffentlich zugänglich zu machen.

Auf dieser Grundlage werden weitere Gespräche mit der nigerianischen Seite über Rückführungen und künftige Kooperationen geführt. Sie werden letztlich darüber entscheiden, ob die Göttinger Bronze im zukünftigen „Edo Museum of West African Art“ in Benin-City oder als historisches Erinnerungszeugnis im neuen Ethnologischen Museum der Georg-August-Universität Göttingen zu sehen sein wird.

Das Einrichten der Kontaktstelle geht zurück auf ei–nen Beschluss von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden vom 13. März 2019. Sie ist zunächst als Pilotprojekt angelegt, mit drei Personalstellen ausgestattet und wird mit insgesamt 1,185 Millionen Euro über drei Jahre je zur Hälfte von den Ländern und vom Auswärtigen Amt sowie der Beauftragten der Bundesregie–rung für Kultur und Medien finanziert. (Thomas Kopietz)

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