Göttinger Friedenspreisträgerin droht Verurteilung

Gegen Naziparolen: Irmela Mensah-Schramm bei einer ihrer Ausstellung an der Uni Kassel im Jahr 2013. Foto: Koch/Archiv

Göttingen/Berlin. Der 2015 mit dem Göttinger Friedenspreis ausgezeichneten Nazi-Gegnerin Irmela Mensah-Schramm droht eine Verurteilung wegen Sachbeschädigung.

Wie Unterstützer der 71-Jährigen am Dienstag mitteilten, hatte sie in einem Fußgängertunnel in Berlin den dort aufgemalten Spruch „Merkel muss weg!“ in „Merke! Hass weg“ umgewandelt. Anwohner hatten dies beobachtet und die Polizei verständigt, die daraufhin eine Anzeige fertigte.

Am 5. Oktober 2016 fand der Prozess gegen die „Polit-Putze“, wie sie sich selber bezeichnet, statt. Der Tatvorwurf: Sachbeschädigung. Gegen eine Verurteilung zu 1800 Euro Geldstrafe durch das Berliner Kammergericht haben sowohl Mensah-Schramm als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Das Urteil ist deshalb noch nicht rechtskräftig.

Der Berliner Verein „Erinnern und Verantwortung“ protestiert mit einer Unterschriftenaktion im Internet gegen das Strafverfahren. Innerhalb weniger Tage hätten mehr als 23 000 Menschen eine Petition unterzeichnet, hieß es.

Die in Stuttgart geborene Mensah-Schramm hat es sich nach Angaben der Stiftung Dr. Roland Röhl zur Aufgabe gemacht, die Straßen von rechten Hass-Parolen zu säubern. Sie entfernt seit drei Jahrzehnten in Berlin und anderen deutschen Städten Hassparolen an öffentlichen Wänden. Für ihr nachhaltiges politisch-moralisches Engagement wurde sie mehrfach öffentlich ausgezeichnet: unter anderem 1996 mit der Bundesverdienstmedaille, 2006 mit dem Preis „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ der deutschen Bundesregierung und 2015 mit dem Göttinger Friedenspreis.

Seit Mitte der 1990er-Jahre zeigt sie in ihrer Wanderausstellung „Hass vernichtet“ eine Auswahl an Parolen, die sie vor dem Wegputzen fotografiert hat. Dazu bietet sie antirassistische Workshops für Schüler an. (mel)

Zur Petition: http://zu.hna.de/irmela

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.