Göttinger IHK-Empfang: Physik-Experimente statt Festrede

Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer in der Göttinger Stadthalle: (von links) IHK-Geschäftsstellenleiter Dr. Martin Rudolph, Festredner Prof. Dr. Arnulf Quadt, IHK-Vizepräsidentin Birgitt Witter-Wirsam, IHK-Präsident Dr. Christian Hinsch und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Horst Schrage. Foto: Jelinek

Göttingen. So still war es noch nie beim Göttinger Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK). Physik-Professor Prof. Dr. Arnulf Quadt zog die Zuhörer am Donnerstag in der Stadthalle in seinen Bann.

Experimente

Der Professor war Festredner des Abends – oder besser Fest-Experimentator. Er zeigte im Saal gleich mehrere Experimente aus seiner Physik-Show sowie aus „Physik im Advent“. So demonstrierte er einen Feuertornado und blies eine Kerze mit einer Plastikflasche aus. Er verzichtete damit kurzerhand auf einen langen Vortrag und setzte auf seine Experimente – mit großem Erfolg.

Neugier

Außerdem machte der Wissenschaftler den Anwesenden Mut, selbst neugierig zu sein. „Das Allerbeste ist, selbst zu forschen“, zeigte sich Dr. Quadt überzeugt. Der Göttinger Physiker will mit seinen Experimenten Begeisterung wecken. Und das gelang ihm auch bei den Zuhörern im Saal.

Gedämpfte Erwartungen

Zuvor setzten sich die Gäste allerdings mit der Entwicklung der Wirtschaft auseinander. IHK-Präsident Dr. Christian Hinsch machte deutlich, dass sich die Stimmungslage bei den Unternehmen im Herbst merklich abgekühlt habe. Und bezog sich damit auf eine Umfrage der Kammer. „Vor allem ihre Exporterwartungen haben die Unternehmen nach unten angepasst und berichten von rückläufigen Auftragseingängen“, sagte Dr. Hinsch.

Plädoyer

Er hielt zudem ein leidenschaftlichen Plädoyer für die berufliche Ausbildung. „Die Welt beneidet uns darum und schickt Delegationen nach Deutschland.“ Gleichzeitig werde hierzulande die berufliche Bildung schlecht geredet und dafür die akademische Bildung überhöht. Hinsch stellte klar: „Wir haben keinen Akademikermangel in Deutschland, wir haben einen Fachkräftemangel. Das ist unser Problem.“

Appell an die Politik

Einen Appell richtete der IHK-Präsident an die Politik. Er forderte mit Blick auf die Lohnnebenkosten eine Deckelung der Arbeitgeberkosten für die Krankenversicherung. Und machte auf die Probleme bei der langfristigen Finanzierung der Rentenversicherung aufmerksam. Zu einem Ärgernis habe sich auch die Gewerbesteuer entwickelt, die nur eine Richtung kenne, nämlich aufwärts.

Physik-Experimente beim IHK-Empfang in Göttingen

Straßenbau

„Gerade Unternehmen in ländlichen Regionen sind auf eine funktionsfähige, gute ausgebaute Straßeninfrastruktur angewiesen“, warb Dr. Hinsch für den Ausbau der Fernstraßen in Niedersachsen. „Was die städtischen Straßen angeht, sollten wir weder in Hannover noch Göttingen anderen Städten nacheifern, wo zuweilen Ausfallstraßen umgewandelt werden in Radwege mit angegliedertem Autostreifen.“

Lob für Programm

IHK-Vizepräsidentin Birgitt Witter-Wirsam lobte das Südniedersachsenprogramm der Landesregierung. 30 Projekte seien inzwischen bewilligt worden, insgesamt 90 Millionen Euro Fördermittel fließen schon jetzt in die Region.

Forum Wissen

Zum Schluss ging es noch einmal um Wissenschaft. So warb Witter-Wirsam für das Forum Wissen der Universität. Bei der Realisierung des Projekts können die Unternehmen einen wichtigen Beitrag leisten, ist die Vizepräsidentin überzeugt.

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