Göttinger Jugendarrest: Warnschuss für Schulverweigerer

Im Göttinger Jugendarrest: Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz besichtige mit Anstaltsleiter Wolfgang Kuhlmann (rechts) und Landtagsabgeordneter Roland Schminke, der dem Beirat des Offenen Vollzuges angehört. Foto: Schlegel

Göttingen. Wer die Schule dauerhaft schwänzt, landet früher oder später im Jugendarrest. Etwa 30 Prozent in der Göttinger Einrichtung sind Schulverweigerer.

Am Donnerstag informierte sich Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz über die Arbeit im Jugendarrest. Dabei kündigte sie an, dass die Landesregierung im September ein neues Jugendarrestgesetz in den Landtag einbringen werde. Ein wesentliches Ziel: Es soll erreicht werden, dass Jugendliche wieder den Weg zur Schule finden, bevor sie in den Jugendarrest müssen. Dazu soll die Zusammenarbeit mit verschiedensten Institutionen intensiviert werden, kündigte die Ministerin an.

Wenn das neue Gesetz verabschiedet ist, tritt eine weitere wichtige Änderung in Kraft: Bislang gibt beim Arrest über das Wochenende noch in vier bis fünf Regionen die Variante, dass die Jugendlichen in einem Amtsgericht vom dortigen Wachtmeister eingeschlossen werden. Das soll es künftig nicht mehr geben. Stattdessen sollen sie in den Arrestanstalten in Emden, Vechte, Nienburg und Göttingen untergebracht werden.

Platz für 20 Jugendliche

In der Einrichtung in Südniedersachsen ist derzeit Platz für 20 Jugendliche, darunter acht junge Frauen. Sie durchlaufen einen strengen Tagesablauf. Nach dem Wecken kurz nach 6 Uhr gibt es zwischen 8 und 12 Uhr Unterricht beziehungsweise Bewerbungstraining. Außerdem gehören regelmäßiger Sport, Schuldenberatung, Gesprächsrunden zur Gewaltprävention sowie Facebook-Kurse zu den Angeboten. Abends um 19.30 Uhr ist Einschluss: Damit soll ein regelmäßiger Tagesablauf gewährleistet werden.

Sollte es bei den Insassen zu psychischen Problemen kommen, so wird der Arrest in der nahegelegenen Asklepios-Fachklinik unterbrochen. Im vergangenen Jahr waren mehr als 600 Jugendliche im Göttinger Arrest, in diesem Jahr bislang etwa 470.

Offener Vollzug

Neben dem Jugendarrest besuchte die Ministerin auch den offenen Vollzug, in dem Jugendliche untergebracht sind, die erstmals eine Jugendstrafe von maximal dreieinhalb Jahren verbüßen. Sie holen während ihrer Zeit in Göttingen den Schulabschluss nach beziehungsweise arbeiten in verschiedenen Werkstätten - zum Beispiel in der Gärtnerei oder in der Gastronomie. So hatten einige Gefangene ein kleines Buffet vorbereitet. Der Ministerin hat’s richtig gut geschmeckt. (bsc)

Hintergrund: Aufenthalt bis maximal vier Wochen

In den Jugendarrest kommen Jugendliche im Alter zwischen 14 und 21 Jahren. Die Aufenthaltsdauer schwankt zwischen wenigen Tagen und maximal vier Wochen.

Der Arrest wird vom Gericht nach einer Straftat verhängt, wenn die Anordnung von Erziehungsauflagen, zum Beispiel die Unterbringung in einem Wohnheim, nicht mehr ausreicht und auf der anderen Seite eine Jugendstrafe (noch) nicht geboten ist. (bsc)

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