Göttinger Literaturherbst 2017

Lesung: Manuel Andrack erklärt Leid und Freude der Spezies Fußball-Fan

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„Lebenslänglich Fußball“: Manuel Andrack erzählt in seinem neuen Buch von schrägen Typen, die nicht von ihrer Leidenschaft lassen können. Auch Andrack selbst outet sich als leidensfähiger Fußball-Fan.

Göttingen. Vorlesen auf dem Kunstrasen-Fußballplatz: Dieses außergewöhnliche Erlebnis bot Manuel Andrack den Gästen des Göttinger Literaturherbstes am Mittwochabend.

Auf Court 2 der Weender Soccer-Arena saß Andrack auf einem Podest mitten in der „Box“, dem Strafraum, wo Regelverstöße streng mit einem Elfmeter geahndet werden. So viel vorweg: Die leistete sich der Autor bei der Lesung aus „Lebenslänglich Fußball“ nicht.

Manuel Andrack, einst kongenialer Mitarbeiter von Harald Schmidt in dessen TV-Show, ist mittlerweile zum kultigen Schreiber von Wanderbüchern geworden. Geblieben ist er Fußball-Fan, Anhänger des 1. FC Köln, also im Moment nicht zu beneiden, eher zu bemitleiden, was er sich gleich zu Beginn denn auch verbittet.

Kurzum: Er hat gelernt zu leiden, ist ein echter Fan. Und er hat sich natürlich die Frage aller Fan-Fragen gestellt: Warum tue ich mir das an? Es ist eine Frage ohne Antwort.

Schräge Typen

Den etwa 130 Zuhörern auf dem Fußballplatz aber liefert er Erklärungen dafür, ohne Schlussfolgerungen zu ziehen. Manuel Andrack schildert die Typen, die für die Kaste Fußball-Fan stehen: den schrägen Ted aus Soest, der seinen VW Jetta mit der Farbrolle schwarz-gelb anstreicht. Das Paar Mathias und Tina, in deren Ehe der Karlsruher SC und Eintracht Frankfurt dazwischenstehen oder auch nicht. Den dauerschimpfenden Rentner, der gefühlt auf jedem Dorfplatz sonntags zu finden ist. Arnulf und Marc, mit denen Manuel im heimischen Saarland im Homburger Stadion steht und über Fan-Sein und das Leben sinniert.

Andrack hat das fein beobachtet und schildert es während – natürlich – zweier Halbzeiten in der Soccer Arena. Er zeichnet ein Bild der Spezies Fußball-Fan mit vielen unterschiedlichen Individuen, zwischen blinder Liebe, Wahnsinn, Chauvinismus, Liebenswürdigkeit, Depression, Jubel, Bier, Bratwurst, VIP-Loge, Abstinenz und Abhängigkeit. Denn: Los kommen die Protagonisten vom Fußball und Fansein nicht wirklich. Sie bleiben abhängig – und letztlich in einer Welt der Normalos so auch Exoten.

Einem Fan ist das alles ohnehin klar. Zuhörer und Leser Andracks können es vielleicht danach ein wenig besser verstehen. Dennoch: Kopfschütteln und auch Lachen darüber ist erlaubt. Viele taten es. Ein unterhaltsamer Abend an einem für den Autor und das Thema prädestinierten Ort.

Vor der Lesung übrigens wurde gekickt: Das Team der VGH-Versicherungen gewannen den Literaturherbst-Cup vor Sartorius. Manuel Andrack kickte mit, im Literaturherbst-Team, das im Habfinale ausschied. Sein Kommentar: „Das hat Spaß gemacht, mehr war nicht drin.“

Neuerscheinung: Manuel Andrack, „Lebenslänglich Fußball – vom Wahnsinn, Fan zu sein“ (ISBN: 9783492305914), Piper, 256 S., 10 Euro.

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