Angeklagter entschuldigt sich bei Mutter des Missbrauchs-Opfers

Missbrauchsprozess: Arzt kaufte Mädchen Kleidung

Wegen Missbrauchs angeklagt: ein Arzt aus Göttingen. Foto: Rampfel

Göttingen. Im Missbrauchsprozess gegen einen früheren Arzt aus Göttingen hat am Donnerstag die Mutter des Mädchens ausgesagt. Die 52-jährige hatte 2012 die Polizei informiert, nachdem sie darauf gestoßen war, dass der Angeklagte offenbar wiederholt Geschlechtsverkehr mit ihrer 13-jährigen Tochter gehabt hatte.

Der 55-Jährige war einige Zeit später wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Nach Angaben der Mutter hatten sich die beiden im vergangenen Sommer kennen gelernt. Die Tochter habe sich viel um zwei Pferde in der Nachbarschaft gekümmert, der 55-Jährige sei dort häufiger mit dem Hund unterwegs gewesen.

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Ihre Tochter habe zu Hause von ihrer neuen Bekanntschaft und gemeinsamen Spaziergängen erzählt. Sie habe den Angeklagten dabei stets sehr überhöht dargestellt und seine Meinungen völlig kritiklos übernommen.

Neue Kleidung

Auch über andere Auffälligkeiten wunderte sich die Mutter. Die 13-Jährige verfügte plötzlich über Geldbeträge, die weit über ihrem Taschengeldsatz lagen. Einmal hatte sie einen 500-Euro-Schein in der Tasche, einmal kam sie von einem Ausflug nach Hannover mit einer Tüte voller neuer Markenklamotten zurück.

Sie habe ihre Tochter deshalb zur Rede gestellt. Diese habe sich aber geweigert, Auskunft über die Herkunft des Geldes zu geben. Als sie daraufhin den Angeklagten auf ihren Verdacht hin ansprach, stritt dieser ab, dem Kind Geld gegeben zu haben. Später habe sich jedoch herausgestellt, dass er ihr die Sachen gekauft hatte.

Aus dem Haus geschlichen

Wiederholt sei die 13-Jährige mitten in der Nacht aus dem Haus gegangen, obwohl die Eltern es ihr verboten hätten. So etwas habe sie aber auch schon früher gemacht, sie sei halt schon immer ein „wildes Kind“ gewesen, sagte die Zeugin.

Als sie ihre Tochter auf verschiedene Auffälligkeiten angesprochen habe, sei diese regelrecht explodiert. Nach einigen Monaten wurde ihr Gefühl, dass etwas nicht stimmte, zur Gewissheit.

Der Bruder der 13-Jährigen hatte in deren Tagebuch gelesen. Die Mutter war entsetzt über diesen Vertrauensbruch und wollte deshalb nichts über den Inhalt wissen. Als sie doch erfuhr, was darin stand, wandte sie sich an die Polizei.

Der Angeklagte, der am ersten Verhandlungstag die Taten pauschal eingeräumt hatte, sagte am Ende der Zeugenvernehmung zu der Mutter: „Ich möchte mich entschuldigen, dass ich Sie belogen hatte.“ (pid)

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