Adventsaktion

Passend zu Weihnachten: Professor aus Göttingen startet Hilfsaktion für Obdachlose

Prof. Timo Weishaupt erforscht, warum Menschen in Göttingen trotz des Hilfesystems obdachlos werden. Im Advent hat er eine Hilfsaktion für die Betroffenen gestartet.
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Prof. Timo Weishaupt erforscht, warum Menschen in Göttingen trotz des Hilfesystems obdachlos werden. Im Advent hat er eine Hilfsaktion für die Betroffenen gestartet.

Ein Professor der Universität Göttingen hat passend zu Weihnachten eine gute Idee: Er sammelt für Obdachlose in der Stadt.

Göttingen – Eine besondere Unterstützungsaktion für Obdachlose in Göttingen hatte der Göttinger Professor Timo Weishaupt im Advent gestartet. Er sammelte für Obdachlose in der Uni-Stadt.

Dazu hatte der Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Sozialpolitik Flyer verteilt, im Internet geworben und auch einen Aushang samt Spendenaufruf an seiner Bürotür aufgehängt. Die Resonanz war groß. Es kamen neue Zelte, Schlafsäcke, Isomatten, Handschuhe, Mützen, Herren- und Damenunterwäsche, selbst gebackene Plätzchen und Kisten voller Hygieneartikel zusammen. Außerdem erhielt er kleine Geschenke und Süßigkeiten für die Kinder.

Weihnachtsaktion in Göttingen: Resonanz war groß

Alles wird nun über die Straßensozialarbeit der Diakonie und den Verein Förderer-Wohnungslosenhilfe verteilt. „Ich bin ganz überwältigt von der Hilfsbereitschaft so vieler Nachbarn, Arbeitskolleginnen und -kollegen und sogar von Menschen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Aber so schön es auch ist, dass es so viele liebe Menschen gibt, die helfen wollen, so traurig ist auch, dass es in Göttingen so viele Menschen in Not gibt, denen wir im Winter Zelte schenken müssen“, sagt Weishaupt.

Gleichzeitig macht er deutlich, dass sich durch die Corona-Pandemie die ohnehin schwierige Lage der Betroffenen weiter verschärft wird. Göttinger Tagesstätten und Hilfseinrichtungen können nach seinen Angaben nur noch ein reduziertes Hilfsangebot bieten, wichtige Einkommensquellen wie Betteln oder Flaschensammeln sind laut Weishaupt stark eingeschränkt.

Schwierige Situation für Obdachlose: Aktion in Göttingen soll helfen

„Aufwärmen im öffentlichen Raum ist kaum mehr möglich und die soziale Isolation nimmt zu. Übernachten in der städtischen Notunterkunft ist für viele dieser Menschen keine Option – sie haben Angst vor Diebstahl, Gewalt, sexuellen Übergriffen in Mehrbettzimmern oder einer Covid-Infektion, die vor allem für Menschen mit ohnehin geschwächten Immunsystemen und chronischen Krankheiten eine lebensbedrohliche Gefahr darstellt“, macht der Professor deutlich.

Wie viele Personen in Göttingen ohne Obdach sind, weiß laut Weishaupt niemand so ganz genau, aber Schätzungen gehen nach seinen Angaben von mehr als 100 Personen aus. „Ich finde diese Situation ganz schlimm. Während wir im Warmen bei der Familie sitzen und uns abends gemütlich ins Bett legen, können Menschen ohne Bleibe nur von draußen durch unsere Fenster hineinblicken und müssen Tag für Tag, Nacht für Nacht ums Überleben kämpfen“, sagt Weishaupt.

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Warum Menschen in Göttingen trotz des Hilfesystems obdachlos werden und es auch zum Teil lange bleiben, das untersucht Weishaupt seit etwa einem Jahr in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Projekt mit zwei Doktoranden. Die Präsentation erster Ergebnisse wird im Frühjahr 2022 erwartet.

In diesem Jahr gab es in Bovenden und Göttingen zudem eine Hilfsaktion für die Hochwasseropfer in Deutschland. (Bernd Schlegel)

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