Den eigenen Geschichten lauschen

Göttinger Schüler nehmen an Schreibwerkstatt des Literarischen Zentrums teil

Die stolzen Jungautoren unter sich: Die Klasse 10G3 der KGS Moringen hat bei der Schreibwerkstatt „Die Weltenschreiber“ teilgenommen. In der Aula des Felix-Klein-Gymnasiums. Auf dem Foto posieren sie mit ihrem Paten Dalibor Markovic.
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Die stolzen Jungautoren unter sich: Die Klasse 10G3 der KGS Moringen hat bei der Schreibwerkstatt „Die Weltenschreiber“ teilgenommen. In der Aula des Felix-Klein-Gymnasiums. Auf dem Foto posieren sie mit ihrem Paten Dalibor Markovic.

Jede Silbe sorgsam intoniert von Schauspielern: Das war das Novum der dritten Ausgabe von „Die Weltenschreiber“, des Literaturvermittlungsprogramms des Literarischen Zentrums Göttingen.

Göttingen –Bei aller Seriosität gab es am Ende aber doch noch einen ausgiebigen Lacher in der Aula des Felix-Klein-Gymnasiums. Jens Tramsen vom Jungen Theater Göttingen hatte sich nach einem sonst makellosen Vortrag der Schülertexte beim Gendern („Leser*innen“) verhaspelt und und prompt einem anderen Wort das „Innen“ angehängt.

Die Abschlusslesung der Texte bei den diesjährigen Weltenschreibern am Mittwoch, 6. Oktober, zog die anwesenden Schüler mächtig in den Bann. Gespannte Stille und großzügiger Applaus wechselten sich ab.

Schließlich waren es die Gedichte und Kurzgeschichten der Mitschüler, die nun auf der Bühne und in einem Buch „gefeiert“ werden sollten, wie es Mitorganisatorin Marisa Rohrbeck vom Literararischen Zentrum ausdrückte.

Und dieses Jahr habe es in sich gehabt, hielt ihre Kollegin Gesa Husemann fest. Wie gehe ich mit der Corona-Krise um? Wie reagieren andere Menschen darauf? Wie gelingt es, wach und offen für Neues zu bleiben? Das waren nur einige der Fragen, die die Schüler während des vergangenen Schuljahrs, das stark von Distanzunterricht geprägt war, beschäftigten.

Die Texte konnten dank Jens Tramsen und seiner Schauspielkollegen Marie Seiser und Andreas Jeßing ihre volle Wirkung entfalten. Dazu hatten die drei sogar extra geprobt. Anders ließ sich der teils abgestimmte Sprechgesang nicht erklären.

Die Schulklassen arbeiteten im Deutschunterricht mit aufstrebenden Autoren als Paten zusammen. Marina Schwabe betreute die Klasse 11K2 am Felix-Klein-Gymnasium. „Es ist mir leichtgefallen, Begeisterung zu wecken und vorhandene zu verstärken“, berichtet sie über ihre Zeit mit der Klasse.

Als Thema wählten die Schüler „Die paradiesische Stadt“. Dass das heutige Leben durchaus noch paradiesisch erscheint, wurde beispielsweise an der Kurzgeschichte „Wie man eine Achterbahnfahrt überlebt“ von Luise Apel deutlich. Darin ist der Planet Erde nur noch als wissenschaftliches Labor zu gebrauchen – und auf dem Ausweichplaneten Mars lauert schon die nächste Gefahr.

An der KGS Moringen betreute Autor Dalibor Markovic die Klasse 10G3. Selbst der distanzgeprägten Zeit konnte Markovic etwas abgewinnen: „Bei unseren Zoom-Meetings war die Aufmerksamkeit der Schüler immer sehr gut, weil nur einer gesprochen hat.“ Dennoch sei es wichtig, sich vor Ort zu treffen. Das habe letztlich auch nach einem Jahr funktioniert.

Matti Millnitz und Niclas Stoschek lieferten mit „Zusammen kicken“ den Text, den die Schauspieler am energischsten interpretierten. Darin machte sich die Wut der Jugendlichen breit, deren Belange in der Corona-Zeit augescheinlich nicht viel zählen. Dabei wollen die Jungs doch nur mal wieder zusammen kicken – auf dem Platz und nicht am Bildschirm.

Lena Gorelik, die an diesem Vormittag verhindert war und sich daher per Videobotschaft an die Schüler wandte, betreute die Klasse 9S2 am Hainberg-Gymnasium. Auf Postkarten verarbeitete sie die Corona-Zeit und ihre Arbeit mit den Schülern.

Während viele Beiträge der Fantasie der jungen Leute entsprangen, erinnerte ein anonym eingereichter autobiografisch angehauchter Text („Traumata“) an die schmerzhaften Wunden der Pubertät.

Das Buch zu „Die Weltenschreiber in Göttingen. Schreibwerkstätten 2020/21.“ ist auf Anfrage beim Literarischen Zentrum Göttingen erhältlich. (Paul Bröker)

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