Inhaftierte Menschenrechtler

Göttinger Studenten fordern Türkei auf: Lass sie alle frei

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Prominentester der Inhaftierten: Die Studenten (von links) Niklas Junge und Tobias Gerz fordern auch die Freilassung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel.

Göttingen. Mit einer Protestaktion haben mehr als 100 Göttinger Studenten die Freilassung von in der Türkei inhaftierten Menschenrechtlern und Journalisten gefordert. 

An diesem Wochenende jährt sich der Putschversuch in der Türkei. Mit der Protestaktion wiesen die Studenten am Donnerstag auf die Welle von Festnahmen hin, die auf den misslungenen Staatsstreich folgte.

Ihre Forderung: „Türkei, lass sie alle frei“. Auf dem Platz der Göttinger Sieben war das auf den Pflastersteinen nachzulesen. „Turkey: free them all“ stand dort mit Kreide auf dem Boden. 

Tom Seibold

„Wir wollen über die öffentliche Wahrnehmung politischen Druck erzeugen“, sagte Tom Seibold, der die Protestaktion mit der 46 Mitglieder starken Göttinger Amnesty International-Hochschulgruppe organisiert hat. „Das Ziel muss sein, dass die zu Unrecht Inhaftierten freikommen.“

Protest für das Netz

120 Journalisten und Menschenrechtler – darunter auch führende Amnesty-Vertreter wie Idil Eser, Direktorin der Organisation in der Türkei – seien unter fadenscheinigen Gründen inhaftiert worden, sagte Seibold. Das wolle man nicht hinnehmen, derzeit fänden überall in Deutschland ähnliche Proteste wie in Göttingen statt.

Und das bedeutet: Vor Ort bleibt es sehr ruhig. Trillerpfeifen und Sprechchöre gab es nicht. Was zählt ist ein Bild, das um die Welt gehen kann. Über dem Göttinger Campus schwebte daher am Donnerstag eine Drohne, die Fotos der Protestaktion aus der Luft schoss. Über die sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter wird der Protest ins Internet getragen und dort verbreitet. „Eine bundesweite Aktion ist bereits in Planung“, sagte Tom Seibold.

"Die Türkei hat sich verändert"

Psychologiestudent Cornelius Haritz hatte sich der Protestaktion spontan angeschlossen. Er hat eine direkte Verbindung in die Türkei: Vor drei Jahren war er im Zuge eines Erasmus-Austauschs für neun Monate in Istanbul. „Das Land hat sich verändert“, sagte der 24-Jährige. Er hält noch Kontakt zu Freunden in der Türkei – kritische Stimmen seien dort nicht mehr so geduldet wie vor einigen Jahren. 

Spontane Teilnehmer: Cornelius Haritz (links) und Fabian Held waren eigentlich auf dem Weg in die Bibliothek.

„Es ist ein Thema, das uns auf die Straßen bringt und auch bringen sollte“, sagte sein Kommilitone Fabian Held. Ähnlich sieht es Organisator Tom Seibold: „So lange Menschenrechte nicht global gedacht werden, gelten sie nirgends.“

Kein Erdogan

Auffällig: Während der Protestaktion wurde nicht persönlich gegen den türkischen Staatspräsidenten geschossen. Der Name Recep Tayyip Erdogan ist in der Regel fest mit der Diskussion um die inhaftierten Oppositionellen, Journalisten und Menschenrechtler in der Türkei verbunden.

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