Göttinger Studie: Berliner Senat soll Pädophilenprojekt finanziert haben

Das Göttinger Institut für Demokratieforschung: Hier wird die Studie erarbeitet. Foto: Kopietz

Göttingen/Berlin. Mitarbeiter der Berliner Senatsjugendverwaltung sollen einem Medienbericht zufolge in den 1970er Jahren wissentlich verurteilte Pädophile als Pflegeväter von Straßenjungen eingesetzt haben. Das geht aus einer Göttinger Studie hervor.

Der „Spiegel“ berichtet in seiner neuen Ausgabe vorab mit Verweis auf die laufende Studie Göttinger Wissenschaftler. Darin würden die Verstrickungen des Senats zu Pädophilieaktivisten untersucht.

Unter anderem soll damals ein namentlich bekannter Wissenschaftler, der beim Pädagogischen Zentrum Berlin angestellt war, Mitarbeiter der Jugendverwaltung davon überzeugt haben, die Jugendlichen in die Obhut von Pädophilen zu geben. Im Gegenzug hätten die Männer sexuelle Handlungen erwartet, heißt es in dem Bericht. Die Jugendlichen waren laut Studie zwischen 13 und 17 Jahre alt.

Leitet die Studie: Teresa Nentwig vom Göttinger Institut für Demokratieforschung.

Zudem fanden die Göttinger Forscher dem Nachrichtenmagazin zufolge eine Verbindung zur reformpädagogisch orientierten Odenwaldschule, in der es in den 1970er und 1980er zu regelmäßigem Missbrauch von Schülern gekommen sein soll. Der Berliner Senat schickte damals Jungen an das Internat, heißt es im „Spiegel“. Die Göttinger Wissenschaftler forderten den Senat auf, erforschen zu lassen, ob die von ihm entsandten Jungen dort Opfer sexuellen Missbrauchs wurden.

Bislang zeigten sich die Wissenschaftler dem Bericht zufolge aber enttäuscht von dem Aufklärungswillen der Berliner Behörden: „Wir hätten uns mehr Engagement bei der Aufklärung gewünscht“, sagte Teresa Nentwig, die Leiterin der Studie.

Unterlagen zu dem Projekt des Pädagogischen Zentrums Berlin seien nur auf Nachfrage zur Verfügung gestellt worden. Viele der Akten im Landesarchiv seien noch nicht erschlossen. Der Antrag, die Schutzfrist einer wichtigen Akte zu verkürzen, sei abgelehnt worden, heißt es weiter in dem Bericht. (epd)

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