Göttinger Wissenschafter forschen am Wundermittel Plasma

Nimmt die Plasmatechnologie genau unter die Lupe: Der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Was es mit der Apparatur auf sich hat, verrät HAWK Vize-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Viöl. Foto: Voß

Göttingen. Ganz gleich ob als Wundermittel gegen Kopfläuse, Antrieb für Motoren oder als Alternative in der Wundbehandlung - die Zukunft setzt auf Plasma.

Wie vielseitig einsetzbar diese Technologie schon ist, darüber informierte sich am Dienstag der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) beim Göttinger Anwendungszentrum für Plasma und Photonik des Fraunhofer-Instituts für Schicht und Oberflächentechnik IST.

Gemeinsam mit der Präsidentin der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (Hawk), Prof. Dr. Christiane Dienel, und dem Leiter des Fraunhofer Instituts für Schicht und Oberflächentechnik (IST), Prof. Dr. Günter Bräuer, stellte ihm Prof. apl. Prof. Dr. Wolfgang Viöl, Vizepräsident für Forschung und Transfer, das Projekt „Plasma for Live“ vor.

Seit 2012 betreiben die Hawk und das IST gemeinsame Plasmaforschungen am Anwendungszentrum. Insbesondere die medizinische Einsetzbarkeit der Technologie steht hierbei im Mittelpunkt. So eigne sich Plasma auf Grund seiner desinfizierenden Wirkung besonders bei der Behandlung von Wunden, die mit multiresistenten Keimen (MRSA) befallen seien, betonte Wolfgang Viöl. „Die Plasmabehandlung kann hier für viele Patienten die rettende Alternative zu Amputationen sein“, war er überzeugt. International gebe es mehrere Zentren, die an dieser Behandlungsmethode forschten, auf dem Grad der industriellen Reife liege Göttingen aber weit vorn.

Dass eine solche Behandlung nicht schmerzhaft sein muss, davon überzeugte sich der Niedersächsiche Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in einem Selbstversuch. Unter Anleitung von Viöl ließ er seine Handoberfläche mittels Plasma reinigen. Während dieser Prozedur flossen 15 000 Volt über seine Hautoberfläche.

„Ich hätte nie gedacht, dass diese 15 000 Volt so angenehm sein können“, lachte er während er lediglich ein leichtes Kribbeln verspürte, „230 Volt sind für die Haut sonst nicht gerade bekömmlich.“

Den Forschungen des Anwendungszentrums prognostizierte Weil denn auch künftig hochinteressante Ergebnisse. „Gerade weil die Technologie sich nicht nur auf einen Bereich bezieht, sondern ebenso in der Automobiltechnik wie auch der Medizin einsetzbar ist, ist es ein spannendes Feld“, lobte er.

Besonders die Zusammenarbeit von IST mit der Fachhochschule Hawk ist laut Weil förderlich. Denn Fachhochschulen seien dafür bekannt, anwendungsorientiert zu forschen, um ihre Ergebnisse zügig in Wirtschaftsunternehmen übertragen zu können.

Bald auf dem Markt

Auch in Göttingen soll die medizinische Plasmatechnologie bald auf den Markt kommen. Laut Viöl steht das Anwendungszentrum mit einer Duderstädter Firma in Kontakt.

Plasma ist der sogenannte vierte Aggregatzustand, in den sich Stoffe neben einer festen, flüssigen und gasförmigen Form versetzen lassen. Erzeugt wird dieser Zustand mittels elektrischer Energie.

Für den Einsatz am Menschen haben die Forscher eine Methode entwickelt, bei der sie mittels einer hohen Stromspannung (etwa 15 000 Volt) Plasma auf der Hautoberfläche erzeugen können. Anders als beim Betrieb eines Föns (230 Volt) ist der Anteil der Stromstärke bei dieser Technologie deutlich geringer. Für den menschlichen Körper ist eine Plasmabehandlung daher weitgehend ungefährlich und schmerzlos. Auch entsteht nur eine geringe Wärmeentwicklung auf der behandelten Hautpartie.

Eingesetzt wird die Plasmatechnologie zur Behandlungen von schlecht verheilenden Wunden, bei Neurodermitis, Schuppenflechte oder als Läusekamm. Im Vergleich zu herkömmlichen medizinischen Therapien betragen die Kosten einer Plasmabehandlung durchschnittlich nur rund ein Zehntel.

Aufgrund seiner reinigenden Wirkung ist ein Einsatz von Plasma zudem in Staubsaugern oder Händetrocknern denkbar. (clv)

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