Interview mit Frank-Walter Eisenacher zur Warnung der Weltgesundheitsorganisation

Göttinger Wursthersteller setzt auf Bio-Ware

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Chef des Wurst-Produzenten Börner-Eisenacher: Frank-Walter Eisenacher

Göttingen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vor möglichen Krebsrisiken beim Verzehr von verarbeiteten Fleischerzeugnissen gewarnt. Wir sprachen dazu mit Frank-Walter Eisenacher, Chef des Göttinger Wurstproduzenten Börner-Eisenacher.

Müssen Sie jetzt die Wurstproduktion einstellen? 

Frank-Walter Eisenacher: Wenn man hinterfragt, wie diese Feststellung der WHO zustande gekommen ist, ergibt sich eine sehr geringe Aussagefähigkeit. Der frühere Vorstandsvorsitzende des deutschen Krebsforschungszentrums Harald zur Hausen macht darauf aufmerksam, dass es Länder mit hohem Fleischkonsum und mit sehr geringen Darmkrebserkrankungsquoten gibt und sieht absolut keine Kausalität.

Welche Würste sind am gefährlichsten - Stracke oder Bregenwurst? 

Eisenacher: Stracke und Bregenwurst sind traditionelle Wurstspezialitäten aus der Region. Sie werden aus bestem, frischen Fleisch hergestellt. Fleisch ist ernährungsphysiologisch wertvoll. Von daher gerade jetzt in der kälteren Jahreszeit sehr genussvoll und gesund.

Wieviel Wurst verzehren Sie pro Woche? Werden Sie Ihren Konsum einschränken? 

Eisenacher: Ich bin jetzt 60 Jahre alt und habe schon immer viel Fleisch und Wurst gegessen. Ich treibe viel Sport und werde nichts ändern, weil Genuss für mich Lebensqualität bedeutet. Eine ausgewogene, vielseitige Ernährung auch mit Fleisch und Wurst ist bei ausreichender Bewegung die beste Voraussetzung für ein hohes Alter.

Befürchten Sie einen Umsatzrückgang bei Produkten aus Ihrem Haus? 

Eisenacher: Ich hoffe, dass der Verbraucher auf diese pauschale WHO-Info gelassen reagiert, weil wir diese Diskussion schon häufiger hatten. Wieso steigt eigentlich ständig unsere Lebenserwartung, wenn wir uns angeblich so risikoreich ernähren?

Werden Sie Alternativprodukte ohne Fleisch auf den Markt bringen oder planen sie dies? 

Eisenacher: Wir haben vegetarische Wurstersatz-Produkte entwickelt. Trotz aller Bemühungen stellen wir ein großes geschmackliches Defizit zu fleischhaltigen Produkten fest. Außerdem gefallen uns die sehr langen Zutatenlisten nicht.

Was ist Ihre Zukunftsantwort? 

Eisenacher: Unsere Zukunftsantwort ist Bio-Wurst. Wir werden dort unser Sortiment weiter bis auf 50 Prozent Umsatzanteil ausbauen. Dort stimmt vor allem die Tierhaltung und Fütterung. Wer einmal gesehen hat, wie viel Platz die Tiere haben, wie gut es dort im Stall riecht und wie wohl sich die Tiere in Bio-Haltung fühlen, der versteht, was ich meine.

Zur Person

Frank-Walter Eisenacher (60) ist Geschäftsführender Gesellschafter der Börner-Eisenacher GmbH. Das Göttinger Unternehmen, das Wurstspezialitäten hergestellt, hat 130 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von jährlich etwa 35 Millionen Euro.

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