Abriss von Kasernen

Pläne für Goslars neue Kaiserpfalz: Umstrittenes Projekt soll historischen Kern aufwerten

+
Nach dem Abriss der einstigen BGS-Kasernen sollen auf dem Gelände unterhalb der Kaiserpfalz ein Hotelkomplex und eine Multifunktionshalle entstehen. Zu dem Gebäudeensemble gehört außerdem eine Tiefgarage. Die Parkplätze auf dem Domplatz fallen weg.

Das neue „Kaiserpfalzquartier“ soll den historischen Kern von Goslar aufwerten. Die Pläne für das umstrittene Projekt liegen aus. Ab Mittwoch blickt zudem die Öffentlichkeit wieder nach Goslar, dort beginnt der Verkehrsgerichtstag.

Rund 200 Jahre lang war Goslar die „erste Adresse“ für deutsche Könige und Kaiser: 1009 fand in dem Residenzort am Fuße des Harzer Rammelsberges die erste Reichsversammlung statt, bis 1253 wurde dort an Reichs- und Hoftagen deutsche und europäische Geschichte geschrieben. Von dieser bedeutsamen Vergangenheit zeugt heute vor allem die Kaiserpfalz.

Unesco-Welterbe

Seit 1992 gehört der Pfalzbezirk mit der Altstadt und dem früheren Bergwerk Rammelsberg zum Weltkulturerbe der Unesco. Das Kaiserhaus, einst der größte Profanbau in Deutschland, ist denn auch eine der touristischen Hauptattraktionen in Goslar. Weniger attraktiv ist allerdings das Drumherum, und dieses Manko will die Stadt nun mit einem Großprojekt beheben: Ein neues Quartier soll das Areal um die Kaiserpfalz aufwerten. Zum neuen „Kaiserpfalzquartier“ gehören unter anderem ein Hotel, eine Tiefgarage und eine Multifunktionshalle. Außerdem soll der als Parkplatz genutzte Domplatz in einen Stiftsgarten umgewandelt werden.

Bislang stoßen Besucher der Kaiserpfalz auf eine große Diskrepanz. Das lang gestreckte Kaiserhaus, das unter dem Salierkönig Heinrich III. errichtet wurde, ist ein beeindruckendes Bauwerk aus der Zeit der Romanik. Schwenkt man den Blick im Uhrzeigersinn weiter, wird es jedoch trist: Unterhalb der Pfalzwiese, wo einst der Goslarer Dom stand, parken Autos und Reisebusse, weiter rechts stehen hässliche Waschbetonbauten und einstige Kasernen des Bundesgrenzschutzes – all das passt so gar nicht zu den Weltkulturerbestätten.

Wo heute Autos und Reisebusse parken, stand jahrhundertelang der Goslarer Dom. Der Kirchenbau wurde im 19. Jahrhundert abgerissen. Nur die Vorhalle des Nordportals (rechts) steht noch. Im Hintergrund ist die Kaiserpfalz zu sehen.

1998 hat der BGS den Standort auf dem einstigen Pfalzgelände in Goslar aufgegeben. Die Stadt hatte danach das historisch wertvolle Areal vom Bund erworben. Lange Zeit habe man jedoch keine rechte Idee gehabt, wie das Areal künftig genutzt werden sollte, sagt Oberbürgermeister Oliver Junk. Kurzzeitig gab es Pläne für ein Shoppingcenter, die man verwarf. 2014 kam der entscheidende Anstoß: Die Stadt unterzeichnete eine Entwicklungsvereinbarung mit der ortsansässigen TesCom GmbH & Co. KG, die zur Unternehmensgruppe des Ehrenbürgers Hans-Joachim Tessner gehört und als Investor auftritt.

In den Folgejahren wurde dann in einem mehrstufigen Beratungs- und Entscheidungsprozess, an dem sich neben Rat und Politik auch Bürger beteiligen konnten, über ein städtebauliches Gutachten und dessen konkrete Umsetzung diskutiert.

Entwürfe im Museum

Der jetzt vorliegende Entwurf ist umstritten, manchen ist er zu abstrakt. Vertreter des Geschichtsvereins Goslar und anderer Gruppierungen kritisierten in einem offenen Brief, dass die Lage und Ausdehnung der einstigen dreischiffigen Basilika nicht hinreichend visualisiert werde. Jetzt wurde im Goslarer Museum die Ausstellung „Stiftsgarten im Kaiserpfalzquartier“ eröffnet. Bis zum 15. März sind dort die Entwürfe des Freiraumwettbewerbs zu sehen. Das Goslarer Museum, Königsstraße 1, ist täglich außer montags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. 

Von Heidi Niemann (pid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.