Test geplant

Verkehrsgerichtstag debattiert den Einsatz einer Alkohol-Fahrsperre

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Erst pusten, dann vielleicht starten: Alkolock-Gerät im Einsatz

Können Alkohol-Wegfahrsperren für Promillesünder die Verkehrssicherheit erhöhen? Das soll der Deutsche Verkehrsgerichtstag diskutieren, der Mittwoch in Goslar beginnt.

Politiker bringen die Sperre seit Jahren immer mal wieder ins Gespräch. SPD und Union im Bund haben im Koalitionsvertrag vereinbart, eine gesetzliche Regelung für den Einsatz von Alkolocks zu schaffen. Ein Modellversuch ist nach Angaben von Gerichtstags-Teilnehmern in Planung.

Unfälle, bei denen Promille im Spiel waren, gehen nach Angaben des Deutschen Verkehrsicherheitsrats (DVR) seit Jahren zahlenmäßig stetig zurück. 2017 wurden aber bei immerhin noch knapp 3000 Beteiligten Alkoholwerte zwischen 1,1 und 1,6 Promille gemessen.

Die Geräte, die eine Atemalkohol-Messung mit einer Wegfahrsperre kombinieren, kommen aus Skandinavien: Volvo bot sie schon 2011 ab Werk für damals 1000 Euro an. Das Prinzip: Reinpusten und losfahren, wenn alles gut ist. Oder stehen bleiben, weil die Zündung nicht funktioniert, wenn zu viel Alkohol im Spiel ist.

Derzeit müssen Alkoholsünder, die mit mehr als 1,6 Promille erwischt werden, zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU), bevor sie ihre Fahrerlaubnis zurückerhalten. Fahrer, die mit 1,1 bis 1,6 Promille auffallen, bekommen den Führerschein hingegen in der Regel nach einer Sperre zurück.

Der Verkehrsgerichtstag in Goslar debattiert mit Blick auf geplante Gesetzesänderungen und einen deutschen Pilotversuch, wer aus juristischer Sicht an einem psychologisch begleiteten Alkolock-Programm teilnehmen sollte. Ob so ein Programm den Entzug der Fahrerlaubnis ersetzen oder verkürzen und zur vorläufigen Einstellung des Strafverfahrens führen kann, ist unter den Experten ebenfalls Thema.

Sehr weitgehende Forderungen zur technischen Ausstattung von Autos mit Alkotestern hat unterdessen die Unfallforschung der Versicherer (UDV) auf den Tisch gelegt. Sie plädiert für eine EU-Richtlinie, wonach alle neuen Kraftfahrzeuge mit Alkolocks auszurüsten sein sollen. „Europaweit könnten die Geräte dann so eingestellt werden, dass ab 0,5 Promille das Starten des Fahrzeugs nicht mehr möglich ist“, sagt UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Weitere Folge: Ein Fahrer, der ohne ein solches Gerät unterwegs wäre, verstieße dann gegen das Gesetz.

Wer sich privat eine Wegfahrsperre einbauen lässt, die als Zubehör zu haben ist, muss laut Verkehrssicherheitsrat mehrere tausend Euro auf den Tisch legen. In Skandinavien können Alkolock-Systeme auch gemietet werden. Das wäre, hofft man beim DVR, auch für Deutschland eine Option. 

Sicher ist sicher

Wie lässt sich eigentlich verhindern, dass ein angetrunkener Autofahrer einfach einen nüchternen Beifahrer in sein Alkolock-Gerät pusten lässt und die Wegfahrsperre so austrickst? 

"Warum sollte ein nüchterner Beifahrer ins Testgerät blasen, statt sich lieber gleich selbst hinters Steuer zu setzen?“, heißt es auf einschlägigen Ratgeberseiten. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) verweist zudem auf technische Sicherungen: In den USA und Australien seien Systeme im Einsatz, die die Personen beim Pusten fotografieren. 

Der DVR weiß auch von „Kontrollmechanismen während der Fahrt“. Er hält zudem die Wahrscheinlichkeit für Tricksereien für gering. Begleitete Programme mit psychologischer Hilfe, wie sie für Promille-Sünder geplant seien, setzten Anreize, sauber zu bleiben: „Wer mitmacht, möchte sein Verhalten ändern.“ 

(mit dpa)

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