Kirche St. Cyriakus

Gotischer Flügelaltar in Duderstadt älter als gedacht

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Der spätgotische Flügelaltar in der Duderstädter Kirche St. Cyriakus wurde von zwei namentlich nicht bekannten Schnitzern zwischen 1475 und 1490 gefertigt.

Der über 500 Jahre alte Flügelaltar der Kirche St. Cyriakus in Duderstadt wird bald wieder die Blicke der Gläubigen im „Eichsfelder Dom“ in Duderstadt auf sich ziehen.

Zurzeit wird er noch von dem Hildesheimer Restaurator Thomas Kräckel-Hansum einer umfassenden „Frischzellenkur“ unterzogen. Der genaue Termin der Wiederaufstellung im Chor der Kirche steht noch nicht fest.

Die Pracht des weit über das Eichsfeld hinaus bedeutenden Kunstwerks ist aber jetzt schon wieder zu sehen. Der Restaurator arbeitet an dem geschnitzten Kunstwerk in seinem gläsernen Atelier am Hauptportal des Kirchenbauwerks, dessen Ursprünge auf die Jahre 1240/50 zurückgehen. Passend zur Altarrestaurierung und der 2016 erfolgten Innenrenovierung von St. Cyriakus ist jetzt ein frisch recherchierter Band der Duderstädter Kunsthistorikerin Sandra Kästner über die katholische Pfarrkirche erschienen. In ihm stellt sie nach detektivischer Kleinarbeit fest, dass der Altar mit seinen überaus detailreich gefertigten Motiven zwischen 20 und 30 Jahre älter ist als bisher angenommen.

Nach Erkenntnissen von Sandra Kästner ist der spätgotische Flügelaltar von zwei namentlichen nicht bekannten Schnitzern in der Spanne zwischen 1475 und 1490 gefertigt worden, möglicherweise war es das Jahr 1481. „Darauf deutet die bisher offenbar vielen Augen verborgen gebliebene Jahreszahl 1481 hin, die an der Altarplatte eingemeißelt ist.“

Das Kunstwerk zeigt in „13 polychrom gefassten und teil vergoldeten Holzreliefs das Leben und Leiden Jesu Christ. Eingefasst von Rahmen, kleinen Säulen und filigran durchbrochenen Schleierwerk stehen die Schnitzarbeiten vor goldpunziertem Hintergrund“, schreibt die Kunsthistorikerin. Hauptszene ist die Kreuzigung.

Der gotische Altar wurde allerdings nur bis Mitte des 17. Jahrhunderts genutzt. 1684/85 wurde er durch einen den gesamten Chorraum ausfüllenden Barockaltar von Johann Andreas Gröber (1643/44 bis 1709) ersetzt, schreibt Sandra Kästner weiter. Dieser wurde 1877 wiederum durch den bis dahin aufbewahrten gotischen Flügelaltar in ergänzter Form ersetzt. Er kehrte also an seinen ursprünglichen Platz zurück.

Bei der jetzt erfolgten Restaurierung wurde die sogenannte farbige Malschicht (Fassung), die zahlreiche Aufwölbungen und Risse aufwies, überarbeitet. Außerdem beseitigte Thomas Kräckel-Hansum starke Verschmutzungen und Verrußungen.

Für die Reinigung, Konservierung und Restaurierung waren rund drei Monate veranschlagt. Die Höhe der Kosten bezifferte Dr. Monika Tontsch, Konservatorin am Bischöflichen Generalvikariat Hildesheim, auf etwas über 20.000 Euro.

Das Projekt wird durch die Fundraising-Aktion des Kirchorts St. Cyriakus Duderstadt und das Bistum Hildesheim finanziert. Eine besondere Führung zum Thema Altar und den Restaurierungsarbeiten wird von Sandra Kästner angeboten, wenn es die Corona-Krise wieder erlaubt.

VON HANS-PETER NIESEN

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