Grenzland-Museum und Lager Friedland: Mit Busch zum Bürgerfest

Uniformen für Jugendliche und Kinder im Grenzmuseum: Der pädagogischen Leiter Ben Thustek zeigt Kleidung für Junge Pioniere und für die Freie Deutsche Jugend. Foto: Keller

Teistungen/Friedland. Zwei wichtige Einrichtungen aus der Region präsentieren sich zum 25. Tag der Einheit an diesem Wochenende am Mainufer in Frankfurt: das Grenzlandmuseum Teistungen und das Grenzdurchgangslager Friedland. Mit auf der Ländermeile dabei sind weitere Museen des Landes Niedersachsen.

Der Zeichner, Maler und Dichter Wilhelm Busch, der mit Max und Moritz berühmt wurde, wird bei der zentralen Veranstaltung zum Tag der deutschen Einheit in Frankfurt zu Ehren kommen: Er gab den Machern des Beitrags des Landes Niedersachsen mit seinen Zeichnungen Anstöße.

Vertreten sind im Wesentlichen das Grenzlandmuseum Teistungen, das Grenzdurchgangslager Friedland und das Wilhelm-Busch-Museum Hannover. Zeichnungen des Humoristen, der einige Jahre in Ebergötzen verbrachte, werden auf 20 Großbildern Themen der deutschen Einheit gegenüber gestellt. „Grenzerfahrungen“ heißt das Thema, das so humorvoll aufgearbeitet werden soll. Aspekte sind der Aufbruch in den Sozialismus, das Hoffen auf demokratische Reformen und Einigkeit und Recht und Freiheit. Dargestellt wird aber auch die gesprengte Brücke über die Elbe bei Dömitz, die in den 90er Jahren rekonstruiert wurde. Sie ist und war ein Fanal für die Abriegelung der östlichen Nachbarn von Niedersachsen.

Dass das Grenzlandmuseum streng genommen auf Thüringer Boden steht, ficht den Organisator des Beitrages, den pädagogischen Leiter Ben Thustek (46), nicht an: „Wir verstehen uns als grenzübergreifende Einrichtungen.“

Moderne Darstellung 

Bewusst entschied man sich deshalb vor 25 Jahren bei der Museumsgründung für den Begriff Grenzland. Nach ersten Vortragsveranstaltungen gibt es im Jubiläumsprogramm einen ersten Höhepunkt: Nach fünf Jahren wurde die Dauerausstellung erneuert. Dabei setzt man noch stärker auf moderne Darstellungstechnik und elektronische Medien, um die Geschichte der Teilung, das Leben in der DDR und den Fall der Grenze darzustellen. 50 000 Besucher jährlich, über eine Million in den zurückliegenden 25 Jahren, darauf sind die Vorsitzenden der Stiftung, die Bürgermeister Horst Dornieden (Teistungen) und Wolfgang Nolte (Duderstadt), stolz. Zur Bilanz gehören 600 Führungen im Jahr und 150 Seminare und Vorträge in der angeschlossenen Bildungsstätte. Pluspunkt ist die Zweisprachigkeit (deutsch-englisch) auf allen Legenden und in allen Materialien.

Mancher wollte die Grenzübergangsstelle 1990 „schleifen“, also abreißen. Mit der Museumsidee folgte man einem Vorschlag des Niedersächsischen Museumsverbandes. Dabei, so Thustek, musste zunächst geklärt werden, wer der Eigentümer ist, im Zweifelsfall die Bundesrepublik, der die DDR 1990 beigetreten ist. Das Museum ist formal Pächter bei der Verwaltungsgemeinschaft Lindenberg als Rechtsträger.

Friedland hilft Grenzen überwinden 

Das Grenzdurchgangslager Friedland hat seit seinem Bestehen dazu beigetragen, dass Menschen Grenzen überwinden konnten. Das ist auch heute im Zeichen der Flüchtlingsströme aus vielen Ländern der Erde so.

Friedland war nach dem zweiten Weltkrieg erste Station für Hunderttausende von Kriegsgefangenen aus Russland. Seit seinem Bestehen war das Lager Zufluchtsort für vier Millionen Menschen.

„Grenzen überwinden“ heißt denn auch der Beitrag der Einrichtung auf der Ländermeile beim Tag der deutschen Einheit von Freitag bis Sonntag in Frankfurt. Das Museum Friedland existiert weitgehend erst auf dem Papier, es soll voraussichtlich im Frühjahr 2016 eingeweiht werden. Ein Konzept unter dem Motto Abschied, Ankunft und Neubeginn wurde Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) vor fast genau einem Jahr bei seinem Besuch in Friedland präsentiert. Das Projekt soll in drei Bauabschnitten realisiert werden und erfordert einen Finanzbedarf von 20 Millionen Euro. Kernstück soll eine Dauerausstellung im historischen Bahnhofsgebäude in Friedland, das 1890 erbaut wurde, sein. (wke)

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