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Große Wallfahrt im Eichsfeld: Bischof spricht Probleme der Kirche an

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Von: Michael Caspar

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Mann stellt eine Figur bei der Wallfahrt auf.
Die Germershäuser Madonna wurde der Legende nach unter wundersamen Umständen aufgefunden: Alfons Knöchelmann beim Aufstellen der Figur am Freialtar. © Michael Caspar

Weihbischof Schwerdtfeger spricht bei der Großen Wallfahrt in Germershausen (Landkreis Göttingen) Probleme der Kirche an.

Germershausen – Auf die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche, das Verhalten der Bischöfe und die Austritte von Menschen „aus der Mitte der Gemeinden“ ist der Hildesheimer Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger bei der Großen Wallfahrt des Eichsfeldorts Germershausen eingegangen.

Die katholische Kirche steckt in einer Krise. Im vergangenen Jahr habe es in einer einzigen Eichsfeld-Pfarrei 120 Austritte gegeben, berichtete Schwerdtfeger, der in diesem Jahr die sechs Gemeinden im Untereichsfeld im Zuge einer sogenannten Visitation aufsucht.

Das katholische Eichsfeld verliere seine Prägung, sagten ihm Gläubige. Der Bischof warb deshalb dafür, nicht aus Frustration den „Rückzug ins Private“ anzutreten, sondern „auf dem Weg“ zu bleiben.

Nikolaus Schwerdtfeger Hildesheimer Weihbischof
Nikolaus Schwerdtfeger, Hildesheimer Weihbischof © Julian Stratenschulte

Dazu müsse sich die Kirche erneuern, fand die Nesselröder Pilgerin Anneliese Frölich am Rande der Wallfahrt. Die Missbrauchsfälle seien „nur eines von vielen Problemen“. Sie vermisse in Rom junge Amtsträger, die „alte Zöpfe“ abschnitten. Frölich wurde von ihrem 21-jährigen Enkel begleitet, der aktiver Ministrant ist.

„Glauben geht!“ lautete das Motto der Wallfahrt. Es ist auch das Motto des Godehardjahrs, mit dem die Kirche 2022/23 an den heiligen Godehard erinnert. Der Mönch hat sich vor einem Jahrtausend auf den Weg nach Göttingen gemacht, so Schwerdtfeger.

Auf der Pfalz Grona wurde der damals 62-Jährige zum Bischof geweiht. Das Amt trat er in Hildesheim an. So wie Godehard sollten Eichsfelder aufbrechen. Sie könnten in Nachbarorten kirchliche Angebote finden, die es in ihrem eigenen Dorf nicht mehr gebe. Als ausgewiesene Pilger seien sie darauf „wunderbar“ vorbereitet.

Schwerdtfeger predigte am Freialtar hinter der Germershäuser Wallfahrtskirche. Mehr als 1500 Menschen hatten sich versammelt, drei Mal so viele wie im Vorjahr, als noch strenge Coronaauflagen galten. 2020 war die Wallfahrt ausgefallen, 2019 hatten 3500 Gläubige teilgenommen, berichtete Cornelia Kurth-Scharf vom Wallfahrtsteam.

Im Anschluss an die Messe richteten die sechs Pfarrgemeinden einen Dekanatstag aus. An Pavillons stellten sich die Kirchorte vor, die sich nun einen Pfarrer teilen. „Trotz des allgemeinen Schwunds gibt es bei uns immer noch aktive Christen“, betonte Johanna Tauchmann aus Seulingen, das mit Germershausen und anderen Orten eine Pfarrei bildet.

Eine Gruppe im Ort trifft sich zum Bibelteilen, dem Austausch über die Heilige Schrift. Andere organisieren eine stille Anbetung in der Kirche, beten vor der gewandelten Hostie. Eine Christin kümmert sich - anstelle des Pfarrers - um die Flurprozession zum Gothenbeek mit anschließendem Wortgottesdienst.

Auch die Spendenbereitschaft ist immer noch groß. „2018 haben wir 180.000 Euro für neue Glocken, später weitere fast 90.000 Euro für die Orgel zusammenbekommen“, sagt Gemeindemitglied Siegbert Jagemann. (zmc)

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