Ute Gruenwald im Künstlerhaus: Zwischen Zweck und Zauber

Ute Gruenwald zeigt ihre Ausstellung: Walle, walle,...dass, zum Zwecke. Hier steht sie vor ihrem Kunstwerk „Höhle“ mit einer Qualle in der Asse. Foto: Gewert

Göttingen. „Walle, walle,...dass, zum Zwecke“ - unter diesem Motto präsentiert die Künstlerin Ute Gruenwald bis Sonntag, 12. Oktober, im Göttinger Künstlerhaus ihre Ausstellung.

Der Name kommt aus dem Gedicht des Zauberlehrlings von Johann Wolfgang von Goethe. Sie hatte die Idee, weil der Zauberlehrling etwas in Gang setzt, was er nicht mehr kontrollieren und rückgängig machen kann. Ebenso wie die Menschen, die in die Umwelt eingreifen und ihr Handeln nicht mehr rückgängig machen können, wie bei der Katastrophe von Fukushima. Auch in der menschlichen Existenz zeigen sich Zauber und Zweck als zwei Komponenten, die schwer . Im ersten Raum steht ein Glas Wasser auf einem Holzstand. Es nennt sich: „Das Kunstwerk zittert“. Und wer diesem näher kommt, merkt schnell, dass es lauter wird.

Denn es bewegt sich zitternd und schlägt Wellen: „Ich weiß nicht genau, wie ich auf die Idee gekommen bin“, gesteht Gruenwald. „Es geht nicht um das Wasserglas, es ist eine Metapher für Sturm.“ Und eine zitternde Welt.

Im nächsten Raum erwartet den Kunstbetrachter eine große Qualle, ähnlich einem Atompilz, der in die optische Ebene der Atomölfässer durchbricht. Es nennt sich „Höhle“. Gegenüber befindet sich eine schwarze Fläche mit Bohrlöchern. Der Staub der Bohrung zieht sich wie ein Hauch durch das Bild namens „Bohrungen - empfindlicher als ein Schmetterlingsflügel.“ Gruenwald hat das Bild geschaffen, weil sie meint: „Wir bohren überall in die Welt hinein und wissen nicht, wohin mit dem Staub.“

Sinn und Sinnlichkeit

Es geht ihr um sinnliche Elemente der Kunst. „Ich glaube, man kann Körper und Geist nicht trennen“, sagt Gruenwald. In einem weiteren Raum befinden sich fünf Bilder, die alle eine Zuckerrübe in unterschiedlichen Stadien zeigen. Aus der Tiefe hat sich etwas in den Himmel gehoben und scheint dort zu schweben: „Einmal Paradies und zurück“. Jeder soll sich seine eigenen Gedanken machen. Wer weiter geht, sieht einen Holzsockel, daneben einen Fuß in Pappmaché, was einen Schritt daneben darstellt. Das Werk steht für das Scheitern im Leben und für Fehltritte.

Das Bild „Schein-Werfer“ zeigt einen nächtlichen Acker im Scheinwerferlicht eines Autos. Der Schein kommt entgegen. Sinnbild dafür, dass man im Leben immer auf der Suche nach dem richtigen Weg ist. Die Suche bewegt sich im Dunkeln.

Im letzten Abschnitt der Ausstellung wirkt der Spruch: „Ich träumte, ich sei ein Tier, das träumte, es sei ein Mensch“. Die Idee zu der Installation, einem Kopf, der sich mit einem integrierten, gesteuerten Roboter über den Boden bewegt, eckt an. Er fährt gegen Wände und muss neue Wege suchen. Es ist die Frage danach, wo der Mensch steht. Ute Gruenwald sagt: „Man muss immer wieder probieren, Mensch zu sein.“

Hintergrund

Ausstellungen und Workshops im Göttinger Kunsthaus

Ute Gruenwalds Ausstellung ist noch bis Sonntag, 12. Oktober, in der oberen Galerie zu sehen. Eine Führung mit der Künstlerin in deutscher Sprache gibt es am Sonntag, 21. September, um 11 Uhr, auf Englisch am Sonntag, 28. September, 11 Uhr. Ihr Mann Peter H.A. Neumann hat sich um die Installationen seiner Frau gekümmert.

Eine weitere Ausstellung von Helmut Boeder: „Einblicke“, Zeichnungen und Malerei, ist ebenfalls bis Sonntag, 12. Oktober, zu sehen. Ein Gespräch mit dem Künstler gibt es am Sonntag, 21. September, um 11.30 Uhr.

Im Gewölbekeller ist zudem eine Ausstellung aus dem Atelierhaus Göttingen zu sehen.

Außerdem gibt es zwei Workshops unter dem Motto: „Nichts ist so wie es scheint - ist das schon Zauberei?“ Der Frage, ob alles Wirklichkeit ist, was wir auf Fotos und Videos sehen, gehen Georg Hoppenheim und Video-Filmer Peter Bothe in ihren Workshops auf den Grund. Die Termine: Freitag und Samstag, 19. und 20. September, von 15 bis 18 Uhr, für Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren und am Freitag und Samstag, 26. und 27. September, 15 bis 18 Uhr, für Jugendliche im Alter von 12 bis 17.

Dank der Förderung durch die VGH-Stiftung ist die Teilnahme kostenlos.

Öffnungszeiten: Dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr; samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Anmeldung unter Tel. 0551/46890 oder kuenstlerhaus.goettingen@t-online.de

Kontakt: Künstlerhaus Göttingen im Lichtenberghaus, Gotmarstraße 1, 37073 Göttingen. (mtg)

Von Marie-Therese Gewert

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