Unterbringung in Psychiatrie beantragt

Gutachten: Mutmaßlicher Macheten-Angreifer litt unter Wahnvorstellungen

+
Die Universitätsmedizin Göttingen aus der Luft: Im Bistro der Einrichtung wurde ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes verletzt.

Göttingen – Im Prozess um eine blutige Gewaltattacke mit einer Machete wurden die Plädoyers vor dem Landgericht Göttingen gehalten. Alle Verfahrensbeteiligten beantragten die weitere Unterbringung des 32-jährigen Mannes, der seinen Vater mit der Machete töten wollte, in der Psychiatrie.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte zuvor erläutert, dass der Sohn zur Tatzeit unter einer schizophrenen Psychose gelitten habe und schuldunfähig gewesen sei. Laut Gutachter sei der 32-Jährige seit 2017 mehrfach stationär in psychiatrischer Behandlung gewesen. Er habe unter Unruhe- und Angstzuständen gelitten und sich verfolgt gefühlt. Im Sommer 2019 habe sich sein bis dahin gelegentlicher Cannabis- und Alkohol-Konsum drastisch gesteigert.

In dieser Zeit hätten sich akustische Halluzinationen eingestellt. Durch die Stimmen, die er zu hören meinte – unter anderem von einer Mitarbeiterin des UMG-Bistros, wo er einige Tage vor dem Macheten-Angriff randaliert hatte und von Angela Merkel –, sei ihm die Eingebung gekommen, dass er eine besondere Aufgabe zu erfüllen habe. Er habe sich für einen apokalyptischen Reiter, wie sie in der Bibel beschrieben werden, gehalten. So sei es zu dem Vorfall im UMG-Bistro gekommen, bei dem er Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes verletzte.

Unter dem Einfluss der ausgeprägten Wahnvorstellungen habe er sich entschlossen, seinen Vater zu töten, der ihm als Inkarnation des Bösen erschienen sei. Auch nach dem Macheten-Angriff sei er zunächst der festen Überzeugung gewesen, dass die Tat richtig gewesen sei.

Der 32-Jährige war ins Justizkrankenhaus Lingen gekommen, wo es einen weiteren gewalttätigen Vorfall gegeben habe. Nachdem eine medikamentöse Therapie eingeleitet wurde, habe sich sein Verhalten völlig geändert. Das Wahnerleben sei abgeklungen. Gleichwohl sei eine Unterbringung in einer Psychiatrie erforderlich, da sonst die Gefahr bestehe, dass er die Medikamente absetze. Eigentlich sei der 32-Jährige ein zurückhaltender, intelligenter und feinfühliger Mensch, sagte der Gutachter: „Er sieht mit Schrecken, was er angerichtet hat.“

Verteidiger Markus Fischer wies auf die positiven Effekte der Therapie hin: „Das war ein ganz anderer Mensch, der diese Taten begangen hat.“ Der Beschuldigte selbst sagte, dass es ihm „wirklich ganz schrecklich leid“ tue.

Die Staatsanwältin sagte, als Folge der Gewaltattacke werde der Vater Zeit Lebens ein Pflegefall bleiben. Der 32-Jährige sei „wie ferngesteuert“ in die Wohnung des Vaters eingedrungen.

Als der Vater blutüberströmt zu fliehen versuchte, habe er ihn zu Boden gerissen und „wie im Blutrausch“ versucht, die Machete in dessen Bauch zu stoßen. Das Urteil wird kommende Woche verkündet.  pid

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.