Auftaktkonzert in Duderstädter Basilika

Händel-Festspiele: Flötenklänge in der gotischen Hallenkriche

Eröffneten mit einem Konzert in Duderstadt die Händel-Festspiele: Laurence Cummings (Cembalo) und Maurice Steger (Blockflöte).
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Eröffneten mit einem Konzert in Duderstadt die Händel-Festspiele: Laurence Cummings (Cembalo) und Maurice Steger (Blockflöte).

Mit Sonaten für Blockflöte und Basso continuo haben Maurice Steger und Laurence Cummings die Internationalen Händel-Festspiele 2021 eröffnet. 100 Zuhörer folgten dem Auftakt-Konzert in Duderstadts Basilika St. Cyriakus.

Duderstadt – Weit riss Steger seine Augen auf, spielte mit ganzem Körpereinsatz. Der Schweizer ging in die Knie, richtete sich wieder auf, bewegte sich kreisend wie ein Schlangenbeschwörer vor einer tanzenden Kobra.

Mit einem unfassbaren Lungenvolumen entlockte der Musiker dem kleinen Instrument, das fast keinen eigenen Resonanzraum bietet, vielschichtige Klänge. Er gab den langsamen, elegischen Tönen, aber auch den schrillen Trillern die nötige Zeit, damit sie in der gotischen Hallenkirche ihre überwältigende Wirkung entfalten konnten.

Fast ein Dutzend Alt- und Tenorflöten hatte Steger nach Duderstadt mitgebracht, wechselte während der verschiedenen Sätzen immer wieder das Instrument. Aus unbehandelten Holz sind diese Nachbauten von Flöten gefertigt, die einst der Franzose Pierre Jaillard Bressan in England schuf. Sie bei vergleichsweise kühlem, freuchten Wetter zu spielen, war eine zusätzliche Herausforderung. Begleitet wurde der Musiker von Cummings, dem künstlerischen Leiter der Festspiele.

Mit Händels eigens für Blockflöte und Basso continuo geschriebenen Sonate d-Moll (HWV 3672) eröffneten die Künstler das Konzert. Sieben Sätze ist das große Werk lang. Heiter, frivol wurde es bei A Jacobean Masque, Musik, die Sir Nicolas le Strange für einen privaten Maskenball hatte komponieren lassen. Maskiert erschienen die Gäste zu einem solchen Ereignis, konnten sich unerkannt über gesellschaftliche Zwänge hinwegsetzen. Mit Händels viersätziger Sonate F-Dur (HWV 369) endete der erste Teil.

Während Steger eine Weile ruhig durchatmen konnte, verzauberte Cummings sein Publikum mit einer Interpretation der Arie Vo’far guerra aus der Händel-Oper Rinaldo. Bearbeitet hatte die Fassung der Händel-Schüler und Cembalo-Spieler William Babell. Mit zwei Sonaten für Blockflöte und Basso continuo von Arcangelo Corelli endete der Abend. Komponist Corelli war zu der Zeit, in der Händel in London seine Triumpfe feierte, nicht mehr am Leben. Seine Musik wirkte aber noch lange nach.

Das Konzert war wie das ganze diesjährige Festival von Intendant Tobias Wolff zum 100-jährigen Jubiläum der Festspiele 2020 konzipiert worden. Pandemiebedingt fiel es aus und wird nun – 15 Monate später – unter strengen Hygieneauflagen nachgeholt, betonte Wolffs Nachfolger Jochen Schäfsmeier während der Begrüßung.

„Musik ist Ausdruck des Gotteslobs“, erklärte der Hausherr der Kiche, Propst Thomas Berkefeld. Die Gemeinde habe die Basilika daher gerne zur Verfügung gestellt. Der Propst saß in der ersten Reihe – zusammen mit dem Duderstädter Sparkassen-Vorstand Markus Teichert, der selbst Flöte spielt und dessen Institut das Konzert gesponsert hat. Weitere Infos zu den Händel-Festspielen gibt es hier. (Michael Caspar)

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