Göttinger Landgericht fällt Urteil

Handwerker muss wegen erneuter Wirtschaftsstraftaten ins Gefängnis

Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Hier wurde der 43-ährige Handwerker erneut verurteilt. Foto: Schlegel

Göttingen/Bad Lauterberg. Ein mehrfach vorbestrafter 43-jähriger Handwerker aus Bad Lauterberg muss wegen wegen Sozialbetrug und Insolvenzverschleppung hinter Gitter.

Die Kammer des Landgerichts befand den 43-Jährigen, der vor einigen Jahren auch in den großen Betrugs- und Korruptionsfall beim Duderstädter Orthopädietechnik-Unternehmen Otto Bock verwickelt gewesen war, des Vorenthaltens und der Veruntreuung von Arbeitsentgelt in drei Fällen sowie des Bankrotts, des Betruges und der Insolvenzverschleppung für schuldig. Anders als im vorigen Prozess setzte das Gericht die Freiheitsstrafe diesmal nicht zur Bewährung aus. „Die Kriminalprognose ist ungünstig“, sagte der Vorsitzende Richter Carsten Schindler.

Die Kammer blieb mit ihrem Urteil nur geringfügig unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren gefordert hatte. Die beiden Verteidiger hatten dagegen auf Freispruch für ihren Mandanten plädiert.

Der Prozess hatte sich über einen Zeitraum von acht Monaten hingezogen. Die Kammer hatte zahlreiche Zeugen gehört, unter anderem mehrere Handwerker aus Ungarn, die für die Firma des Angeklagten gearbeitet hatten. Die Südharzer Firma lief auf den Namen seiner Ehefrau, die allerdings eigentlich Kosmetikerin war.

Nicht nur deshalb war das Gericht am Ende der Beweisaufnahme überzeugt, dass nicht sie, sondern der Angeklagte der faktische Geschäftsführer gewesen war. Der 43-Jährige habe sich gegenüber den Mitarbeitern als Chef geriert und auf Baustellen die Anweisungen erteilt.

In einem früheren Prozess hatten ihn die Richter wegen Beihilfe zur Untreue in 22 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Angeklagte hatte als Inhaber eines Fliesenleger-Fachgeschäfts im thüringischen Eichsfeld eineinhalb Jahre lang mit überhöhten und frei erfundenen Rechnungen unrechtmäßig mehr als eine Million Euro vom Orthopädie-Weltmarktführer Otto Bock kassiert. Das Gericht verpflichtete ihn damals dazu, den Schaden wieder gut zu machen und den Millionenbetrag zurückzuzahlen.

Der Angeklagte habe die neuen Taten nur wenige Monate nach dieser Verurteilung unter laufender Bewährung begangen, sagte der Vorsitzende Richter.

Keine Sozialversicherung

Nach Überzeugung der Kammer hatte er drei Männer aus Ungarn beschäftigt, ohne diese bei der Sozialversicherung anzumelden, so dass dieser mehrere tausend Euro an Sozialbeiträgen vorenthalten wurden.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, muss der Angeklagte sich auf eine längeren Aufenthalt im Gefängnis gefasst machen. Dann würde voraussichtlich seine frühere Bewährung widerrufen, so dass er auch die in dem vorherigen Verfahren verhängte Freiheitsstrafe absitzen müsste. (pid)

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