Niedersächsischer Nährstoffbericht

Deutlich zu viel Gülle landet auf den Feldern Niedersachsens

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Niedersachsen ist Agrarland Nummer eins: Die Böden werden jedoch stark mit Gülle belastet.

Niedersachsen. Nach wie vor kippen Niedersachsens Landwirte deutlich mehr Gülle und Industriedünger auf ihre Felder und Äcker, als dort eigentlich benötigt werden.

Das ergibt sich aus dem neuen Nährstoffbericht, den Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) in Hannover vorstellte. Zwischen Juli 2017 und Juni 2018 betrug der Überschuss an Stickstoff fast 50.000 Tonnen.

Sieben Landkreise im tierhaltungsintensiven Westen reißen die zulässige Obergrenze für den Nährstoff: In Ammerland, Cloppenburg, Emsland, Grafschaft Bentheim, Oldenburg Rotenburg und Vechta fallen trotz der Verbringung von Gülle-Teilmengen in andere Regionen teilweise deutlich mehr als die erlaubten 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar an.

Während der Überschuss landesweit insgesamt um 18 000 Tonnen sank, stieg er hier noch einmal deutlich an. Ähnlich sieht es bei Phosphat mit fünf hoch belasteten Landkreisen aus.

Bedenkliche Nitratkonzentration in Trinkwassergebieten

Folge der Überdüngung: Viele Grundwasser-Gütemessstellen, auch die in Trinkwassergebieten, weisen eine bedenklich Nitratkonzentration von über 50 Milligramm pro Liter aus. 21 der 37 Landkreise in Niedersachsen überschreiten den Grenzwert beim Sickerwasser. Will man diesen dort auf unter 50 Milligramm drücken, müsste man jährlich 56.000 Tonnen Stickstoff einsparen.

„Wir haben es mit einer jahrzehntealten Last zu tun, die zunehmend zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem wird“, erklärte die Ministerin. Sie hoffe, den Stickstoff-Überschuss in drei Jahren auf Null zu senken. „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ 

Konkrete Schritte nannte Otte-Kinast allerdings nicht; sie bot den Bauern Unterstützung an und sprach sich für eine genaue Erfassung der Düngermengen und Gülle-Transporte aus.

Vor einem Jahr hatte die Ressortchefin noch die Ausweisung von Risikogebieten mit scharfen Kontrollen und in letzter Konsequenz auch harten Sanktionen für Landwirte, die gegen die Vorschriften verstoßen, angekündigt. Auch die Reduzierung von Tierbeständen bis hin zur Schließung einzelner Mastbetriebe schloss die CDU-Politikerin damals nicht aus.

Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast in der Kritik

„Die Ministerin ist ganz offensichtlich von der Agrarlobby zurückgepfiffen worden“, kritisierte die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Miriam Staudte. „Statt aktiv gegen die Verseuchung unserer Gewässer vorzugehen, verkündet sie nur, weiter Daten sammeln zu wollen.“ 

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) forderte die rot-schwarze Landesregierung auf, endlich mehr für den Gewässerschutz zu tun.

Druck bei dem Thema kam auch vom Koalitionspartner. Umweltminister Olaf Lies (SPD) forderte die konsequente Reduzierung des Düngereinsatzes. „Beim Grundwasserschutz in Niedersachsen ist es teilweise bereits fünf nach zwölf.“

Der Bauernverband wies auf die weitaus überwiegende Zahl der Bauern hin, die ihren Dünger „nach guter pflanzenbaulicher Praxis“ einsetzten. Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke: „Die Landwirte in Regionen mit vielen Nutztieren und Biogasanlagen müssen sich deutlich offensiver ihrer Verantwortung für sauberes Grundwasser und eine intakte Umwelt bewusst werden und die ordnungsgemäße Verwertung der Nährstoffe sicherstellen.“

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