Trotz Corona-Krise

Deutsche Bahn forciert ihr Großprojekt „Alpha E“ in Norddeutschland

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Der Bahnhof Uelzen an der Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg. Auf dieser Trasse sollen nach dem Ausbau ICE mit bis zu 250 km/h fahren.

Trotz Corona-Krise und der Flaute in den Containerhäfen treibt die Bahn AG ihr Großprojekt Hamburg/Bremen-Hannover weiter.

Für den Abschnitt Langwedel-Uelzen des gesamten Ausbauprogramms, das früher unter dem Namen „erweitertes Alpha E“ als Ersatz der umstrittenen Y-Trasse firmierte, fiel jetzt der Startschuss. Die Bahn leitete mit der Grundlagenermittlung die ersten Planungsschritte für die Elektrifizierung und Ertüchtigung der 97,3 Kilometer langen, meist eingleisigen Strecke ein. Sie ist Teil der früheren „Amerika-Linie“, über die im 19. Jahrhundert viele Auswanderer mit der Eisenbahn aus dem Osten Deutschland nach Bremerhaven gelangten.

Jetzt will das bundeseigene Verkehrsunternehmen den Abschnitt, auf der gegenwärtig im Zweistundentakt Erixx-Personenzüge zwischen Bremen und Uelzen pendeln, nicht nur auf den umweltfreundlichen Stromantrieb umstellen. Die Bahn will ihn auch für Güterzüge mit einem Tempo bis zu 80 Stundenkilometern fit machen. Besonderes Problem des Ausbaus: Hier befinden sich insgesamt 58 Bahnübergänge. Schon jetzt verursachen geschlossene Schranken an der Strecke für viele Staus auf den Straßen. Einige betroffene Orte wünschen sich daher Gleisübergänge mit Brücken oder Unterführungen.

„Die Städte Soltau, Munster und Visselhövede haben gegenüber der DB AG Gesprächsbedarf geäußert“, berichtete Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger (CDU) auf Anfrage des Grünen-Abgeordneten Sven-Christian Kindler Ende Mai im Bundestag. „Sobald Planungserkenntnisse vorliegen, will die DB AG mit den Städten und Kommunen in Verbindung treten.“

Kindler dagegen findet, dass es umgekehrt sein müsse. „Die Deutsche Bahn sollte schon jetzt aktiv auf alle anliegenden Kommunen zugehen. Jetzt und nicht erst, wenn alles fertig geplant wurde, ist der richtige Zeitpunkt.“ Die ungelöste Frage der Bahnübergänge treibe die betroffenen Menschen um, erklärt der Parlamentarier aus Hannover im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die frühe Mitsprache der Kommunen und der Bürgerinnen und Bürger beschleunigt das Projekt in der Umsetzung und schafft Akzeptanz bei den Menschen vor Ort.“

Die Bahn selbst verweist auf das frühe Stadium der mehrjährigen Planungen. Noch ließen sich gar keine konkreten Aussagen zu den Gleisübergängen treffen, sagt ein Unternehmenssprecher. Man befinde sich aber längst im Kontakt mit den Beteiligten und werde auch von sich aus auf die Kommunen zugehen. „Das ist ein lebender Prozess.“

Ausweichstellen für Zugbegegnungen

Zum Ausbau des Abschnitts gehören auch neun Kreuzungsbahnhöfe. Darunter versteht die Bahn allerdings nicht neue Haltepunkte zum Ein- und Ausstieg von Passagieren. Hinter dem Begriff verbergen sich Ausweichstellen, an denen sich Züge begegnen oder auch überholen können. Diese soll den Verkehr flüssiger machen und die gut zweitstündige Fahrtzeit zwischen Bremen und Uelzen um acht Minuten verkürzen.

Zum Gesamtprojekt, für das im Bundesverkehrswegeplan 2030 rund 3,9 Milliarden Euro veranschlagt sind, gehört auch der Ausbau der ICE-Strecke von Hannover über Celle, Uelzen und Lüneburg nach Hamburg. Derzeit ist dort nur Tempo 200 erlaubt; künftig sollen hier bis zu 250 km/h drin sein. Die Fahrzeit zwischen den beiden Metropolen würde sich dadurch um elf Minuten verringern.

Weitere Maßnahmen betreffen die Strecke Hannover-Bremen, auf der Blockverdichtungen höhere Zugfolgen ermöglichen sollen. Am weitesten gediehen ist der zweigleisige Ausbau der 25 Kilometer zwischen Verden und Rotenburg. Hier steht die parlamentarische Befassung im Bundestag an. Offen ist, ob die Bahn der Forderung der betroffenen Kommunen folgt und hier für mehr Lärmschutz als gesetzlich vorgeschrieben sorgt.

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