Hoffnung auf Signalwirkung

Ein Gebot der Humanität: Niedersachsen holt 50 Flüchtlingskinder aus griechischen Lagern

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Ein kleines Mädchen steht am Stacheldrahtzaun in einem provisorischen Zeltlager in der Nähe des Camps für Migranten in Moria. Deutschland will in der kommenden Woche 50 unbegleitete Minderjährige aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln aufnehmen.

Hannover – Nach langem Zaudern war es in dieser Woche so weit: Kurz vor dem Karwochenende gab Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) in Hannover bekannt, dass sein Land 50 Flüchtlingskinder von den griechischen Inseln aufnehmen wird.

Für viele Organisationen kann das aber erst der Anfang gewesen sein.

„Ich bin zuversichtlich, dass wir nächste Woche die ersten Kinder hier in Deutschland empfangen können“, hatte Pistorius am Mittwoch gesagt. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) habe ihn am Dienstag darum gebeten. Niedersachsens Flüchtlingsrat und die Grünen begrüßten die Initiative, fordern aber weitere Unterstützung für die Flüchtlingskinder, die in Lagern auf den griechischen Inseln in menschenunwürdigen Zuständen hausen müssen.

Niedersachsen hatte sich schon vor Monaten – nach einem Besuch von Pistorius auf der Insel Lesbos – zur Aufnahme von unbegleiteten Flüchtlingskindern bereiterklärt, war mit diesem Vorstoß beim Bund aber zunächst nicht durchgedrungen. Zuletzt hatten sich acht EU-Länder, darunter auch Deutschland, darauf geeinigt, 1600 Kinder aufzunehmen – umgesetzt wurde das bislang nicht.

Boris Pistorius (SPD)Landesinnenminister

Die nach Niedersachsen geholten Kindern sollen mindestens die ersten 14 Tage in einer gesonderten Einrichtung verbringen, bevor sie auf die aufnahmebereiten Kommunen verteilt werden. So werde i dem Gesundheitsschutz angesichts der Corona-Pandemie Rechnung getragen, erklärte Pistorius. „Es gelingt uns hoffentlich endlich, diesen besonders schutzbedürftigen Kindern zunächst ein festes Dach über dem Kopf, fließend Wasser und ausreichend Lebensmittel zur Verfügung zu stellen“, sagte der Innenminister. Außerdem bekämen eine gute soziale Betreuung und medizinische Versorgung.

Als erste Kommune hat sich am Donnerstag die „Friedensstadt“ Osnabrück zur Aufnahme von zehn der 50 Flüchtlingskinder bereiterklärt. „Ich hoffe sehr, dass von dieser Bereitschaft ein Signal ausgeht, dem sich auch andere Städte in Deutschland und Europa anschließen“, teilte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) mit. Begrüßt wurde die Aufnahme der Kinder auch von Hannovers Landesbischof Ralf Meister. Durch die hohe Corona-Infektionsgefahr sei die Notwendigkeit, den Kinder zu helfen, noch einmal gestiegen.

Für Sascha Schießl vom Niedersächsischen Flüchtlingsrat handelt es sich bei der Hilfe aber um „viel zu kleine, völlig unzureichende Schritte“, mit denen es Jahrzehnte dauern würde, bis die griechischen Lager geräumt seien. Auch aus Sicht der Grünen im niedersächsischen Landtag kann die Rettung von 50 Kindern aus den Lagern nur ein Anfang sein. Die Abgeordnete Susanne Menge erklärte: „Wir können auch in Corona-Zeiten sehr viel mehr tun.“  ana/dpa/epd

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