Protestaktion "Rette dein Theater"

Minister Thümler verneint Zusage für Zuschüsse und erntet Buhrufe

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Kampf für mehr Zuschüsse vom Land: Die beiden Schauspielerinnen Christina Jung (links) und Gaia Vogel vom Deutschen Theater Göttingen demonstrierten in Hannover.

Hannover/Göttingen. 19000 Unterschriften und viele hundert Schauspieler und Künstler kündeten am Mittwoch in Hannover vom Unmut über eine zu geringe Kulturförderung.

Es war mehr fröhliche Party als wütender Protest, doch die Begleitmusik gab gleich die klare Botschaft vor. Gunter Gabriels „Hey Boss, ich brauch‘ mehr Geld“ dröhnte am Mittwoch aus den Lautsprechern vor dem Landtag in Hannover. „Ohne Moos kein Schiller“, „Applaus zahlt keine Miete“ oder „Bretter, die kein Geld bedeuteten“, lauteten die Slogans auf den zahlreichen Plakaten.

Mehr als 500 Schauspieler, Regisseure, Bühnenbildner und Musiker waren zum Platz der Göttinger Sieben gezogen, um die von der SPD/CDU-Koalition versprochene finanzielle Stärkung der Kommunalen Theater einzufordern.

„Riesige Bewegung“

Im Gepäck hatten die Demonstranten mehr als 19 000 Unterschriften ihrer Online-Petition „Rette dein Theater – keine Kulturwüste in Niedersachsen“. Die überreichten sie in Beisein von Landtagspräsidentin Gabriele Andretta (SPD) den kulturpolitischen Sprechern von SPD, CDU, Grünen und FDP. „Wir sind eine riesige Bewegung“, freuten sich die Schauspielerinnen Christina Jung und Gaia Vogel vom Deutschen Theater in Göttingen über den landesweiten Zuspruch für sie und ihre Kollegen in Lüneburg, Osnabrück, Celle, Hildesheim und Wilhelmshaven. Ihre eigene Spielstätte müsse dringend saniert werden, die in den Schulen beliebten Theaterpädagogik-Projekte stünden auf der Kippe, berichteten Jung und Vogel.

Unbesetzte Stellen

„Wir müssen auch künftig Weltklassekünstler zu uns einladen können“, so Thomas Scholz, Erster Geiger beim Göttinger Symphonie Orchester. Jetzt könne selbst eine freigewordene Stelle nicht besetzt werden. „Ich bin fassungslos, dass das Land trotz hoher Steuereinnahmen seine Versprechen nicht einlöst.“

Zwickmühle für Thümler

Diesen Vorwurf wollte Kulturminister Björn Thümler (CDU) nicht auf sich sitzen lassen. „Es hat keine festen Zusagen gegeben“, rief er den Theatermachern tapfer zu und erntete dafür Pfiffe und Buhrufe. Zwar sei ein Mehrbedarf der Kommunalen Bühnen, die 25,2 Millionen Euro an jährlichen Zuschüssen erhalten, durchaus berechtigt. Aber keines der Theater stehe vor der Schließung oder sei davon bedroht. Der CDU-Minister steckt in einer Zwickmühle. Vor einem Jahr hatten SPD und CDU in ihrem Koalitionsvertrag höhere Zuschüsse für kleine und mittlere Kultureinrichtungen angekündigt. Auch von einer Stärkung der Kommunalen Theater war dort ausdrücklich die Rede. 

Kein Cent im Haushalt

In den Verhandlungen mit diesen Häusern unter Vorsitz von Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) handelte Thümler deren Wünsche bereits von zehn auf sechs Millionen Euro runter. Doch selbst diesen Betrag konnte er bei seinem Parteifreund und Finanzminister Reinhold Hilbers nicht durchsetzen. Im Haushaltsentwurf 2019 findet sich dafür kein Cent.

Doch noch mehr Geld?

Jetzt blicken Thümler und die Theater voller Hoffnung auf den traditionellen Etat-Nachschlag im November, wenn die Koalitionsfraktionen in ihrer „politischen Liste“ noch Geld für ihre Lieblingsprojekte lockermachen dürfen. „Das sitzt dann auch noch etwas für die Kultur drin“, heißt es inoffiziell aus SPD-Kreisen. CDU-Kulturexperte Burkhard Jasper lehnte sich vor den Demonstranten weiter aus dem Fenster. „Theater sind ein Symbol für eine offene und pluralistische Gesellschaft. Die CDU wird dafür im Haushalt ein deutliches Zeichen setzen.“ (ymp)

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