Splitter

Notizen aus Hannover: Der Fluch des Unbewussten

„Köstliche Nervennahrung“ konnten die Abgeordneten in der ersten regulären Sitzungswoche seit Langem gut gebrauchen.
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„Köstliche Nervennahrung“ konnten die Abgeordneten in der ersten regulären Sitzungswoche seit Langem gut gebrauchen.

Es war fast wie früher. Erstmals seit Ausbruch der Corona-Epidemie hat der Landtag in dieser Woche wieder regulär an drei Tagen getagt. Unser Korrespondent in Hannover, Peter Mlodoch, hat Ohren und Augen in alle Richtungen offengehalten.

  • Landtag tagt trotz Corona-Pandemie teilweise wieder regulär
  • Ministerpräsident Stephan Weil lobt Bündnis „Niedersachsen hält zusammen“
  • Alle Informationen und Zahlen zu Corona in Niedersachsen im News-Ticker

Das Ergebnis sind die Splitter aus der Landeshauptstadt.

Des einen Freud ...

Bei einigen Zuhörern kam gleich ein Verdacht auf: In seiner Corona-Regierungserklärung lobte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) das Bündnis „Niedersachsen hält zusammen“, für das „sich die Bundesregierung und große Teile des Landtags sehr engagieren“. Bundes- und nicht Landesregierung? Brach sich da Weils geheimer Wunsch nach Berliner Ambitionen Bahn? „Ich habe mich schlicht vertan“, wies der Regierungschef solche Vermutungen zurück. Von einem Freudschen Versprecher könne keine Rede sein: „Ich würde die Psychoanalyse an dieser Stelle nicht übertreiben.“

Ordnung muss sein

In der Landtagsdebatte um Artenschutz wollte der FDP-Abgeordnete Hermann Grupe eine Zwischenfrage an Umweltminister Olaf Lies (SPD) stellen. Der Ressortchef willigte ein; Grupe stand auf und legte sofort los. Aber Parlamentspräsidentin Gabriele Andretta (SPD) bremste den Eifer des liberalen Landwirts. Er möge doch bitte nach vorne ans Mikrofon kommen. „Das geht auch so“, erwiderte Grupe mit sonorer Stimme laut und deutlich. Andretta ließ sich nicht erweichen und verwies auf die fürs Protokoll zuständigen Stenografen. „Bitte zum Mikro.“ Also fügte sich der FDP-Mann brav.

Rudi Rastlos

Zweieinhalb Jahre nach seiner Pensionierung staunte Rudi Zimmeck, langjähriger Pressesprecher der Grünen-Fraktion und des ehemaligen Umweltministers Stefan Wenzel, nicht schlecht. Der Fach-Newsletter „agrar presseportal“ gab die Pressemitteilung des amtierenden Ressortchefs Olaf Lies (SPD) zum neuesten Wolf-Urteil des Oberverwaltungsgericht Lüneburg wieder. Und führte als Pressekontakt „Herr Rudi Zimmeck“ auf – und das auch noch mit der korrekten Zentralnummer der niedersächsischen Landesverwaltung. Der Genannte wusste nicht so recht, was er davon halten sollte: „Soll ich mich jetzt geehrt oder beleidigt fühlen?“

Smileys trotz Masken

Einen besonders freundlichen Start legte der neue Betreiber der Cafeteria in der Landtagslobby hin. So strahlten die Mitarbeiterinnen trotz der Masken ihre politische Kundschaft stets hilfsbereit an, Smileys auf handgemalten Hinweisen verwiesen auf den notwendigen Abstand. Eine Schiefertafel versprach gar „Köstliche Nervennahrung“. Und die konnten die Abgeordneten von Koalition und Opposition angesichts so mancher Debatte auch gut gebrauchen.

VON PETER MLODOCH

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