Stichwahl am 10. November

Oberbürgermeisterwahl: SPD verliert ihre Hochburg Hannover

Belit OnayKandidat der Grünen

Für die SPD in Niedersachsen ist es ein Desaster. Erstmals seit 1946 stellt sie nicht mehr den Oberbürgermeister von Hannover.

Im ersten Wahlgang am Sonntag flog der SPD-Kandidat durch. Der CDU- und der Grünen-Bewerber gehen in die Stichwahl am 10. November. Um 18.51 Uhr bricht im Raum Leipzig des Rathauses Hannover unbeschreiblicher Jubel aus. 32,2 Prozent zeigt die grüne Säule, 31,9 Prozent die schwarze.

Sprechchöre für Belit Onay

„Belit, Belit“- Sprechchöre branden auf, frenetisch feiern die Grünen ihren Wahlsieger bei der Oberbürgermeisterwahl. Belit Onay, 38-jähriger Landtagsabgeordneter lächelt versonnen und schließt seine Frau fest in den Arm. „Das ist ein historisches Ergebnis, es zeigt, dass die Menschen in Hannover sich den Aufbruch wünschen.“ Dann wird der Jurist und Sohn türkischer Einwanderer ernst und blickt nach vorn. „Jetzt geht es in die Vollen. Im Stichwahlkampf werden wir alles geben müssen.“

Kopf-an-Kopf-Rennen

Das sagt so ähnlich auch sein Konkurrent von der CDU. Der frühere VW-Manager Eckhard Scholz und Onay liefern sich bis zur Auszählung aller 469 Wahlbezirke ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen, am Ende liegen beide bei 32,2 Prozent mit leichtem Vorteil für den Grünen: Onays hauchdünner Vorsprung beträgt ganze 49 Stimmen. „Wir müssen also noch einmal richtig Gas geben“, beschwört der Christdemokrat seine Parteifreunde und Anhänger für den Urnengang in zwei Wochen. „Ich werde um Vertrauen werben und um jede Stimme kämpfen.“ Dabei werde er persönlich seine große Führungserfahrung ins Feld führen, kündigt der 55-jährige Vater und Großvater an. Es ist kleiner Seitenhieb auf seinen grünen Mitbewerber, der außerhalb der Politik noch mit keinen echten Job aufwarten kann.

SPD-Bewerber abgeschlagen

Dass allerdings Führungsstärke in diesem OB-Rennen nicht automatisch Siegchancen bedeutet, müssen an diesem Abend der Stadtwerke-Chef Marc Hansmann und seine Genossen erleben. Mit 23,5 Prozent liegt der SPD-Kandidat abgeschlagen auf dem dritten Platz. Offensichtlich hat sich die Rathausaffäre um illegale Gehaltszulagen und Ämterpatronage unter dem im April zurückgetretenen SPD-Oberbürgermeister Stefan Schostok doch stärker im Wählerwillen wiedergefunden, als es die Parteigranden im Ministerpräsident Stephan Weil wahrhaben wollten.

Hansmann: Maßlos enttäuscht und traurig

„Ich bin maßlos enttäuscht und traurig“, bekennt der frühere Stadtkämmerer Hansmann tapfer und bedankt sich artig bei seinen beiden erfolgreichen Mitbewerbern für den fairen Wahlkampf. Für wen seine Partei eine Empfehlung zum Stichentscheid am 10. November abgeben werde, macht er lieber keine Angaben. Der Vorstand der Stadt-SPD tage am Montag und werde sich dann dazu äußern. Seine persönliche Präferenz mag er nicht verraten. Im Rat der Stadt gibt ein rot-grünes Bündnis mit Stimmhilfe der FDP bislang den Ton an.

Unterstützung bei der Stichwahl

Die siegreichen Grünen spekulieren derweil, ob sie tatsächlich auf Unterstützung der Genossen rechnen können. „Die SPD soll sich ja im Land noch mit der CDU in einer Koalition befinden“, raunt eine Landtagsabgeordnete. Andere Grüne im Raum Leipzig werden trotz der Feierlaune drastischer. „Für die SPD sind wir jetzt doch die Erzfeinde.“ Einige Parteifreunde sehen Belit Onays knappen Vorsprung hingegen kritisch. „Das mobilisiert eher die CDU“, warnt ein Grüner aus der Landeshauptstadt.

„Das kann man auch ganz anders sehen“, kontert ein Kollege. „Für uns ist dieses grandiose Ergebnis doch eine riesige Motivation.“

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