Splitter aus der Landeshauptstadt

Sieben Minister machten hitzefrei, Maschsee-Fest sorgt für Verstimmung

Unser Korrespondent in Hannover, Peter Mlodoch, hat wieder genau hingeschaut und zugehört. Ergebnis: die Splitter aus der Landeshauptstadt.

Mitten in der Ferienzeit war es ein dürftiges Teilnehmerfeld: Zur wöchentlichen Kabinettssitzung erschienen mit Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Umweltkollege Olaf Lies(SPD) gerade mal drei Mitglieder der niedersächsischen Landesregierung persönlich. Sieben Minister ließen sich durch ihre Staatssekretäre vertreten, Innenminister Boris Pistorius(SPD) sogar nur durch einen Abteilungsleiter. Der Regierungschef trug es mit Humor: „Willkommen zur Staatssekretärsrunde mit Gästen“, begrüßte Weil die verbliebene Stallwache. Und die zeigte Arbeitseifer, fasste gleiche mehrere Beschlüsse unter anderem zu Berufsausbildung, Grünland und Glücksspiel.

Die Gluthitze brachte auch die Mitarbeiter mancher Institution gehörig ins Schwitze – im doppelten Sinne, also nicht nur wegen der persönlichen Auswirkungen auf den eigenen Körper. Ob Sozialstaatssekretär Heiger Scholz (SPD), ob die Umweltmediziner vom Landesgesundheitsamt, ob Profs und Sportärzte der Medizinischen Hochschule Hannover, ob die diversen Krankenkassen: Sie alle überschlugen sich geradezu mit wertvollen Tipps für die extremem Temperaturen. Viel trinken, wenig anstrengen, lautete der Ratschlag. Da durfte natürlich das Landwirtschaftsministerium nicht fehlen. Das Agrarressort appellierte an die Halter von Haus- und Nutztieren, bei ihren Schützlingen für – natürlich – ausreichend Wasser und Schatten zu sorgen.

Mit Musik kennt er sich bestens aus; jetzt nahm der niedersächsische Linken-Bundestagsabgeordnete Diether Dehm nach der Beschwerde eines Bauern aus Norddeutschland intensiv Speis und Trank in den Bundestagskantinen unter die Lupe. Nicht alle Gastronomie-Betreiber, so stellte der umtriebige Liedermacher („Faust auf Faust“) fest, setzen überwiegend auf regionale Produkte. „Das ist nicht die ganz große Frage von Krieg und Frieden“, postete der bekennende Pazifist per Videobotschaft. Aber müsse es denn unbedingt ein Steak auf Argentinien sein? Da sei doch ein parlamentarisches Essen aus Niedersachsen, Hessen oder Bayern für Umwelt, Klima und heimische Landwirtschaft allemal besser. „Unsere Bauern haben es doch schon schwer genug.“

In Hannover geraten kulinarische Genüsse derweil in einen argen Konflikt mit der Kultur. Eines der Gastronomie-Zelte für das nächste Woche beginnende Maschsee-Fest wurde rund um die nackten Körper der bekannten Ufer-Skulptur „Menschenpaar“ errichtet – allerdings so, dass die beiden Köpfe in den Planen des Daches verschwinden. „Das ist eine Respektlosigkeit sondergleichen“, schimpfte der Direktor des Sprengel-Museums gegenüber, Reinhard Spieler. Das liege ihm fern, beteuerte der Zeltbetreiber. Eine andere Dachkonstruktion sei zu aufwändig. Vielleicht hat die Vermummung aber auch etwas Gutes und sorgt dafür, dass sich die Gäste ein wenig mit ernsthafter Kunst auseinandersetzen ...

Rubriklistenbild: © privat/nh

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